Archiv für August, 2012

Die heimlichen Pläne für den Euro-Crash

Veröffentlicht: August 31, 2012 in Finanzen
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Banken und Konzerne bereiten sich darauf vor, dass der Euro zerfallen könnte. Sie horten Bares, ändern Verträge und proben, wie man die „neue Drachme“ einführt.

Es ist ein verzweifelter Besuch, den der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras dieser Tage der Kanzlerin und dem französischen Präsidenten abstattet. Er bittet für sein Land um mehr Geld und mehr Zeit. Doch er muss sich einiges anhören. Der Austritt Griechenlands aus dem Euro sei „für den Euro kein Problem“ – wie es Volker Kauder (CDU) formulierte. Der Notfallplan für den Austritt Griechenlands sei längst gemacht – wie es aus dem Finanzministerium an die Öffentlichkeit drang.

Der Ton wird härter gegenüber Griechenland, die Lage vertrackter. Schon glaubt eine Mehrheit der Deutschen, dass Griechenland bald nicht mehr zum Euro gehört.

Die Krisenteams haben Griechenland abgehakt

Was für den Normalbürger beängstigend klingt, das haben kleine Zirkel längst minutiös durchdacht. Die großen Banken und viele Unternehmen haben den Plan für den Austritt Griechenlands aus dem Euro größtenteils schon vor Monaten gemacht. Berater der Finanzberatung Capco etwa haben 300 Seiten starke Kompendien geschrieben, in denen jeder Schritt enthalten ist, den eine Bank gehen muss, wenn Tag X gekommen ist.

Jede Anlageklasse hat ihren eigenen bis zu 30 Seiten umfassenden Ablaufplan. Das sind keine theoretischen Spielereien. Capco-Partner Bernd Richter berichtet: „Für unsere Kunden haben wir genau getestet: Was muss ich am Computersystem verändern, damit der Trader in der Suchmaske auch die neue griechische Drachme finden kann? Und wie schnell kriege ich das hin?“ Sogar die Mails des Vorstandsvorsitzenden an die Mitarbeiter und an die Presse wurden schon in ihren wesentlichen Inhalten festgelegt.

Nein, die Krisenteams, die in den großen Banken und Konzernen vor Monaten gebildet wurden, haben Griechenland längst abgehakt. Sie sind weiter. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dem Euro auch ganz schiefgehen könnte, steigt, seit auch Spanien unter den Rettungsschirm geflüchtet ist. Seitdem bereiten sich die Krisenteams auf ein viel beängstigenderes Szenario vor: auf das Auseinanderbrechen des Euro.

„Alle Pläne liegen fertig in der Schublade“

„Rund ein Drittel der Führungskräfte in deutschen Unternehmen hält es für wahrscheinlich, dass der Euro in einen Nord- und einen Süd-Euro zerfallen könnte“, berichtet Alexander Roos, der als Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Firmen zur Euro-Krise berät. Zwar glaubt eine Mehrheit immer noch, dass der Euro bleibt, aber man bereitet sich trotzdem auf den Ernstfall vor.

Die Banker sind besonders nervös. Die Anzeichen sind alarmierend: Außereuropäische Anleger ziehen sich zurück. Amerikanische Banken schotten sich gegenüber Europas Banken ab, berichtet Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. Früher haben Euro-Banken Dollarkredite aufgenommen, jetzt ist das schwieriger.

Seit Monaten arbeiten deshalb Euro-Krisenteams, eingebunden sind alle relevanten Abteilungen: Risikomanager, Treasury, Kundenbetreuer, Kommunikation. Die Volkswirte arbeiten an ökonomischen Prognosen, die Praktiker am Handfesten: Muss die Bank am Tag X schließen und, wenn ja, wie lange? Wann stoppt man Überweisungen in ein Land, das die Eurozone verlässt? Was passiert mit den Geldautomaten? Was mit den Sparbüchern? „Alle Pläne liegen fertig in den Schublade“, sagt ein Banker. Bei fünf Prozent Wahrscheinlichkeit der Euro-Schmelze habe man angefangen, sich tiefere Gedanken zu machen, erzählt ein anderer Bank-Manager. Aktuell beziffert er das Risiko schon auf 15 bis 20 Prozent.

Tochterbanken werden vom Mutterkonzern abgetrennt

Offen darüber sprechen will allerdings keiner – weder in den Banken noch in den Versicherungen, die ebenfalls eifrig Szenarien durchspielen. Von der Arbeit der Krisenteams erfahren selbst die meisten Mitarbeitern nichts, geschweige denn die Öffentlichkeit. Zu groß ist die Sorge, damit Panik zu schüren und den Euro zu gefährden.

Am offensten ist noch Michael Diekmann, Chef der Allianz. „Unser Basis-Szenario ist unverändert, dass Griechenland in der Eurozone verbleibt“, sagte er Anfang August. „Die Entwicklung der letzten Monate hat aber gleichzeitig das Risiko anderer Szenarien wachsen lassen.“ Auch die Commerzbank gibt zu: „Wir spielen Szenarien durch. Das erwarten Kunden, Mitarbeiter, Bankenaufsicht. Das heißt nicht, dass wir deren Eintritt erwarten.“ „Kein Kommentar“ ist hingegen die knappe Antwort aus der Deutschen Bank auf die Frage nach Notfallplänen.

Dass die Großbanken sich wappnen, kann man aber auch in ihren Finanzberichten nachlesen. Seit einiger Zeit fahren sie nämlich eine besondere Strategie, um bei einem Zerfall des Euro handlungsfähig zu bleiben: Sie trennen ihre Töchter in den Krisenländern finanziell weitgehend vom Mutterkonzern ab. Das geht am besten, indem die spanischen oder italienischen Tochterbanken sich nicht mehr über die deutsche Mutter bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren, sondern direkt über die Notenbank vor Ort. Der Vorteil: Würde Spanien oder Italien den Euro verlassen und eine eigene Währung einführen, die stark abwertet, hätte die Bank kein Problem. Der Wert der Forderungen gegen spanische oder italienische Unternehmen und Privatleute würde genauso abwerten wie der Wert der Verbindlichkeiten gegenüber der örtlichen Notenbank. Auf beiden Seiten der Bilanz stünde dieselbe Währung.

Keiner spricht gerne über den Tag X

Aus diesem Grund haben sich etwa die Tochtergesellschaften der Deutschen Bank in Spanien und Italien vor Ort insgesamt neun Milliarden Euro bei der Notenbank besorgt. Und Commerzbank-Chef Martin Blessing hat vor Monaten schon bekannt, die Refinanzierung über die lokalen Notenbanken sei ein Mittel, sich gegen einen Zusammenbruch der Eurozone zu wappnen.

Zusätzlich bringen die Geldhäuser ihre flüssigen Mittel ins Nicht-Euro-Ausland. „Speziell große Häuser verlagern Liquidität aus dem Euroraum heraus“, erzählt Daniel Kapffer, Partner bei der Beratung Accenture. Und sie arbeiten ihre Verträge mit anderen Banken durch. „Insbesondere die Derivatekontrakte“, berichtet Peter Neu, Partner bei Boston Consulting. Betrachtet werden beispielsweise die Sicherheiten, die nun besser nicht mehr in Italien oder Spanien liegen sollten, und der Gerichtsstand. „Hier bevorzugt man London, da das ein relativ neutraler Standort in Bezug auf Euro-Probleme ist.“

Juristen, die sich mit solchen Verträgen auskennen, haben Hochkonjunktur, eilen von Firma zu Firma und verteilen Handzettel für Tag X: „Was ist zu tun, wenn die Eurozone auseinanderbricht?“, heißt es im Schreiben einer internationalen Kanzlei. „Fragen, die vor nicht langer Zeit als undenkbar galten“.

Auch in der Industrie hantieren sie alle intern mit Szenarien. Keiner jedoch spricht gerne darüber. „Wir beteiligen uns nicht an Schwarzmalerei“, sagt Daimlers Finanzvorstand Bodo Uebber. Die Kollegen in exportorienterten Dax-Konzernen wie BMW, BASF oder Linde sehen das genauso. „Wir sind für den Euro“ – das ist die große Linie.

„Keine Sorge“

Hinter den Kulissen geht es anders zu. Die Finanzabteilungen wissen genau, was sie tun. Zum Beispiel horten sie Cash. „Die Firmen lassen nicht mehr über Nacht große Geldbeträge in Spanien oder Italien liegen“, erzählt Berater Roos. „Jede Nacht machen sie die Konten in den Krisenländern bis auf einen Mindestbetrag leer und ziehen das Geld in Deutschland zusammen.“ Man will nichts verlieren, falls Spanien, Portugal oder Italien über Nacht eine neue Währung einführen, die dann stark abwertet. Zudem schichten die Firmen hohe Geldbeträge in Währungen um, die wichtige Einkaufswährungen sind, häufig in Dollar.

Und die Juristen gehen Landesgesellschaft für Landesgesellschaft in den Krisenländern durch und fragen: Wie baue ich die rechtliche Hülle, so dass die Tochter notfalls insolvent gehen könnte, ohne die deutsche Mutter zu beschädigen?

