Frankreich vor dem Kollaps?

Veröffentlicht: August 15, 2012 in Finanzen
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Noch konzentriert sich die mediale Aufmerksamkeit in Sachen Euro-Schuldenkrise abwechselnd auf Spanien, Griechenland, Portugal und Italien. Frankreich wird hingegen – ähnlich wie Deutschland – von vielen Investoren als wichtiger Euro-Stabilitätsanker wahrgenommen. Doch über Europas zweitgrößter Volkswirtschaft brauen sich längst dunkle Gewitterwolken zusammen.

Nicht nur in Madrid, nein auch in Paris explodierten die Immobilienpreise im zurückliegenden Jahrzehnt. 2008 schien die Blase ebenso wie in Spanien zu platzen. Nur dank deutlich sinkender Zinsen erlebte Frankreichs Immobilienboom nochmals eine künstliche Zyklus-Verlängerung. Doch mittlerweile scheinen die Preise trotz Niedrigzins erneut den Sinkflug begonnen zu haben. Falls sich diese Annahme im zweiten Halbjahr 2012 bestätigt, dürfte sich die Wahrnehmung Frankreichs unter Investoren drastisch ändern: Vom Stabilitätsanker hin zum rettungsbedürftigen Havaristen.

Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit erodiert

In Sachen Wettbewerbsfähigkeit haben sich die Franzosen seit der Jahrtausendwende sukzessive ins Abseits manövriert. Während Deutschlands Arbeitnehmergehälter inflationsbereinigt auf der Stelle traten, genehmigte man sich westlich des Rheins einen gehörigen Schluck aus der Pulle (+18%).

Vor dem Start der Währungsunion erzielte die fünfte Republik regelmäßig, ansehnliche Exportüberschüsse (1998: +35 Mrd. Euro). Doch seither scheint auch Frankreich vom Südeuropa-Virus befallen zu sein: Erst schrumpften die jährlichen Überschüsse, seit 2005 häuft das Land Verluste an, seit 2008 befindet sich Frankreichs Außenhandel auch kumuliert seit Euro-Einführung im Soll. Erschreckend ist keineswegs der aktuelle Saldo (2011: -56 Mrd. Euro), sondern die Wachstumsdynamik des Außenhandelsdefizits.

Populist Hollande vertreibt Steuerzahler

Dass leichtgläubige Investoren Frankreich immer noch zu niedrigsten Zinsen Kapital anbieten, eröffnet der französischen Politik ein gewisses Zeitfenster, um sein Land mit mutigen Haushalts- und Arbeitsmarkt-Reformen zurück auf den Weg der Wettbewerbsfähigkeit zu führen. Doch anstatt diese Gelegenheit beim Schopfe zu packen, verschwendet Hollande wichtige Zeit mit der Vertreibung potenter Steuerzahler. Die Einführung von Hollandes Wahlkampfschlager „75% Spitzensteuersatz für Einkommensmillionäre“ kommt bei Kommunisten und der roten Truppe um Sigmar Gabriel erwartungsgemäß gut an. Auch Frankreichs Speditionsbranche freut sich auf steigende Umsätze, schließlich handelt es sich bei den Betroffenen um eine höchst mobile Klientel. Selbst die Pariser Hoffnungen auf höhere Steuereinnahmen sind vollkommen berechtigt – vor allem in London, Luxemburg und Zürich. Für den unwahrscheinlichen Fall das dieser Auftakt seiner Präsidentschaft nicht ausreichen sollte, um Frankreichs Volkswirtschaft zu ruinieren, hat Francois Hollande sicherheitshalber auch in Sachen Sozialreformen (z.B. Rente mit 60) den Rückwärtsgang eingelegt. Lesenswert ist in diesem Zusammenhang der offene Brief von Frankreichs bekanntem Vermögensverwalter Edouard Carmignac:

http://www.dasinvestment.com/fileadmin/images/pictures/2012/0407_Lettre_Edouard_Carmignac_Juli_2012.pdf

Ist Frankreichs Kreditblase bereits geplatzt?

Unseres Erachtens ist es nur eine Frage der Zeit, bis Investoren sich auch von französischen Staatsanleihen abwenden. Im Vergleich zu Deutschlands Konditionen verdoppelten sich in den vergangenen zwei Wochen die Zinsaufschläge für 5jährige Staatsanleihen von 40 auf 80 Basispunkte (0,80%), bei 2jährigen Anleihen kam es zu einer Verdreifachung von 14 auf 44 Basispunkte. Absolut sind Frankreichs Konditionen am Rentenmarkt immer noch traumhaft günstig, doch falls dieser junge Trend die von uns erwartete französische Zinswende markieren sollte, dann leitet diese Entwicklung auch das Ende der bisherigen Euro-Rettungsstrategie ein.

Originalartikel Haase Ewert Trendresearch

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