Deutschland: Zahlmeister, jetzt kommst auch Du an die Reihe!

Veröffentlicht: November 19, 2012 in Finanzen
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Deutschland strebt mit Siebenmeilenstiefeln einer neuen Rezession entgegen, die schon ab dem vierten Quartal dieses Jahres einsetzen könnte. Darauf weisen zuletzt publizierte Daten aus der Industrie, dem Dienstleistungssektor, dem Exportgewerbe und verschiedene Stimmungsindikatoren hin. Wie sich zeigt, wird der Zahlmeister Europas jetzt selbst in den Strudel der regionalen Schuldenkrise mit hinein gerissen. Damit hat sich die Euro-Krise bis in die Kernländer der Eurozone vorgefressen – mit unüberschaubaren Folgen für die Stabilität der gesamten Region.

Auch heute hatten Investoren und Analysten nichts zu lachen, nachdem die neuesten Zahlen über die deutsche Exportentwicklung im Monat September veröffentlicht wurden. Immerhin ging es mit dem wichtigen Exportsektor im September so schnell abwärts wie seit Ende des Jahres 2011 nicht mehr. Kein Wunder, wenn man berücksichtigt, dass die Peripherieländer der Eurozone in ihren Schulden- und Wirtschaftsproblemen ertrinken. Doch nicht nur die deutschen Exporteure bekommen immer größere Schwierigkeiten in Bezug auf den Absatz ihrer Produkte in Europa.

Auch die Aktivitäten im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungssektor schrumpften im Oktober den sechsten Monat in Folge. Am Mittwoch publizierte Zahlen zeigten, dass der Industrieausstoß in Deutschland im September um -1,8% gegenüber August rückläufig war. An den Finanzmärkten saß der Schock tief, da Analysten im Vorfeld lediglich mit einem Rückgang von durchschnittlich -0,7% rechneten. Schon vor einigen Wochen teilten die sechs führenden deutschen Wirtschaftsinstitute mit, ihre gemeinsame Prognose zu einem Wachstum von +2% im nächsten Jahr zu halbieren.

Nicht wenige Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft auf Basis der aktuell gemeldeten Zahlen schon im vierten Quartal dieses Jahres eine Schrumpfung erfahren wird, die mit dem Beginn einer neuen Rezession einhergehen könnte. Dafür spricht auch die deutliche Abkühlung der Weltwirtschaft, die deutschen Exporteuren ihre Geschäfte mit dem außereuropäischen Ausland verhagelt.

Selbst EZB-Chef Mario Draghi erklärte neulich, dass Deutschlands Wirtschaft der Krise in der Eurozone nicht mehr widerstehen könne. Damit würde exakt das passieren, was Kritiker seit Langem prognostizierten: nämlich dass die wirtschaftlichen Probleme in den Peripheriestaaten der Eurozone irgendwann auf deren Kernländer überspringen werden. An diesem Punkt scheinen wir nun zu stehen, da auch Frankreichs Wirtschaft im vierten Quartal zu schrumpfen droht.

Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Schon werden weitläufige Programme zu Kostenreduktionen unter den deutschen Konzernen publik. Dazu gehören neben Siemens auch Daimler, Opel, die Deutsche Bank AG oder die teilverstaatlichte Commerzbank. Der Zahlmeister der Europäischen Union gerät nun selbst wieder in akute Probleme, die sich negativ auf die Entwicklung in der Euro-Krise auswirken dürften.

Es wird sich zeigen müssen, wie lange Deutschland noch dazu in der Lage sein wird, die vor einem Staatsbankrott stehenden Länder der Eurozone weiter zu finanzieren und finanziell zu stützen. Denn es bricht nicht nur die Nachfrage in bislang wichtigen Exportmärkten wie Spanien, Portugal oder Italien ein, sondern auch andere Weltregionen wie Asien sind davon immer stärker betroffen. Keine guten Vorzeichen für die deutsche Wirtschaft, die wie Japan stark von ihren Exporten abhängig ist.

Originalartikel Wirtschaftsfacts.de

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Kommentare
  1. Kollektive Dummheit

    „Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht.
    Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.
    …Soviel ist sicher, daß sie (die Dummheit) nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. …Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen.
    …Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen.“

    („Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit“, 1943)

    Die Ursache der gegenwärtigen „Finanzkrise“ ist aus heutiger Sicht so primitiv und die einzige Lösung in rein technischer Hinsicht so einfach, dass man als selbständig denkender Mensch geneigt ist, den „Verantwortlichen“ Boshaftigkeit zu unterstellen. Doch das ist ein Irrtum. Die „hohe Politik“ ist des selbständigen Denkens unfähig und weiß wirklich nicht, was sie tut. Sie ist für ihre hoffnungslos naiven Handlungen nicht verantwortlich.

    Hätte sich Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945) die Ursache der Dummheit bewusst machen können, wäre er kein Theologe mehr gewesen. Denn es ist die Religion, die den Kulturmenschen verdummt, damit er in einer noch fehlerhaften Makroökonomie, die Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg – und letztlich den Untergang der Kultur – unvermeidlich macht, die „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ bis zum eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation nicht sieht und auch gar nicht erst sehen will.

    Jüngstes Gericht

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