Das klingt beängstigend, man kann es aber auch ganz anders sehen – wie einer der vielen Krisen-Berater, der ungenannt bleiben will. „Keine Sorge“, sagt er. „Der Euro mag crashen. Siemens und VW werden deshalb nicht untergehen.“

Originalartikel Frankfurter Allgemeine

Anshu Jain als neuer Chef des globalen Finanzkraken

Anshu Jain, seit 1995 leitender Angestellter der Londoner Niederlassung der Deutschen Bank, ist ihr neuer Chef. Seit einem Jahrzehnt ist er mit 150 Millionen Euro jährlich der bei Weitem höchstbezahlte Angestellte einer deutschen Aktiengesellschaft. Gleichzeitig arbeiten sich deutsche Medien „kritisch“ am 15-Millionen-Einkommen von Jains bisherigem Chef Josef Ackermann ab. Diese Dauerbeschäftigung mit dem Peanuts-Gehalt des Schweizer Panzeroffiziers d.R. zeigt, wie die deutschen Leitmedien das Bild der Deutschen Bank manipulieren – und es weiter tun werden.

Der Aufstieg des Anshu Jain

Jains Familie gehört in Indien zur Religionsgruppe der Jainas. Wegen ihrer strengen ethischen Regeln – dazu gehört unter anderem die Nichtverletzung von Lebewesen – dürfen die Anhänger nicht jeden Beruf ausüben. Oft arbeiten sie deshalb im Handel, im Bankgewerbe oder als Staatsbeamte. Jains Vater stieg im indischen Rechnungshof auf, Jains Cousin Ajit gehört zur Leitung von Warren Buffets Insvestmentholding Berkshire Hathaway.

Anshu Jain wurde in einer der teuren Privatschulen New Delhis unterrichtet, standesgemäß studierte er in Massachusetts/USA. Danach ging er an die Wall Street. In der Investmentbank Merrill Lynch baute er seit Ende der 1980er Jahre als Erster in der US-Bankenszene eine Abteilung für Betreuung und Beratung von Hedgefonds auf – diese unregulierten Finanzakteure waren und sind die Stars der globalen Finanzindustrie.

Sie arbeiten mit minimalem Eigenkapital, bekommen für ihre enormen Transaktionen die Kredite von den Investmentbanken. Sie wurden und werden nicht staatlich kontrolliert. Offiziell werden sie „Schattenbanksystem“ (shadow banking) genannt. Die wichtigsten unter ihnen sind heute nicht nur die Herren der Finanzindustrie, sondern auch der Wirtschaft. Sie sind die entscheidenden Eigentümer der großen Banken und Konzerne – zum Beispiel vom Großteil der dreißig deutschen DAX-Konzerne – wie auch etwa der führenden Ratingagenturen Standard & Poor‘s und Moody‘s.

Von der Wall Street ging Jain zur Deutschen Bank in London. Hier dirigierte er eine Armee von Händlern („Anshu‘s Army“). Sie kauft und verkauft in rasender Geschwindigkeit Unternehmens- und Staatsanleihen, Aktien, Devisen, Rohstoffe und Derivate. Strukturierte Wertpapiere und Produkte mit geringem Eigenkapital und großer, mit Fremdkrediten ermöglichter Hebelwirkung und dazu mit höchstmöglicher Intransparenz – das ist das Gewerbe dieser Finanzarmee. Damit spielte das Londoner „Powerhouse“ mindestens die Hälfte des Bankengewinns ein. Jains Gefolgsleute haben die Deutsche Bank in einen „riesigen Hedgefonds“ verwandelt, schrieb das Wirtschaftsmagazin Economist.

Die Jainas sind der Gewaltlosigkeit gegenüber Mensch und Tier verpflichtet, und sie sollen sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen. Nach dieser schönen Ethik soll, so heißt es, auch der eher stille Anshu Jain mit Frau und zwei Kindern im reichen Londoner Westen leben. Doch der ethische Familienmensch, als Banker tätig, wird zum gnadenlosen Berserker: Er verwandelt Nahrungsmittel in Spekulationsprodukte und treibt Millionen Menschen, auch in seinem Heimatland, in den Hunger. Zu den zutiefst unethischen Finanzprodukten der Jain-Bank gehören sogar Wetten auf das Sterbealter von Rentnern. Jede mitverursachte „Krise“ ist für eine solche Bank keine Krise, sondern die Möglichkeit zu neuen Enteignungen von Staaten, Unternehmen und Sozialsystemen.

Legal, illegal, scheißegal

Jain und seine Army deklarieren sich als Teil der westlichen Demokratie. Bei Bedarf werden aber auch deren Regeln gebrochen – routinemäßig. So steht in den USA die Deutsche Bank zusammen mit Goldman Sachs erneut unter vielfacher Anklage. Sie profitierten am meisten von den Rettungsmilliarden der US-Regierung. Die Deutsche Bank gehörte mit Jain zu den Banken, die mit den frühzeitigen Wetten auf fallende US-Immobilien betrügerische Milliardengewinne gemacht haben sollen. Mit Zinswetten, Cross Border Leasing und anderen Finanzprodukten hat die Bank Kommunen, andere Banken und Anleger getäuscht; ob in den USA, Deutschland oder Italien – Dutzende von Gerichtsverfahren laufen, der Bundesgerichtshof (BGH) verurteilte die Bank wegen Falschinformation zur Zahlung einer halben Million Euro Schadenersatz. Der kurzfristig vor dem Ausbruch der Krise gekaufte US-Immobilienfinanzierer MortgageIT wurde von der US-Regierung auf Schadenersatz verklagt, in einem Vergleich einigte sich die Deutsche Bank mit dem Gegner auf eine Zahlung von 200 Millionen US-Dollar. Klagewellen rollen auf die Deutsche Bank zu. Sie hat in den letzten Jahren dreistellige Millionensummen an Bußgeldern gezahlt. Hauptverantwortlicher: Jain. Doch weder er noch sonst ein Manager zeigen Unrechtsbewusstsein. Sie stehen über dem Gesetz. Bußgelder sind Betriebskosten.

In Frankfurt, New York, Mailand, Moskau, Buenos Aires, nahezu weltweit unterhält die Deutsche Bank Niederlassungen. Sie agieren im Rahmen der jeweiligen Aktiengesetze. Sie sind die legalen Arme der Bank. Als solche gibt die Deutsche Bank zum Beispiel Griechenland Kredite bzw. kauft griechische Staatsanleihen. Gleichzeitig organisieren Hedgefonds im Hintergrund und im Zusammenspiel mit der Bank das Spiel mit den Kreditausfallversicherungen und anderen Kredit- und Anleihederivaten. Deren Finanzvolumen ist zehnmal größer als die 300 Milliarden Euro griechischer Staatsschulden (Spillover-Effekt).

Gleichzeitig betreibt die Deutche Bank auch ein unterirdisches Netz von 1.064 Zweckgesellschaften, Beteiligungen u.Ä. in Finanzoasen wie Cayman Islands, Delaware, St. Helier und weiteren Orten. Solche Firmen dürfen und sollen ihre Aktivitäten verheimlichen. Das sind gut die Hälfte der 2.072 Unternehmenseinheiten, aus denen die Bank besteht. Die Finanzoasen, in denen auch die Hedgefonds ihren rechtlichen Sitz haben, stehen außerhalb der üblichen Regulationen, aber aus dieser okkulten Parallelwelt heraus wird das heutige Finanzsystem regiert.

So verfügt die Deutsche Bank nach Mafia-Art über legale und illegale Operationsformen, über (halbwegs) regulierte und exterritoriale, nichtregulierte Standorte. Sicher: Die Bezeichnung „illegal“ ist problematisch, weil besonders die „demokratischen“ Staaten diese Praxis fördern. Aber im menschen- und völkerrechtlichen Sinne haben wir es mit illegalen, kriminellen Praktiken zu tun.

Jains neue Mannschaft

Die Haupteigentümer der Bank wollten als neuen Vorstandschef nicht Ackermanns Wunschkandidaten, Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber. Sie wollten Jain. Larry Fink, Chef des größten Hedgefonds der gegenwärtigen Welt, Blackrock, und zugleich größter Einzelaktionär der Deutschen Bank, ließ in der New York Times verlauten, als das Postengerangel zwischen Ackermännern und Jains tobte: „Anshu macht einen fantastischen Job“: Das war die Entscheidung. Sie lag ohnehin schon vorher fest.

Im neuen Vorstand, einem Club von 18 Männern, gehört die Mehrheit zu Anshu’s Army. Bevor ihre Mitglieder zur Deutschen Bank kamen, haben sie an der Wall Street gelernt. Stephan Leithner war früher bei McKinsey. Henry Ritchotte kommt wie Jain von Merrill Lynch. Gunit Chadah war zuvor bei der Citigroup. Alan Cloete lernte das lukrative Bankrottieren bei Lehman, Colon Fan dasselbe bei der United Bank of Switzerland (UBS). Der US-Amerikaner Richard Walker bleibt Chefjurist, um weiter das angelsächsische Eigentumsrecht durchzusetzen.

Neuer Aufsichtsratschef wird Paul Achleitner, der mitgeholfen hat, den Versicherungskonzern Allianz mit Hedgefonds zu verknüpfen. Sein Stellvertreter wird Siemens-Chef Peter Löscher, damit niemand den falschen Eindruck gewinnt, Konzerne der „Realwirtschaft“ würden sich vor allem mit „Realwirtschaft“ befassen. Übrigens gehören Hedgefonds natürlich auch zu den Haupteigentümern von Siemens, so zum Beispiel der Deutsche-Bank-Hauptaktionär Blackrock.

