Spanien: Das Krisenszenario wird bittere Realität

Veröffentlicht: November 13, 2012 in Finanzen
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Ungeachtet der laufenden Entspannung am Anleihenmarkt: In Spanien droht das Krisenszenario der Stresstests für die heimischen Banken Realität zu werden. Die Kreditausfälle der Banken werden vor dem Hintergrund der tiefen Rezession und der hohen Arbeitslosigkeit in Spanien weiter dramatisch zunehmen. Zuletzt haben die faulen Kredite in Spaniens Banken einen neuen Rekordstand erreicht.

Die notleidenden Kredite in Spanien beliefen sich im August auf 178,6 Mrd. Euro nach 173,2 Mrd. Euro im Vormonat, wie die Zentralbank des Landes am Donnerstag mitteilte. Damit machten die faulen Kredite im August 10,5 Prozent der Gesamtausleihungen aus und erreichten einen neuen Höchststand. Ihr Anteil an den Gesamtkrediten legt seit 17 Monaten kontinuierlich zu. Im Dezember 2006 – bevor die Immobilienblase in Spanien platzte – hatte das Verhältnis lediglich 0,72 Prozent ausgemacht.

Der Stresstest für die spanischen Banken, den das Beratungsunternehmen Oliver Wyman durchführte, basierte auf der Annahme, dass die Wirtschaft des Landes zwischen 2012 und 2014 im Krisenfall um insgesamt 6,5 Prozent schrumpfen wird. Die Regierung und die Zentralbank des Landes beziffern die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios auf etwa ein Prozent. Analysten von Nomura und Citigroup sind da anderer Meinung. Sie halten das Krisenszenario angesichts von Wirtschaftslage und Ausgabenkürzungen für plausibel.

Hohe Wahrscheinlichkeit

“Man kann einem Szenario, das bereits realistisch aussieht, keine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent einräumen”, sagte Euroraum-Ökonom Silvio Peruzzo von Nomura in London am Mittwoch in einem Telefoninterview. Er geht davon aus, dass das spanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2012 und 2014 um 6,2 Prozent sinken wird.

In dem Krisenszenario von Oliver Wyman sind Rückgänge der Wirtschaftsleistung von 4,1 Prozent im Jahr 2012, von 2,1 Prozent im Jahr 2013 und von 0,3 Prozent im Jahr 2014 angenommen worden. Dies würde zu Kreditausfällen in Höhe von 270 Mrd. Euro führen und zu einer Kapitallücke bei den Banken von 59,3 Mrd. Euro, hieß es in dem Bericht.

Das Basisszenario des Beratungsunternehmens ging von BIP- Rückgängen um 1,7 Prozent in diesem und 0,3 Prozent im nächsten Jahr aus, gefolgt von einem Wachstum um 0,3 Prozent im Jahr 2014. Einer Umfrage von Bloomberg News unter 37 Analysten zufolge wird das spanische BIP 2012 und 2013 um 1,6 Prozent beziehungsweise 1,4 Prozent sinken und 2013 um 0,2 Prozent steigen.

Der Stresstest war Bedingung für ein europäisches Rettungspaket für die spanische Bankenbranche. Das Paket hat einen Umfang von bis zu 100 Mrd. Euro. Eine tiefere Rezession im Lande könnte allerdings dazu führen, dass die Banken mehr Kapital benötigen werden, um ihre Verluste zu decken.

Spanien bald „Ramsch“

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Bonitätsnote von Spanien am 10. Oktober auf “BBB-” gesenkt – die letzte Stufe über “Ramsch“-Niveau. Es sei unklar, wer die Kosten der Bankenrekapitalisierung tragen werde, hieß es zur Begründung. Auch die Ratings von elf Kreditinstituten wurden vor zwei Tagen gesenkt, betroffen waren unter anderem Banco Santander SA und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA.

Die Kreditverluste bei den spanischen Banken werden nach Einschätzung des Ökonomen Ebrahim Rahbari von Citigroup in London weiter zunehmen, weil sich der Wirtschaftsausblick eintrübt und die Arbeitslosigkeit steigt. Die Wirtschaft dürfte zwischen 2012 und 2014 um 5,8 Prozent schrumpfen, erwartet er.

“Das Krisenszenario sieht eher wie eine Prognose zur Wirtschaftsentwicklung in den kommenden drei Jahren aus und weniger wie ein Stressszenario”, erklärt Rahbari. “Das wird mit Sicherheit Auswirkungen auf die Kreditausfallquoten haben, und wir sind vor allem über die Hypothekenkredite der privaten Haushalte besorgt.”

Die Hypothekenkredite im Umfang von 604 Mrd. Euro wiesen nach Angaben der Zentralbank im Juni eine Ausfallquote von 3,2 Prozent auf. Eine steigende Arbeitslosigkeit würde die Wahrscheinlichkeit vermehrter Zahlungsausfälle bei den Hypotheken erhöhen. Die 13 von Bloomberg News befragten Analysten erwarten, dass die Arbeitslosenquote im Jahr 2013 mit 26 Prozent ihren Höhepunkt erreicht.

Die notleidenden Kredite und die Arbeitslosigkeit dürften angesichts der Sparmaßnahmen im Lande weiter zunehmen, sagte Simon Maughan, Stratege für die Finanzbranche bei Olivetree Securities in London. Die Regierung im Madrid versucht das Haushaltsdefizit bis 2014 auf 2,8 Prozent des BIP zu drücken. Ende vergangenen Jahres hatte sich der Fehlbetrag auf neun Prozent vom BIP belaufen.

Es dürfte falsch sein, anzudeuten – so wie die spanischen Entscheidungsträger – dass die hohen Kontraktionsraten im Stressszenario von Oliver Wyman eine weit entfernte Möglichkeit darstellten, sagt Bankenanalyst Daragh Quinn von Nomura in Madrid.

“Ich denke, dass das Gerede über die Ein-Prozent- Wahrscheinlichkeit ihnen später noch zu schaffen machen wird”, sagt Quinn.

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