Billionenschulden – Junge Generation ahnt nicht, was auf sie zukommt

Veröffentlicht: November 25, 2012 in Finanzen
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Auf die jungen Deutschen kommen riesige Lasten zu: Nur sechs Prozent wissen, dass die aktuelle Staatsverschuldung mehr als zwei Billionen Euro beträgt. Und ein großer Teil der Schulden ist versteckt.

Steigende Soziallasten, Kosten der Energiewende, hohe Verschuldung – das Gros der hiesigen Bevölkerung glaubt, dass die künftigen Generationen über Gebühr belastet werden. Dies zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Verbandes der Jungen Unternehmer. Danach machen sich 82 Prozent der Deutschen Sorgen um die Zukunft der Jungen und fordern, diese zu entlasten. 43 Prozent der Bevölkerung halten eine entsprechende Politik angesichts des demografischen Wandels sogar für „sehr dringend“.

Besonders die Älteren prophezeien eine Überforderung der Jungen: So sagen 51 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und 46 Prozent der über 60-Jährigen, eine Entlastung der jüngeren Generation sei dringend geboten. Unter den 14- bis 29-Jährigen meint dies dagegen nur jeder Dritte.

Immer mehr Rentner, immer weniger Beitragszahler

Die Rentenpolitik bereitet den Menschen die größten Sorgen. So glauben vier von fünf Deutschen, dass die Jüngeren durch die Kosten der staatlichen Alterssicherung überstrapaziert werden. Schließlich stehen künftig immer mehr Ruheständler einer schwindenden Zahl von Beitragszahlern gegenüber.

Trotzdem planen derzeit – ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl – Regierung wie Opposition neue Rentenleistungen. So sollen die Ansprüche von Geringverdienern, Invaliden und Müttern aufgestockt werden. Auch die Rente mit 67 steht unter Beschuss. Und Gewerkschaften und Sozialverbände machen Druck, eine weitere Absenkung des Rentenniveaus auszuschließen – auf Kosten künftiger Beitragszahler.

Auch die Probleme mit der Energiewende und die stark steigenden Strompreise treiben die Bürger um. So rechnen 79 Prozent der Befragten mit großen finanziellen Lasten für die Jüngeren infolge der Energiepolitik. Weitere große Belastungen werden im Gesundheitssystem und bei den Staatsfinanzen ausgemacht.

„Politik tut nicht genug“

„Die Bevölkerung sieht, dass die Politik nicht genügend dafür tut, die jüngeren Generationen vor übermäßiger Belastung zu schützen“, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes der Jungen Unternehmer, Marie-Christine Ostermann. „Mit Blick auf die Generationengerechtigkeit ist die Bilanz der schwarz-gelben Regierung sehr enttäuschend“, kritisierte die 34 Jahre alte Jungunternehmerin.

Anstatt die Staatsausgaben zu senken und einen mutigen Schuldenstopp zu beschließen, würden neue milliardenteure Wohltaten wie das Betreuungsgeld oder die Abschaffung der Praxisgebühr verteilt. Auch wage man sich nicht an die Subventionen heran, monierte Ostermann.

Kritisch sieht sie die „wirkungslosen Hilfen für Griechenland und andere europäische Krisenländer auf Kosten der Steuerzahler“. Auch dies gehe voll zulasten der künftigen Generationen. „Statt immer mehr Geld in ein Fass ohne Boden zu schütten, sollten wir lieber mehr in das hiesige Bildungssystem investieren“, fordert Ostermann. Der Verband veranstaltet an diesem Freitag in Berlin einen Kongress zum Thema „Generationengerechtigkeit“.

Die junge Generation ahnt nichts

Die Umfrage zeigt indes auch, dass die meisten Deutschen gar keine genaue Vorstellung davon haben, wie hoch der vom Staat aufgetürmte Schuldenberg ist. Lediglich sechs Prozent der Bevölkerung schätzen die Verschuldung mit rund zwei Billionen Euro richtig ein. Dies entspricht mehr als 80 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Vor allem die junge Generation ahnt nicht, was auf sie zukommt. Von ihnen lag nur jeder Fünfzigste richtig. Zwei Drittel hatten überhaupt keine Vorstellung von der Dimension der Verschuldung. Unter den über Sechzigjährigen weiß immerhin jeder zehnte Bescheid.

Ohne Reform drohen drastische Beitragserhöhungen

Allerdings ist die offiziell ausgewiesene Staatsverschuldung ohnehin nur ein Teil der Rechnung, die an die künftige Generation weitergereicht wird. Der Hauptteil entfällt auf die in den Sozialkassen versteckten Schulden.

Die Ansprüche der Bürger an das Rentensystem sowie die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung sind mehr als doppelt so groß wie der offizielle Schuldenstand. Denn in allen drei Sozialversicherungen gibt es einen Transfer von den Jüngeren zu den Älteren. Und während es bei der Alterssicherung in der Vergangenheit einige Reformen gab, um den künftigen Beitragsanstieg abzubremsen, stehen solche Sanierungsarbeiten im Gesundheitswesen und in der Pflege noch aus.

Da die Alterung der Gesellschaft die Kosten für die medizinische Versorgung und die Pflege in die Höhe treiben wird, drohen ohne Finanzreformen drastische Beitragserhöhungen.