Die PR-Agentur Hering Schuppener (Motto: „Botschaften, die den höchstmöglichen Mehrwert generieren“) soll die Übergangsphase bis zum formellen Machtantritt von Anshu‘s Army begleiten. Die Agentur streute in die deutsche Medienwelt ein: Jain sei nicht nur ein cooler US-Banker aus London, sondern er schätze europäische Kultur, er trinke nämlich gern französischen Wein; und er freue sich, demnächst den deutschen Riesling zu kosten. Daran kann man erahnen, welch schwere Verdummungsarbeit auf Thorsten Strauß wartet, den Ex-Sprecher des Bertelsmann-Konzerns: Bis zu seinem Amtsantritt am 1. Juni 2012 als Deutsche-Bank-Sprecher durfte er gar nichts sagen. Nun soll er den Deutschen verkaufen, dass Jains Bank auch zukünftig mit der „deutschen Kultur“ bestens vereinbar ist. Als Jain seinen ersten offiziellen deutschen Satz sprach, waren die Kameras auf ihn gerichtet – genauso wird es sein, wenn er öffentlich den ersten Riesling verkostet.

Globaler Finanz- und Machtkrake

Die antikoloniale Politik Indiens unter Gandhi und Nehru war für Jains Familie ein privilegienbedrohender Staatssozialismus. Die Forderungen heutiger Bankenkritiker findet Jain „maßlos“. Er glaubt, dass Politiker die Finanz- und Wirtschaftskrise nur als Vorwand betrachten, um Marktwirtschaft und unternehmerische Freiheit zu zerstören. Vor Begegnungen mit Bürgern und Occupy-Aktivisten lässt Jain sich von einem Ex-Mitglied des US-Elitetrupps Navy Seals schützen.

Die Deutsche Bank ist mit Jain keine Bank, sondern endgültig eine Vorfeldorganisation mehrerer Hedgefonds. Mit ihrer mafiaähnlichen Doppelstruktur kann man sie sich auch als Finanzkraken vorstellen, der vielarmig zwischen dem dunklen Reich der Schattenbanken und dem vermittelt, was in den Kapitaldemokratien „Öffentlichkeit“ genannt wird – politisches und Rechtssystem, Medien, Bürger und Bankkunden.

Die Eigentümer hoffen, dass Anshu‘s Army die Bank zu „neuer Größe“ führt: Sie soll unter die Top Five der Welt aufsteigen, nachdem sie unter Ackermann bei aller Expansion tief abrutschte. Sie soll neue Geschäftsfelder erschließen, vor allem in Asien und in den USA.

Allerdings weiß keiner besser als Jain, dass seine krisenverursachenden Finanzoperationen nur mit staatlicher Rückversicherung hohe Gewinne bringen. So machte er artig seine Aufwartung bei diversen Regierungen, so bei Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble, der untertänigst Lob abließ: „Jain ist ein brillanter Banker mit globaler Perspektive.“ Auch die Spenden an die richtigen Parteien in den USA, in Deutschland usw. werden weiterfließen, und Jain wird nach Ackermann wohl die Präsidentschaft der internationalen Bankerlobby International Institute of Finance (IIF) bei der Deutschen Bank halten. Bei den Staatsverschuldungs- und „Rettungs“-Konferenzen wird nun Jain statt Ackermann mit an den Regierungstischen sitzen.

Auch Jain drang auf den Kauf der deutschen Postbank: Die Millionen Bürger-Kleinkunden, eigentlich für Investmentbanker uninteressant, bedeuten bei kommenden Finanzkrisen eine zusätzliche Staatsgarantie: Jede Regierung würde die Deutsche Bank retten „müssen“. Der Finanz- und Machtkrake als Enteignungsmaschine.

Die Deutsche Bank zerschlagen: Recht so! Doch dann fängt die eigentliche Arbeit erst an.

Originalartikel Hintergrund.de

Amerikanische Beamte drängen die Regierungen der Eurozone derzeit dazu, keine drastischen Maßnahmen anzuwenden, die noch vor der US-Wahl zu einem Austritt Griechenlands aus dem Euro führen könnten. Das berichten britische Regierungsquellen. Ein Austritt könnte Obamas Wiederwahl gefährden, fürchten die US-Beamten.

Barack Obama sucht seit einigen Monaten immer wieder das Gespräch mit europäischen Regierungschefs. Die Verbindung zu Francois Hollande ist stark und am Mittwoch gab es eine Telefonkonferenz mit David Cameron. Die Ausweitung der Schuldenkrise ist auch in den USA zu spüren, wenngleich die USA genügend hausgemachte Probleme haben. Dennoch hätte Barack Obama lieber noch vor der Präsidentschaftswahl im November eine Verbesserung in Europa. Der häufige Kontakt zu den EU-Regierungschefs hat aber auch ein ganz konkretes Ziel.

Die Obama-Administration setzt die europäischen Regierungen unter Druck, einen Austritt Griechenlands nicht vor dem Ende der Präsidentschaftswahl in den USA zuzulassen. Das berichtet der britische Independent mit Verweis auf britische Regierungsquellen. Im Oktober wird der Troika-Bericht erwartet, der alles andere als rosig aussieht. Erst danach wollen die Regierungschefs über das weitere Vorgehen beraten.

Die amerikanischen Beamten seien besorgt, so der Independent, dass Griechenland, wenn es keine weitere Tranche aufgrund des nicht erreichten Defizit-Zieles erhält, automatisch aus dem Euro ausscheiden würde und das wäre dann womöglich kurz vor der Präsidentschafts-Wahl. Die US-Beamten drängen die Regierungen der Eurozone, vor diesen Wahlen keine drastischen Maßnahmen anzuwenden. Aus Angst, eine daraus resultierende Destabilisierung des Marktes würde Obamas Wiederwahl gefährden. Sie setzen darauf, dass die EU eher mit Obama sympathisiere als mit Mitt Romney, der sich eher aus den Verbindungen zur EU zurückziehen würde.

Der britische Telegraph berichtet gerade, dass es Spekulationen an den Märkten gibt, dass das deutsche Finanzministerium plane, Griechenland vorübergehend aus der Eurozone zu entlassen.

Originalartikel Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Ein Gespräch mit Werner Rügemer über die Macht der privaten Bonitätsprüfer

HINTERGRUND: Gegenwärtig entsteht der Eindruck, Rating-Agenturen hätten ihren Ursprung im Neoliberalismus und der Globalisierung. Aber in Wahrheit gibt es diese Unternehmen viel länger. Mit welchem Auftrag waren diese Agenturen ursprünglich angetreten?
Werner Rügemer: Rating-Agenturen kamen vor etwa 150 Jahren mit dem Aufstieg des amerikanischen Kapitalismus, insbesondere des Aktienwesens, auf die Welt. Teilweise trugen sie schon die Namen, mit denen sie heute bekannt sind, beispielsweise Poor’s, Moody’s oder Fitch. Diese Entwicklung war verbunden mit den vielen Eisenbahngesellschaften, die sich in den USA als Aktiengesellschaften konstituiert und sich durch den Börsengang ihr Kapital verschafft haben.
Bei den Anlegern entstand das Bedürfnis, sich über die vielen Eisenbahn-, später auch Stahl- und Textilaktiengesellschaften genauer zu informieren. Damals sind viele solcher Aktiengesellschaften sehr schnell pleitegegangen oder haben ihre Aktionäre betrogen. Die Rating-Agenturen, die zu jener Zeit noch Familienbetriebe mit wenigen Beschäftigten waren, haben dann regelmäßig Informationen über die Aktiengesellschaften herausgegeben – heute würden wir sagen, Newsletter. Die sind damals als Printprodukte auf dem freien Bücher- und Zeitschriftenmarkt verkauft worden, als Handbücher und Jahresberichte. So wurde über Jahrzehnte verfahren.
Die große systematische Veränderung begann in den 1970er Jahren unter der Präsidentschaft von Gerald Ford in den USA – mit den Anfängen der sogenannten neoliberalen Umgestaltung des Finanzwesens und der Wirtschaft. Damals wurden die Rating-Agenturen, die vorher freie kleine Unternehmen gewesen waren, mit staatlichen hoheitlichen Aufgaben betraut. Das heißt, sie wurden von der amerikanischen Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) lizenziert und die Modalitäten ihrer Tätigkeit von der Finanzaufsicht festgelegt. Das hatte zur Folge, dass die Ratings in viele einzelne Gesetze für Investmentfonds, Pensionskassen und so weiter aufgenommen worden sind. Und auch wenn Banken einen Kredit vergeben haben, dann mussten sie ihr Eigenkapital nach der Risikobewertung der Rating-Agenturen richten. Ab Ende der 70er Jahre gab es in den USA ein gefestigtes privat-staatliches System. Mit der Globalisierung hat Wallstreet dieses System dann, vereinfacht gesagt, in Verbindung mit den jeweiligen amerikanischen Regierungen in alle Welt exportiert und verbindlich gemacht. Das galt für die Entwicklungsländer, die UNO, die sogenannten entwickelten Staaten, für den Internationalen Währungsfonds und vor allem für die öffentlich kaum bekannte Bank for International Settlements, wie die Zentralbank der Zentralbanken mit Sitz in der Schweiz heißt. Die Amerikaner haben also durchgesetzt, dass praktisch alle anderen Staaten dieses System übernommen haben und sich damit auch der Vorherrschaft der drei großen US-Rating-Agenturen, deren Arbeitsweise und Kriterien unterordnen mussten.

