Wolfgang Fellners Streuobstwiese

Veröffentlicht: Oktober 7, 2012 in Uncategorized
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Wie schnell und günstig Wolfgang Fellner seinen Garten in Döblings Weinbergen um ein Stück öffentliches Grünland erweitern konnte. Und was Werner Faymann damit zu tun hat.

Hier, wo die Wege so schmal werden, dass kein Touristenbus sie mehr befahren kann, hier beginnt das wilde Grinzing. Unter den Villen der Reichen verstecken sich steile Weingärten, knorrige Obstbäume und gurgelnde Bächlein. Am gegenüberliegenden Hügel tönt Gelächter von einem versteckten Heurigen. Schon Wolfgang Amadeus Mozart hat die Gegend geliebt: “Das ist eine Stunde weit von Wien, wo ich wohne”, schrieb er im Jahr 1781 an seinen Vater, “es heißt Reisenberg und es ist hier sehr angenehm.”

Heute residiert hier ein anderer Wolferl. Österreich Herausgeber Wolfgang Fellner besitzt in Wiens Weinbergen ein prächtiges Grundstück samt schmuckem Häuschen. Die Gegend rund um die Himmelstraße ist nur etwas für Topreiche. Für ein Häuschen und einen Grund mit Blick über Wien kann man schon zwei Millionen löhnen.

Die Sicht wird Fellner so bald niemand verstellen. Denn unter seiner Villa hat sich der heimische Medienmogul einen großen Garten angelegt. Der ist jetzt um einen Streifen größer geworden. Die Gemeinde Wien – vertreten durch den SPÖ-Stadtrat Werner Faymann – hat Fellner ein 2224 Quadratmeter großes Stück Grünland verpachtet und dann verkauft. Der Streifen ist fast so groß wie die Kleingartensiedlung, die an Fellners Grundstück anschließt. Nun darf sie nur noch der News-Chef betreten.

Alles war rechtens. SPÖ und ÖVP haben im Gemeinderat für, die Grünen und Blauen gegen den Deal gestimmt. Die FPÖ und auch so mancher Rathausbeamte finden den Deal ein wenig seltsam. “Normalerweise verkauft die Stadt keinen öffentlichen Grund in dieser Gegend. Schon gar kein Grünland. Wer so etwas kaufen will, muss der Stadt darüber hinaus ein Tauschgrundstück anbieten”, erzählt der FPÖ-Gemeinderat Josef Wagner. Er verweist auf die Mühen eines Unternehmens, das von der Gemeinde monatelang hingehalten wurde, weil es kein passendes Land zum Abtauschen fand. Wagner: “Es drängt sich der Verdacht der Freunderlwirtschaft auf.”

Wolfgang Fellner weist solche Vorwürfe zurück. Das Vierfache des sonst üblichen Preises habe er bezahlt. Auch ein Tauschgrundstück habe er angeboten, doch die Gemeinde wollte lieber Geld sehen: “Ich hab für diese Gstättn den höchsten Preis bezahlt, den Wien je verrechnet hat. Aus diesem Ödland ist jede Menge Ungeziefer in meinen Garten gekommen.” Das Büro Faymann verlautet: “Dieses Grünland ist für die Öffentlichkeit völlig wertlos. Deshalb haben wir es verkauft.”

Der Preis für den als “Streuobstwiese” gewidmeten Grund im Döblinger Villenviertel ist günstig. Fellner pachtete den Garten zunächst im Juli 2000 um rund acht Cent pro Quadratmeter. So viel zahlen eben Wiens Weinbauern. Drei Jahre später durfte Fellner den Garten kaufen. Das ging ganz unbürokratisch: “Da keine landwirtschaftliche Nutzung vorliegt, sondern die Grundflächen einer gefälligen Ergänzung der Freiflächen des angrenzenden Eigengrundes dienen, werden als Richtwert rd. € 40/m2 genannt”, schreibt ein Sachverständiger der Stadt. Ursprünglich sollten es überhaupt nur zehn Euro sein. Von bürokratischem Schnickschnack wird abgesehen. “Nach längeren Gesprächen”, so hält ein Schreiben von Fellners Advokaten fest, “hat uns die MA 49 nun mitgeteilt, dass in diesem Fall ein direkter Verkauf stattfinden und daher der Ankauf eines Tauschgrundstückes unterbleiben kann”.

Großer Wert, kleiner Preis? “Wo ist das Problem, es ist ja nur Grünland”, sagt Fellner, “ich pflanze dort Obst, ich habe ein reines Gewissen.”

Originalartikel Klenks Watchblog

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