HINTERGRUND: Hat man damit das System nicht quasi von den Füßen auf den Kopf gestellt, denn mit der Neuausrichtung hatten sich sowohl Auftraggeber als auch Finanzierungsverhältnisse verändert?
Werner Rügemer: Ja. Das war etwa 1975. Die amerikanische Bankenfinanzaufsicht, die die drei großen Rating-Agenturen lizenziert hatte, stimmte zu, dass der Bezahlmodus geändert wurde und nicht mehr die Kleinanleger oder Aktienkäufer die Ratings bezahlt haben. Vielmehr zahlten von nun an, und das ist seitdem unverändert, die Banken oder die Finanzakteure, die ein Paket von Aktien oder anderen Wertpapieren auf den Markt werfen – dazu gehören inzwischen auch Hedgefonds und Private Equity Fonds –, den Rating-Agenturen ein Honorar. Das heißt also, es hat eine vollständige Umkehrung des Bezahlmodus stattgefunden. Das hat natürlich dazu geführt, dass nach dem Motto „Wer zahlt, schafft an“ die Eliten, wie man in der Bankensprache sagt, also die Verkäufer der Aktien, auch Einfluss auf die Ratings selbst nehmen.

HINTERGRUND: Wie läuft das bei den Ratings für Staaten – müssen die auch dafür bezahlen?
Werner Rügemer: Das ist sehr unterschiedlich. Und da kommen wir zu einem Umstand, der in der Öffentlichkeit, trotz des vielen Geredes und Geschreibes darüber, kaum bekannt ist. Es gibt nämlich zwei unterschiedliche Arten von Ratings. Erstens die bestellten Ratings. Da sagt eine Bank oder ein Unternehmen: „Ich möchte eine Anleihe auf den Markt bringen“ und beauftragt dann eine Rating-Agentur: „Du machst mir dieses Rating, und dafür zahle ich dir 200000 Dollar.“ Manchmal holen sich aber auch Staaten eine Note bei einer Rating-Agentur. Zweitens gibt es unbestellte Ratings, vor allem in Krisenzeiten, wie auch jetzt in der Finanzkrise und in der sogenannten Staatsschuldenkrise. Das heißt, die Agenturen bestimmen in Eigenregie selbst den Zeitpunkt, an dem sie ein Rating vornehmen, beispielsweise für den Staat Griechenland oder die USA. Dafür bekommen sie kein Honorar, und da stellt sich natürlich die Frage: Warum tun sie das?

HINTERGRUND: Genau. Es wird ja suggeriert, Rating-Agenturen seien völlig unabhängig, eine neutrale Instanz, die wissenschaftliche Expertisen anfertigt. In welchem Beziehungsgeflecht stecken sie aber tatsächlich?
Werner Rügemer: Sie legen ja normalerweise viel Wert darauf, dass ihre Ratings sehr gut bezahlt werden. Ein Honorar für ein kompliziertes Rating beträgt manchmal eine Million Dollar. Wenn eine Agentur also darauf freiwillig verzichtet, dann muss es gewichtige Gründe geben. Die Erklärung ist leicht, wird nur nicht offengelegt: Die Agenturen werden als eigenständige, neutrale, objektive Akteure vorgestellt. Das sind sie aber nicht. Sondern sie gehören den Banken und Hedgefonds, die heute den Finanzmarkt beherrschen. Wenn sie dann mal eben – vor allem in Krisensituationen, in denen es wirklich um sehr viel Geld, mögliche Gewinne geht – ohne Honorar arbeiten, dann dürfen wir annehmen, dass sie das im Interesse ihrer Eigentümer tun. Denn ihre Kriterien unterscheiden sich ja keinen Deut von den Kriterien, die die großen Investmentbanken, Hedgefonds und andere Finanzakteure haben.

HINTERGRUND: Sie sagen auch, dass sich aus den Ratings private Profite erzielen lassen.
Werner Rügemer: Ja, die Eigentümer der Rating-Agenturen, etwa die großen Investmentbanken, wie Goldman Sachs, Deutsche Bank und die Hedgefonds, die wiederum die Eigentümer von Goldman Sachs und der Deutschen Bank sind, verdienen umso mehr, je mehr die Unternehmen oder Staaten Kredite aufnehmen und je mehr sie Schulden anhäufen. Das Interesse der Rating-Agenturen und ihrer Eigentümer, der Kreditgeber, liegt darin, möglichst viele Kredite zu vergeben. Daher kommt es, dass Staaten, obwohl sie sehr hoch verschuldet sind, wie die Vereinigten Staaten oder auch Deutschland und Japan oder Großbritannien, ein hohes Rating bekommen. Denn daran verdienen die Kreditgeber am meisten. Auch wenn in den Krisensituationen die Ratings sinken und die Zinsen für die Kredite in die Höhe schießen, ist das natürlich im Interesse der Kreditgeber.

HINTERGRUND: In Deutschland sind die Zinsen nach wie vor recht niedrig.
Werner Rügemer: Ja. Das verweist auf einen weiteren Punkt: Staatsanleihen werden von den großen Versicherungsgesellschaften wie Allianz oder den großen Investmentbanken oder sonstigen Finanzakteuren nicht deswegen vorrangig gekauft, weil sie etwa große Zinserträge bringen – sondern sie sind als Darlehen interessant, die Sicherheit bieten und auf die neue Finanzprodukte, sogenannte Derivate, gesetzt werden. Das heißt also, die Staatsanleihen, über die und deren Rückzahlung wir gegenwärtig am Beispiel Griechenland so viel diskutieren, werden von den Kreditgebern nur als Basis für ihre Spekulationen benutzt. Griechenland hat ja „nur“ etwa 300 Milliarden Euro Schulden, während aber die gesamten Derivate, die auf diesen Schulden aufgebaut werden, mindestens das Zehnfache betragen. In der heutigen Finanzindustrie wird versucht, aus jeder Bewegung auf den Finanzmärkten, jeder Veränderung des Kurswertes einer Aktie oder der Bonität einer Staatsanleihe Kapital zu schlagen – auf Basis der Derivate. Ob es rauf- oder runtergeht ist den Finanzakteuren dabei egal.

HINTERGRUND: Das bedeutet, die Profitmaximierung läuft offensichtlich in diesem ganzen System zusammen. Sie zitieren in Ihrem neuen Buch aus der Studie einer Schweizer Universität, in der nach dem „Kern der Kapitalmacht“ gesucht wurde. Diese Macht konzentriert sich auf 147 multinationale Konzerne.
Werner Rügemer: Diese Studie der Eidgenössischen Hochschule in Zürich hat alle – rund sechzig Millionen – Unternehmen in der Welt untersucht und jene Gruppe herausaggregiert, die heute in der Finanz- und Wirtschaftswelt dominierend ist. Sie besteht zum größten Teil aus Banken bzw. Hedgefonds. Es sind sehr wenige Unternehmen im klassischen Sinne darunter, also sogenannte produzierende Unternehmen. Diese Machtkonzentration kommt eben dadurch zustande, dass diese 147 – größtenteils Finanzunternehmen – ein tief verschachteltes System von Eigentumsanteilen unterhalten.

HINTERGRUND: Sie sagen auch, dass der Staat letztendlich dieses Geflecht der Profitmaximierung absichert.
Werner Rügemer: Ja. Die Macht der Rating-Agenturen hat zwei Quellen: Zum einen die mächtigen Finanzakteure, die Eigentümer der Agenturen sind; und zum zweiten die Macht, die ihnen durch die Staaten, die Gesetzgebung, die Integration der Ratings in die Regularien der Kreditvergabe zugeordnet worden ist. Die Propagandisten der Deregulierung haben seit den 1970er Jahren immer gesagt, wir müssen diesen Wust an staatlicher Regulierung der Banken, an staatlicher Bürokratie abschaffen, denn die behindern unsere Tätigkeit. Aber tatsächlich wurden bisherige finanzaufsichtliche Regelungen und Einschränkungen der Freiheit der Finanzakteure abgeschafft. Diese Leerstelle wurde wieder ausgefüllt durch eine kombinierte privat-staatliche Regelung, nach der die Privaten das Sagen haben. Weltweit wurde in Hunderten von Regulierungsvorschriften, zum Beispiel auch in den Zentralbanken, in der EZB, in der Deutschen Finanzaufsicht BaFin, den Rating-Agenturen und ihren Ratings von den jeweiligen Staaten sozusagen eine gesetzliche Rolle zugeschrieben.

HINTERGRUND: Wie erfolgt eigentlich die Bewertung der Bonität von Staaten. Was sind die Kriterien? Welche Daten werden erhoben?
Werner Rügemer: Das Kriterium ist ganz primitiv. Es geht nur um die Frage, ob die Staaten ihre bisherigen und zukünftigen Kredite sicher, pünktlich und vollständig zurückzahlen können. Und die Daten, die dafür erhoben werden – das behaupten jedenfalls die Rating-Agenturen –, sind konventionelle Daten, die eigentlich jedem bekannt sind: das Bruttosozialprodukt, die Zahl der Bewohner, das Einkommen, die Steuereinkommensverläufe der letzten und kommenden Jahre, die Höhe der Verschuldung sowie die bisherige und zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Also eigentlich ganz banale Daten. Das Problem sind vielmehr die Vorschläge, die gemacht werden, um die Rückzahlungsfähigkeit zu gewährleisten. Es gab zum Beispiel noch nie eine Rating-Agentur, die etwa im Fall Griechenland – dort gäbe es viele Gründe dafür – verlangt hat, die völlig überzogenen Rüstungsausgaben, pro Kopf der Bevölkerung die weitaus höchsten in der EU, zu reduzieren. Es hat auch keine Rating-Agentur gefordert, die besonders Vermögenden in Griechenland nachhaltig zu besteuern und vom Staat zu verlangen, das adäquate Instrumentarium dafür zu entwickeln. Stattdessen schlagen jene Kriterien durch, die in der neoliberalen Finanzindustrie und Wirtschaft herrschen: Es wird erst einmal im sozialen Bereich gespart, öffentlich Beschäftigte werden entlassen, die Renten werden reduziert und das Rentenalter erhöht. Die Sozialtransfers werden gekürzt, staatliche Unternehmen verkauft und so weiter.

HINTERGRUND: Die Rating-Agenturen können also durch ihre Beurteilung den Umbau einer Gesellschaft diktieren?
Werner Rügemer: Ja. Durch die Ratings werden Möglichkeiten eröffnet, die die Finanzakteure auch auf anderem Wege zu erreichen versuchen. Die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, der Verkauf öffentlicher Unternehmen und das private Betreiben der öffentlichen Infrastruktur ist unabhängig von den Rating-Agenturen ein Bestreben der Finanzakteure, das mit der Deregulierung begonnen hat. Doch wenn zusätzlich ein Staat heruntergestuft wird und er seine Zahlungsfähigkeit dadurch, dass öffentliche Unternehmen verkauft werden, wiederherstellen muss, dann ist das Rating ein zusätzlicher Hebel.

HINTERGRUND: Sie beschreiben in Ihrem Buch am Beispiel der Hartz-IV-Gesetze, wie die Rating-Agenturen nahezu erpresserisch sozialpolitische Maßnahmen forciert haben.
Werner Rügemer: Das tun die eigentlich immer. Auch wenn die Bonität von Unternehmen heruntergestuft wird. Dann werden als Maßnahmen, das Rating wieder zu verbessern, Lohnsenkungen, Entlassungen und so weiter gefordert. Der Staat wird also nicht besonders behandelt. Die Rating-Agenturen haben das Hauptkriterium: „Kann dieser Staat seine Kredite jetzt und in Zukunft zurückzahlen?“ Wenn er das nicht kann, dann muss er auf der sozialen Seite, der Lohnseite oder am Eigentum sparen. Bei einem Unternehmen kann die Forderung lauten, Teile zu verkaufen. Beim Staat lautet sie: verkauf deine Telekommunikationsunternehmen, deine öffentliche Eisenbahn oder sonst etwas. Standard & Poor’s hat Anfang der 2000er Jahre, während einer Pressekonferenz in Berlin, eine Herabstufung der Bundesrepublik Deutschland angedroht, für den Fall, dass die Agenda 2010 nicht bald beschlossen würde. Das heißt, Einsparungen bei den Sozialleistungen, Auflockerung des Arbeitsmarktes durch Leiharbeit und leicht kündbare Billigjobs, also 400-Euro-Jobs, Ein-Euro-Jobs und so weiter.

HINTERGRUND: Damit haben also nachweislich internationale Finanzakteure unmittelbaren Einfluss auf die bundesrepublikanische Politik genommen.
Werner Rügemer: Ja, natürlich! In den Entwicklungsländern ist das ständig passiert. Seit den 1970er Jahren haben sich die Staaten durch die neoliberale Praxis mehr als früher verschuldet, weil sie auf wesentliche Steuerquellen – zumindest zum Teil – verzichtet haben: die Besteuerung von hohen Einkommen, von Unternehmensgewinnen, von Erbschaften und Vermögen, von Kapitalgewinnen. In den 70er Jahren wurden zunächst nur selten, Ende des Jahrzehnts gerade einmal drei oder vier Staaten von den Rating-Agenturen bewertet. Dann gab es weltweit eine zunehmende Häufigkeit bei gleichzeitig ansteigender Staatsverschuldung, bis dann schließlich, wie heute üblich, praktisch alle Staaten geratet wurden.

HINTERGRUND: Werden Rating-Agenturen kontrolliert?
Werner Rügemer: Sie werden lizenziert, und sie sollen in den USA auch kontrolliert werden. Aber es wird nur kontrolliert, was auch gesetzlich festgeschrieben ist. Da aber die Rating-Agenturen die Methoden ihrer Notenvergabe selbst festlegen, haben sie sozusagen die Definitionshoheit.
Die Vorgaben für die Kontrolle werden damit im Grunde von den Rating-Agenturen selbst gemacht.

HINTERGRUND: Es gibt keinerlei staatliche Kontrolle?
Werner Rügemer: Es wird oft gesagt, sie werden kontrolliert, weil sie von der Finanzaufsicht lizenziert werden. Auch die Bundesdeutsche Finanzaufsicht BaFin hat vier Rating-Agenturen lizenziert, aber das Lizenzverfahren war eine Farce, denn die haben einfach – zum Beispiel für Standard & Poor’s oder Moody’s und Fitch – das abgeschrieben, was in der Genehmigung aus den USA stand.

HINTERGRUND: Der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte wiederholt, die Rating-Agenturen fungieren in der Eurokrise als Brandbeschleuniger, und er machte sie damit zu Mitverantwortlichen. Sie aber sagen, die Eurokrise sei konstruiert und diene letztlich zur privaten Geldschöpfung bestimmter Finanzakteure.
Werner Rügemer: Ja, das ist richtig. Es gibt Vorläufer – etwa die Asien-Krise –, wo ganze Ländergruppen in ähnlicher Weise in die Krise geführt worden sind wie jetzt in Europa. Die Krise wurde nicht vorrangig von den Rating-Agenturen selbst verursacht, sondern von den Kreditgebern. In der Asien-Krise wollten die großen Finanzhäuser den asiatischen Markt aufrollen, auch die US-amerikanischen produzierenden Konzerne hatten dort sehr viele Kredite vergeben – für den Neuaufbau von Firmen, zum Beispiel Hightech-Firmen, oder sie hatten, wie das dann auch in Griechenland oder Spanien der Fall war, sehr viel in den Immobilienboom investiert. Als das dann zusammengebrochen ist, kamen die Werkzeuge der Rating-Agenturen zum Einsatz. Die sagten dann: „Was ihr jetzt alles an Krediten aufgenommen habt, das ist viel zu viel, das könnt ihr nicht zurückzahlen.“ Sie haben Herabstufungen vorgenommen, genauso, wie das in Europa gewesen ist. Dabei kommt dann die Möglichkeit ins Spiel, dass die Rating-Agenturen – insbesondere bei Staaten – aus dem Kalkül ihrer Eigentümer, ohne Auftrag und zeitlich genau platziert, ihre Ratings veröffentlichen können. Das konnte man in den letzten Jahren bei Portugal, Griechenland oder Spanien genau beobachten: Wenn die jeweiligen Regierungen vor der Entscheidung standen, Sparmaßnahmen zu verabschieden, kam ganz gezielt ein, zwei, drei Tage vor einer Parlamentssitzung die Drohung einer Rating-Agentur oder direkt die Vergabe einer schlechten Note.

HINTERGRUND: Sind Alternativen unter den bestehenden Bedingungen denkbar – also reale politische Forderungen?
Werner Rügemer: Das Problem ist, dass die Staaten selbst keine eigenen Bewertungsmethoden und -verfahren im öffentlichen Interesse oder im Interesse des Funktionierens der gesamten Volkswirtschaft entwickelt haben. Man könnte sich denken, dass Bewertungsagenturen durchaus notwendig sind, die aber andere Kriterien haben. Sicher müssten auch die zuerst einmal davon ausgehen: Es besteht ein Kreditverhältnis zweier Partner, und für die Kreditvergabe tragen beide Teile Verantwortung. Wenn der Kreditnehmer in Verzug gerät, muss gefragt werden, ob der Kreditgeber tatsächlich so sorgfältig verfahren war wie etwa bei Häuslebauern und bei Kleinkrediten? Hat er wirklich geprüft, ob zum Beispiel der Staat Griechenland in der Zukunft zahlungsfähig ist, oder hat er sich, sozusagen aus Kalkül, auf eine Rating-Agentur verlassen? Das heißt, wir müssten für volkswirtschaftlich förderliche Bewertungsmethoden andere Kriterien einführen. Wir müssten beispielsweise bedenken, wie eine öffentliche Infrastruktur beschaffen sein muss. Wie viele und wie qualifizierte Beschäftigte muss der öffentliche Dienst haben? Man darf nicht von vornherein davon ausgehen: Wenn ein Staat wie Griechenland nicht zahlen kann, muss er halt 25000 Beschäftigte entlassen – unabhängig davon, ob dann die öffentliche Verwaltung überhaupt noch funktionieren kann. Auch müssten Bewertungskriterien für Maßnahmen zur Verringerung von Arbeitslosigkeit oder um eine Wirtschaft wieder in Gang zu setzen eine wesentlichere Rolle spielen. Beispielsweise müsste ein Heilungsvorschlag darin bestehen, dafür zu sorgen, dass ein Staat die ihm zustehenden Steuern wirklich eintreiben kann oder dass er bestimmte notwendige Steuern, um aus einer Schuldenkrise herauszukommen, neu einführen muss. Es gäbe etwa auch die Möglichkeit, nach einer von den Banken verursachten Krise eine einmalige Abgabe für Banken zu erheben oder eine entsprechende Transaktionssteuer und vieles mehr. Auf solche Kriterien stützen sich die bisherigen Rating-Agenturen nicht.

Originalartikel Hintergrund.de

Griechisches Gas – Hochverrat!

Veröffentlicht: August 25, 2012 in Propaganda
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Dieser Artikel ist an all die gerichtet die Griechenland gerne als Pleitestaat bezeichnen. Haltet euch gut fest.

Die wirtschaftspolitische Handelsorganisation Scandic Org bestehend aus sieben nordeuropäischen Staaten (Schweden, Norwegen, Dänemark, Island, Estland, Lettland und Litauen) bot Griechenland einen Kredit mit einer Laufzeit von fünf Jahren über 250 Milliarden an. Das geschah zu Beginn der Wirtschaftskrise in Hellas, bevor also die Troika (EU, IWF und EZB) mit der entgültigen Zerstörung griechischen Wirtschaft begonnen hat. Als Gegenleistung forderte Scandic Org für fünf Jahre Exklusivrechte für das Gas- und Ölvorkommen auf griechischem Boden.

Der Deal sah vor, das der Gewinn 80 zu 20 (für Griechenland) geteilt würde. Außerdem würden 90% der Arbeiter auf diesen Bohrtümen Griechen sein desweiteren würden  ausschließlich griechische Schiffe zum Einsatz kommen.

Das Angebot dieser Organisation hat die griechische Regierung nie beantwortet bzw. die Regierung Karamanlis verwieß auf die anstehenden Wahlen und das eine Unterzeichnung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sei. Scandic Org versuchte es einige Monate später beim amtierenden Ministerpräsident der wie gesagt jegliches Gerücht im Keim erstickte. Stattdessen kam einige Zeit später eine Antwort aus der USA und Israel, das man sich dem Thema schon angenommen hätte und jeder weitere Versuch griechisches Gas zu bekommen nutzlos sei.

Im Juni 2010 hat ein französiches geophysisches Institut in Zusammenarbeit mit der Universität Kreta damit begonnen Griechenland und das Meer drumherum nach Gasvorkommen zu untersuchen. Ergebnis dieser Untersuchung: 99% haltiges bzw. sauberes Gas welches direkt verarbeit werden kann. Und es gäbe Stellen im Mittelmeer aus denen das Gas ohne Bohrungen schon seit Millionen Jahren ausströmt und somit verloren geht, wärend Griechenland aus wirtschaftlichen Gründen am Rande eines Bürgerkriegs steht.

Ex Ministerpräsident Papandreou erlaubte daraufhin keine weitere Forschungen und behauptete bis vor kurzem, das es seinem Wissen nach kein Gas in Griechenland  (seht euch unbedingt dieses Video an) bzw. nur in geringen Mengen gibt.  Wie kann es sein, das ein paar km entfernt von Kreta, Libyen Gas in großen Mengen fördert, während es in Griechenland keins gibt? Wie kann es sein das Montenegro, Albanien, Bulgarien, Türkei, Ägypten und Libyen ihr Öl/Gas abpumpen und Griechenland genau im Epizentrum dieser hier aufgezählten Länder nichts hat? Ganz einfach weil GR von Verräter regiert wird bzw. regiert worden ist.

Es reicht nur ein Blick auf sein Gesicht und seine Gestik zu werfen, und man merkt sofort das dieser Mann lügt! Anscheinend überschlagen sich in dieser Woche die Ereignisse zu diesem Thema und: Es soll noch in den nächsten Tagen das Gesetz im Parlament verabschiedet werden welches die Ausschreibung der Bohrlizensen regeln soll. Wie auch immer was griechische Forscher schon seit Jahrzehnten behaupten und von jeder der Nachkriegsregierungen verneint wurde, hat sich nun bewahrheitet.

Es gab in der Vergangenheit viele Dokumentationen, Interviews und Talkrunden auf griechischen Fernsehsendern in denen griechische Wissenschaftler von den Bodenschätzen Griechenlands redeten. Viele wurden als Verschwörungstheoretiker denunziert einigen wurde sogar gedroht. Diese Wissenschaftler bezeichneten schon seit 1996 (Imia-Krise: die Gründe wieso die Türken und Griechen sich fast in ein Krieg verzettelt hätten kommen allmählich zum Vorschein) die jeweiligen Premierminister als hochgradige Verräter und Lügner.

Das norwegische Unternehmen TGF- Nor behauptet  und bezieht sich dabei auf Satelitenaufnahmen- jetzt kommt es ganz dick – das es allein in der Nähe Kretas 6 Milliarden Barrels sind. Mit anderen Worten drei mal mehr als in ganz Alaska und ungefähr die Hälfte von dem was in Sibirien ist.

Weitere große Vorkommen soll es im ionischen Meer und in der Ägais geben laut dem selben Unternehmen. Es gibt auch Hinweise das Hitler gezielt nach Öl in Griechenland gesucht hat, die Russen diese Dokumente beim Einmarsch in Berlin gestohlen haben und seit den Sateliten im Orbit wissen es auch die Amerikaner, das es in Griechenland ein reiches Vorkommen an Energie gibt. Dieses Wisssen teilen sich heute die großen Banken dieser Welt mit den großen Energiekonzernen doch der griechische Bürger der weltweit für alles verantwortlich gemacht wird soll anscheinend nichts vom Kuchen abbekommen. Die Beute ist schon aufgeteilt bzw. wurde schon von unserem Bettlerpräsidenten an seine Freunde in Washington/New York versprochen!

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Übersetzung aus dem griechischen Blog Greekcitizen und wurde mit Informationen aus der Enthüllungssendung des bekannten griechischen investigativen Journalisten Kostas Hardavellas ergänzt.

Originalartikel Griechischer Wein WordPress Blog

Bundesbank macht Geheimnis um Goldreserve

Veröffentlicht: August 25, 2012 in Finanzen
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Sind deutsche Goldbarren im Ausland sicher? Um diese Frage zanken sich Bundesbank und Bundestag. Ein Bericht soll sie klären – bisher gibt die Zentralbank ihn aber nicht frei.

Der Streit zwischen der Deutschen Bundesbank und dem Bundestag über die Prüfung der deutschen Goldreserven kommt ins Stocken. Ein Bericht des Bundesrechnungshof zur Bilanzierung, der dem Haushaltsausschuss versprochen war, liegt seit Monaten bei der Bundesbank. Die soll im wohl nächsten Kapitel des kuriosen Scharmützels prüfen, welche Teile des Berichts öffentlich gemacht werden dürfen.

Bundesbank-Mitarbeiter lassen sich Barren zeigen

Der Rechnungshof hatte im Auftrag des Bundestags ermittelt, ob die Bundesbank ihre im Ausland lagernden Goldbestände ausreichend genau prüft. Dabei war strittig, ob die von der Bundesbank seit Jahren geübte Praxis ausreicht, sich die Zahl der Goldbarren von der ausländischen Zentralbank schriftlich bestätigen zu lassen. Von Zeit zu Zeit lassen sich Bundesbank-Vertreter die Goldbarren auch zeigen, sie zählen sie aber nicht durch.

Die Bundesbank verfügt über Goldreserven von etwa 3.396 Tonnen, wovon aber der größte Teil in New York, London und Paris lagert. Das liegt daran, dass Deutschland in den 50ern und 60ern seine größten Leistungsbilanzüberschüsse mit diesen Ländern erzielte. Dort liegen die Barren neben Beständen anderer Zentralbanken. Das weckt bei besonders misstrauischen Beobachtern die Befürchtung, dass es da zu Verwechslungen kommen könnte.

Bericht schon im Mai angekündigt

Sicher ist, dass der Bericht des Bundesrechnungshofs „Hinweise“ zur Bilanzierungspraxis enthält. Bereits im Mai hatten die Rechnungsprüfer des Bundes dem Haushaltsausschuss einen Bericht darüber angekündigt, welche Beanstandungen es an der Bilanzierung der Goldreserven durch die Bundesbank gibt.

Eine Entscheidung über die Form des Berichts sollte „in relativ kurzer Zeit“ erfolgen. Seitdem sind drei Monate vergangen. Eine vollständige Veröffentlichung des Bericht war unter Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht nur der Bundesbank und anderer Stellen, zum Beispiel der New Yorker Fed, ausgeschlossen worden.

Bundesbank lehnt Kommentar ab

Eine Bundesbank-Sprecherin lehnte einen Kommentar zu dem Vorgang mit der Begründung ab, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele. Nach Aussage des Bundesrechnungshofs befindet sich der Bericht „in der Abstimmung“. Eine Sprecherin sagte: „Es geht darum, dass die Bundesbank Gelegenheit erhält, dazu Stellung zu nehmen.“ Sehr wahrscheinlich werde der Bericht dem Ausschuss nach der Sommerpause vorgelegt. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung, am 26. September, befindet er sich bisher nicht.

Originalartikel Welt Online

Alles andere als rosig sehen die Erwartungen der Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young für die weitere Entwicklung der Schuldenkrise in Europa aus. Sie rechnen mit einer Zuspitzung der Krise. Das würde den Goldpreis in die Höhe treiben.
 
„Wir sollten die Gefahren, die von der Schuldenkrise in Europa für Österreich ausgehen, nicht unterschätzen“, sagt Erich Lehner, verantwortlich für die Agenda Mittelstand bei Ernst & Young: „Die Anzeichen verdichten sich, dass es in den kommenden Monaten in Deutschland zu einer deutlichen Konjunkturabkühlung kommt – das würde auch Österreich zu spüren bekommen.“ Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Exportmarkt für österreichische Unternehmen. Italien und Frankreich fallen als Wachstumstreiber vorerst komplett aus, so Lehner.Aus den Ergebnissen des aktuellen „Mittelstandsbarometers 2012“ von Ernst & Young geht hervor, dass das Vertrauen in eine baldige Lösung der Schuldenkrise in Europa gering ist: Drei von vier Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Schuldenkrise weiter verschärfen wird. Und 84 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen rechnen sogar damit, dass Österreich letztendlich für einen Großteil der Schulden der Euro-Länder gerade stehen muss.

Auch wenn 69 Prozent der Befragten einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für unwahrscheinlich und auch 64 Prozent für nicht sinnvoll erachten, so erwartet trotzdem jedes vierte mittelständische Unternehmen ein Auseinanderbrechen der Währungsunion. Darauf hätten sich jedoch nur ein sehr geringer Teil der befragten Unternehmen (fünf Prozent) vorbereitet.

Auswirkungen auf Inflation und Goldpreis

Sollte sich die Lage in Griechenland tatsächlich zuspitzen, gehen Experten davon aus, dass den Griechen erneut eine Finanzspritze von den Notenbanken gewährt wird. Die damit verbundene Angst vor steigender Inflation könnte erneut den Goldpreis in die Höhe treiben. Während sich der Goldpreis in den vergangenen drei Monaten rund um die Marke von 1600 Dollar je Feinunze bewegte, legte er in den vergangenen Tagen leicht zu. So erwarten etwa die Rohstoffexperten des Frankfurter Bankhauses Metzler, dass der Goldpreis nun „kurz vor dem Ausbruch in höhere Gefilde stehe“. Demnach könnte der Goldmarkt einen heißen Herbst erleben.

Hochzeitssaison Indiens sorgt für Goldrally

Eines ist auf jeden Fall klar: Unabhängig von der weiteren Entwicklung der Euro-Krise werden die nahenden Festlichkeiten in Indien den Goldpreis beeinflussen. In den Herbstmonaten werden in Indien regelmäßig rund vier Millionen Hochzeiten geschlossen und jedesmal wird auf das traditionelle Hochzeitsgeschenk Gold – sei es als Schmuckstück, Münze oder Barren – zurückgegriffen. Laut Schätzungen werden in Indien pro Hochzeit durchschnittlich 30 bis 40 Gramm Gold verschenkt, bei wohlhabenderen Familien liegt der Schnitt deutlich höher.

Originalartikel biallo.at

Die Krise droht in eine autoritäre Phase zu geraten: Einige Politiker und Intellektuelle machen dem Volk nur noch Angst

Wenn nur diese Parlamente nicht wären! Dann könnten die Regierungen ungestört regieren und alsbald den Euro retten. Wenn nur die Bürger nicht wären, die sich an ihre immer schlechter funktionierenden Nationalstaaten klammern! Dann könnte man den großen Sprung in die totale europäische Vereinigung machen. Wenn nur die Deutschen nicht wären mit ihrem Geiz und ihrer Inflationsangst! Dann würde man sofort die Schulden vergemeinschaften, und die Märkte würden sich nicht mehr trauen, dagegen anzuspekulieren.

Wenn, wenn, wenn. Die Debatte über den Euro hat einen solchen Grad von Verzweiflung und Verwirrung erreicht, dass einige nun versuchen, Realitäten wegzubefehlen. Die Euro-Krise scheint in ihre autoritäre Phase zu treten. Mario Monti, der bis heute nicht vom Volk gewählte Ministerpräsident Italiens, will den Einfluss der Parlamente zurückdrängen. Silvio Berlusconis Zeitung Il Giornale versucht, mit der Schlagzeile Quarto Reich die Deutschen mundtot zu machen. Und in Deutschland möchten drei Professoren im Auftrag der SPD den Bürgern mit apokalyptischen Drohungen einen großen Sprung nach vorn verordnen. »Der Verzicht auf die europäische Einigung«, so schreiben Jürgen Habermas, Peter Bofinger und Julian Nida-Rümelin, »wäre ein Abschied von der Weltgeschichte.« Wir oder der Untergang?!

Nein, der Verzicht auf die sofortige vollständige politische Einigung bedeutet keineswegs den Abschied von der Weltgeschichte. So wenig, wie der Austritt Griechenlands zwangsläufig das Ende des Euro herbeiführt. So wenig, wie das Ende des Euro das Ende Europas bedeuten müsste.

Der Streit über die Finalität Europas würde jetzt ins Chaos führen

Kein Zweifel, der Kontinent befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage. Doch die immer hemmungsloseren Drohungen mit allerlei Untergängen, die Behauptung, es gebe nur Heil oder Unheil, dienen ganz offenkundig dazu, eigene Interessen oder Utopien durchzusetzen. Ein Wunder ist das nicht: Einen so vielfältigen, komplexen, widersprüchlichen und ungleichzeitigen Kontinent vor irgendein rigoroses Entweder-oder schieben zu wollen, das muss in gegenseitigem herrischem Anschreien enden.

Weniger das Tempo der Entscheidungen und die Komplexität des Gegenstands machen die Leute in der Euro-Krise demokratisch so mürbe als vielmehr diese autoritäre Apokalyptik, gepaart mit jenem lebensfernen Entweder-oder.

Die drei Professoren tun das alles immerhin auf schlaue Weise. Sie nutzen eine zentrale Schwäche der Merkelschen Solidarität-gegen-Solidität-Politik: »Die Verschärfung der Krise zeigt, dass die bisher von der Bundesregierung durchgesetzte Strategie auf einer falschen Diagnose beruht.« Das hört sich plausibel an, stimmt nur nicht. Die hohen Staatsschulden haben sehr wohl mit der Krise der Südländer zu tun, trotzdem wird diese Krise nicht einfach dadurch überwunden, dass die Staaten damit beginnen, etwas weniger von dem Geld auszugeben, das sie nicht haben. Man kann nicht in Monaten eine Schuldenkrise beseitigen, die sich in Jahrzehnten aufgebaut hat. Wahrscheinlicher ist, dass die Diagnose der Bundesregierung doch zutrifft, die Gegenmaßnahmen aber mehr Zeit brauchen und ergänzt werden müssen.

Wir brauchen ein flexibles Europa

Mit derlei Differenzierungen wollen sich die drei Professoren jedoch nicht aufhalten. Sie behaupten schlankweg, dass Merkel widerlegt sei und darum nur noch eine einzige Methode helfe, ihre eigene: die Vereinheitlichung der Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik in Europa binnen fünf Jahren. Damit handelt man sich natürlich eine neue Ungleichzeitigkeit ein. Denn der große Sprung würde bestenfalls in fünf Jahren ein Problem lösen, das bis dahin indes schon längst gelöst sein müsste. Und warum nun etwa eine einheitliche Wirtschaftspolitik, also beispielsweise ein europäisches Veto gegen die deutsche Energiewende, irgendein Beitrag zur Gesundung des Kontinents sein sollte, bleibt völlig unerklärlich.

Die Befürworter des großen Sprungs reden gern von der finalité, das heißt, sie glauben, dass die aktuelle Krise erst überwunden werden kann, wenn klar ist, wie die endgültige Gestalt der EU aussehen soll. Wie kommen sie da bloß drauf? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass ein riesiges Durcheinander ausbricht, wenn nun zugleich die aktuelle Krise und das Endziel der EU diskutiert werden? Würden sich darauf nicht jene an den Finanzmärkten geradezu freuen, die fähig sind, aus politischem Chaos persönlichen Profit zu ziehen?

Eine ganz andere Konsequenz aus der gegenwärtigen Krise liegt viel näher: Wir brauchen ein Europa der infinalité, eines, das sein politisches System flexibel und korrigierbar hält, ein fehlerfreundliches Europa, das sich Regeln gibt, die solche Schuldenexzesse unwahrscheinlich machen, ein Europa, das nicht mehr Macht nach Brüssel gibt, als Brüssel verträgt, eines, das seine Bürger weder überfordern noch erziehen will. Die drei Professoren sagen: »Die europäischen Bevölkerungen müssen lernen.« Das müssen sie in der Tat, aber nicht von den Eliten, den Professoren und Leitartiklern, sondern alle gemeinsam, in einem offenen Prozess, in dem jeder irren kann. Wenn die einen das Ende schon kennen und die anderen mit üblen Untergangsdrohungen zu diesem Ende getrieben werden sollen, dann ist das nicht Lernen, sondern Gehorchen.

Nein, die Parlamente, die Bürger und auch die Deutschen kann man nicht wegbefehlen. Denn sie stehen Europa nicht im Weg – sie sind Europa.

Originalartikel Die Zeit

Die Ignoranz der Reichen

Veröffentlicht: August 20, 2012 in Uncategorized
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Reiche lügen und betrügen eher – und werden blind für die Probleme anderer.

Eine viel befahrene Straßenkreuzung wie unzählige andere in Kalifornien, nahe der US-Eliteuniversität Berkeley. Auf einer Bank vor einem kleinen Supermarkt sitzt ein Forschungsteam und beobachtet den Verkehr. Es notiert, welche Autos beim Stoppschild stehen bleiben und welche nicht. Welche Fahrer noch einmal richtig aufs Gas steigen, wenn ein Fußgänger schon fast auf dem Zebrastreifen steht. Nach fast drei Monaten stellen die Forscher fest: Die, die sich nicht an die Regeln halten, die andere Autos und Fußgänger schneiden, haben eine Gemeinsamkeit: Sie fahren die teuersten Autos.

Das Experiment ist eines von vielen, die Soziologen und Psychologen in den vergangenen Jahren durchgeführt haben, um einer noch nicht großflächig untersuchten Frage nachzugehen: Wie wirken sich Reichtum und ein höherer sozialer Status auf das Verhalten von Menschen aus? Anders gefragt: Sind Reiche wirklich so, wie es ihnen die Allgemeinheit gerne unterstellt? Also egoistischer, gieriger und blinder für die Probleme derer, denen es nicht so gut geht?

Arm und Reich

Die Forscher treffen mit diesen Fragen einen Nerv. Weltweit driften Gesellschaften auseinander. Die Allgemeinheit schultert Sparpakete, während die Wohlhabendsten selbst in der Krise reicher wurden. Bewegungen wie Occupy Wall Street oder die „Indignados“ in Spanien protestieren gegen Chancenungleichheiten von Arm und Reich, allerorts werden Vermögenssteuern und Solidarität gefordert.

In so einer Stimmung sind Fragen nach dem Verhalten und der Psyche von Reichen natürlich brisant. Und das sind auch die Ergebnisse: Rund 30 Studien hat das Team rund um Paul Piff am Psychologie-Institut an der Universität Berkeley zu diesem Thema bisher durchgeführt, und auch die Arbeiten an weiteren US-Universitäten deuten darauf hin, dass Reichtum und Status Menschen weniger menschlich macht. „Generell führen diese Faktoren eher zu Eigennützigkeit, Selbstsucht und zu unmoralischem Verhalten“, so Piff. Umgekehrt seien Armut und ein niedrigerer sozialer Status Indikatoren dafür, dass Menschen sich generös verhalten, sich an Regeln halten und Mitgefühl zeigen. Das muss nicht bei jedem so sein, betont Piff, aber die Tendenz dazu bestehe.

Reiche sind demnach nicht nur rücksichtsloser beim Autofahren, sondern sie nehmen sich auch mehr Süßigkeiten, von denen sie wissen, dass sie eigentlich für die Kinder bestimmt sind. Sie schwindeln, lügen und betrügen häufiger, sie zweigen eher Dinge für sich ab, die der Allgemeinheit gehören.

Reiche sind also nicht nur reich, sehen laut Studien besser aus, haben eine bessere Ausbildung und nachgewiesenermaßen weniger Depressionen. Sie sind auch böser. Aber woran liegt das?

Das ist nicht ganz einfach zu sagen. Es spielt etwa keine Rolle, wie die Versuchsteilnehmer zu Reichtum gekommen sind. Auch die Höhe des Vermögens ist nicht ausschlaggebend. Denn weil „reich“ ein relativer Begriff ist, der sich schwer mit einer Summe festlegen lässt, haben die Forscher zu einem Hilfsmittel gegriffen. „Allein jemandem zu sagen, er sei reicher als andere, verändert sein Verhalten“, beobachtete Piff. Selbst Menschen mit einem geringen Einkommen verhalten sich egoistischer und entscheiden selbstbezogener, wenn man ihnen Reichtum einfach nur unterstellt oder ihn für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht stellt. Piff geht davon aus, dass das nicht nur für die USA gilt, sondern auch für andere Kulturen. Belege dafür fehlen aber noch. Überhaupt steht die Psychologie in diesen Forschungsfragen erst am Anfang.

Gier ist nicht gut

Die jüngsten Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass das Diktum von der Gier, die gut sei, weil sie eine Gesellschaft voranbringe, nicht stimmt. Zumindest dann nicht, wenn sie nur Reichtum zum Ziel hat. Von Gier getriebene Menschen neigen dazu, moralische Prinzipien aufzugeben. Erst vor wenigen Wochen bestätigte das eine Studie der US-Anwaltskanzlei Labaton Sucharow: Von 500 Topmanagern aus den USA und Großbritannien sagte jeder vierte, er müsse sich unmoralisch verhalten und teils zu illegalen Mitteln greifen, um erfolgreich zu sein.

Einige Menschen glauben, dass gerade dieses Verhalten überhaupt erst zu Erfolg und Reichtum führt. Unter den Sozialforschern ist das allerdings umstritten. Denn schon allein das Denken an den Besitz von Geld, ohne sich aktiv darum zu bemühen, lässt Menschen offenbar alles andere ausblenden. Das zeigt etwa Kathleen Vohs an der University of Minnesota: Nach Scheininterviews mit Probanden ließ sie ihre Assistentin ins Zimmer kommen, um eine Packung Bleistifte zu holen, die sie auf den Boden fallen ließ. Jene Probanden, mit denen sie zuvor über Geld gesprochen hatte, hoben wesentlich weniger Bleistifte auf als jene in der Kontrollgruppe. „Menschen, die an Geld denken, werden dadurch nicht böse“, sagte die Forscherin im „New York Times Magazine“, „eher werden sie ein bisschen autistisch, die Bleistifte sind dann einfach nicht ihr Problem.“ Ähnliche Tendenzen stellte auch Ueli Mäder von der Universität Basel fest, der die Wohlhabenden Basels untersuchte. „Gerade wer sich nur in Reichenghettos bewegt, kann unempfänglich werden“, so Mäder.

Forscher in Berkeley wiederum wiesen nach, dass reichere Studenten wesentlich weniger emotional auf Spendenaufrufe für krebskranke Kinder reagieren. Dass ärmere Schichten im Verhältnis zu ihrem Einkommen auch wesentlich mehr spenden und anderen wesentlich öfter Hilfe anbieten, ist ohnehin bekannt.

Den Ergebnissen zum Trotz ist der Psychologe Paul Piff zuversichtlich, dass die Gesellschaft nicht auseinanderbricht und es Möglichkeiten gibt, die Empathie von Reichen zu fördern. Piff: „Unsere Experimente zeigen, dass das klappen kann.“

Originalartikel Format.at

Das Österreich besonders stark von der Einführung des Euro profitiert habe, wird von Wirtschaftsexperten und Politikern immer wieder in die Diskussion geworfen. Die Schweizer Großbank UBS hat nun die inflationsbereinigten Einkommen von elf europäischen Ländern untersucht und zieht einen gegenteiligen Schluß:

Die österreichischen Einkommen sind in den vergangenen zehn Jahren quer durch die soziale Schichten zurückgegangen, jene der Ärmsten am stärksten – nämlich um bis zu 35 Prozent. Die deutschen und irischen Einkommensbezieher gehören durch die Bank zu den Verlieren, die in Frankreich und Italien mehrheitlich. Deutliche Zuwächse gab es dagegen in Griechenland, Spanien und Portugal – für die Einkommensschwächsten am stärksten.

„Österreich sieht alarmierend schwach aus“, kommentiert Analyst Paul Donovan in der Ende vergangener Woche erschienenen Studie. „Das Bild zeigt relativ geringe Zuwächse bei den nominellen verfügbaren Einkommen in Verbindung mit Inflation.“

Alle Einkommenschichten haben verloren

Untersucht wurden die realen (inflationsbereinigten) verfügbaren Einkommen, das ist jener Teil des Einkommens, der den privaten Haushalten für den privaten Konsum zur Verfügung steht. Die UBS hat sich dabei anhand offizieller statistischer Daten (Eurostat) die Einkommensentwicklung von zehn Einkommensgruppen (Dezilen) angesehen und hat dabei herausgefunden, dass sich nicht nur die Löhne unterschiedlich entwickelt haben, sondern auch die Preissteigerungen für die jeweiligen Einkommensgruppen unterschiedlich ausfallen: „Während der vergangenen zehn Jahre hat die Inflationsungleichheit zugenommen. Güter und Dienstleistungen, die von ärmeren Haushalten angeschafft werden, haben sich tendenziell stärker verteuert als die Güter und Dienstleistungen, die von einkommensstarken Haushalten nachgefragt werden.“

Das bedeute konkret, dass in Österreich die ärmsten Haushalte am stärksten verloren haben, das reichste Zehntel noch am wenigsten (kumuliert um 10 Prozent). Anders als in der Mehrzahl der anderen Länder haben in der Alpenrepublik aber alle Einkommensgruppen verloren. Durchgängig auf der Verliererseite des ersten Euro-Jahrzehnts befanden sich auch die deutschen und irischen Haushalte. Bei den Griechen, Spaniern, Portugiesen sowie (untypischerweise) Finnen haben alle Einkommensschichten gewonnen. Zu den Verlieren gehören auch die französische und italienische Mittelklasse.

Einkommen gleichen sich an

Relativ am stärksten legten die verfügbaren Einkommen der Ärmsten in Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland zu. Letztere lagen allerdings vorher bereits sehr tief. Ein Angehöriger des schwächsten Einkommenszehntels in Frankreich hat noch 2010 doppelt so viel bekommen als ein Grieche im letzten Einkommens-Dezil seines Landes.

„So als ob das Bild nicht sowieso schon kompliziert genug wäre“ hat sich durch die Veränderungen in den Einkommen aber eine langsame Annäherung der Einkommen in der Eurozone ergeben, schreibt die UBS. „Diese Errungenschaft aufzugeben müsste wohl als pervers angesehen werden.“ In den Berechnungen nicht enthalten sind übrigens aber auch die Folgen der „wilden Austeritätsmaßnahmen“ der vergangenen beiden Jahre. Analysiert wurden nur die Daten bis 2010.

„Für die meisten, wenn nicht alle Euro-Länder war die Entscheidung, an einer dysfunktionalen Währungsunion teilzunehmen eine in wirtschaftlicher Hinsicht schlechte“, schreibt Donovan. „Der Umstand, dass in einigen teilnehmenden Volkswirtschaften der Lebensstandard gefallen ist, wird dort wahrscheinlich Ressentiments und Bitterkeit gegen jene Volkswirtschaften schüren, deren Lebensstandard gestiegen ist.“

Originalartikel OÖE Nachrichten