Zusammen betragen die ausgewiesenen und die versteckten Schulden Deutschlands mittlerweile 7,7 Billionen Euro – und dabei sind die Kredite und Bürgschaften für Griechenland und andere Euro-Länder noch gar nicht enthalten. Kein Wunder, dass die Bevölkerung fürchtet, dass die Last für die Jungen zu schwer ist.

Originalartikel Die Welt

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Kommentare
  1. re56nates sagt:

    Angstmacherei bringt auch nichts! Wir können nur ändern, was sich ändern lässt und wenn weniger Menschen auf die Welt kommen, brauchen die auch weniger, weniger Nachfrage, weniger Produktion, weniger Arbeit für weniger Berufstätige. Es ist doch alles ein Kreislauf. Es ist ja nicht gesagt, dass ein Land mit wenigen Bürgern, schlechter leben muss! Gesunde Ältere müssen schon Verantwortung übernehmen, aber das tun schon jetzt viele im Ehrenamt, Als gesund betrachte ich einen geistig noch regen Menschen. Vielleicht werden das später reguläre Arbeitsplätze, wenn dann wirklich Lücken entstehen. Als erstes müssen mal die Vorurteile aufhören, dass ein körperlich alter Mensch nicht arbeiten kann. Der kann wohl, aber mit Hilfsmitteln und den nötigen Pausen, vielleicht auch andere Lichtverhältnisse. Es muss aufhören, dass ein Mensch mit Stock, Rollador, Rollstuhl nicht mehr ernst genommen wird. Wenn wir das beherzigen, dann kriegen wir das schon hin!!!!!Was spricht zum Beispiel dagegen, dass ein alter Mensch, als Bürokraft arbeitet, wenn die Kenntnisse da sind oder in einer sitzenden Tätigkeit in einer Fabrik? Im Übrigen können auch “ geistig behinderte “ Menschen unter Anleitung einiges leisten! Es werden halt Zeiten kommen, dass alle Menschen als Arbeitskräfte wertvoll sind und es wird für jeden Menschen in Deutschland ein Arbeitsangebot geben! Dazu kann auch ein älterer Mensch lernen bis zum Tod, da muss natürlich auch ein Umdenken einsetzten.

  2. Staatsverschuldung – kurz gefasst

    „Zur Funktion einer Volkswirtschaft ist es erforderlich, dass der Geldkreislauf immer geschlossen bleibt. Um dies zu gewährleisten, müssen im gleichen Umfang, in dem die Geldvermögen zunehmen, auch die Schuldenaufnahmen ausgeweitet werden. Die Geldvermögen haben sich jedoch in Deutschland seit 1950 etwa alle zehn Jahre verdoppelt und damit – in reale Größen umgerechnet – bis 2009 auf das 46-fache vermehrt, während die Wirtschaftsleistung „nur“ auf das 8-fache zugenommen hat.
    Während diese ständig wachsenden Geldvermögen in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch von der Wirtschaft über Kreditaufnahmen absorbiert werden konnten, waren seit den 1970er Jahren die Staaten zunehmend gezwungen, die entstehenden Lücken durch Schuldenaufnahmen zu schließen. Da jedoch die eskalierenden Geldvermögen auch damit nicht mehr ausreichend eingebunden werden konnten, kam es zu jenen Spekulationsexzessen bei Börsen und Banken, deren Zusammenbrüche jetzt mit Steuermitteln aufgefangen werden müssen.
    Das größte Ärgernis dieser Staatsverschuldungen von inzwischen 1,8 Billionen Euro in Deutschland ist jedoch der Tatbestand, dass sie uns gar keinen Nutzen gebracht haben. Denn den Kreditausweitungen zwischen 1970 und 2009, in Höhe von 1.596 Mrd. Euro, standen in der gleichen Zeit Zinszahlungen des Staates in Höhe von 1.562 Mrd. Euro gegenüber! D. h., nutzbar für Staat und Bürger waren in diesen 39 Jahren nur jene 34 Mrd. Euro, die sich aus der Differenz zwischen Kreditaufnahmen und Zinszahlungen ergeben. – Profitiert hat also alleine jene Bürger-Minderheit, die dem Staat ihr Geld geliehen hat: Sie ist um 1.562 Mrd. Euro reicher geworden.“

    Helmut Creutz (aus HUMANE WIRTSCHAFT 02/2011 S.12)

    Eigentlich bedarf es keines weiteren Beweises, dass Politiker keine Volksvertreter sind, wobei sie nicht aus „bösem Willen“ handeln, sondern sie wissen wirklich nicht, was sie tun.

    Der „Jahrhundertökonom“ John Maynard Keynes wusste, dass eine „antizyklische staatliche Investitionspolitik“ die Katastrophe (globale Liquiditätsfalle) nur hinausschieben aber nicht verhindern kann, denn solange keine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld („carrying costs“) erhoben wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, ist der Staat niemals in der Lage, die Verschuldung wieder abzubauen. Keynes wusste aber auch, dass die „hohe Politik“ dumm genug sein würde, alle denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten einer staatlichen Investitionspolitik auszuprobieren, bevor sie ihr Versagen eingestehen würde, denn etwas anderes kann die politische Seifenoper in einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) sowieso nicht machen.

    Das einzig Sinnvolle, was Politiker tun können, ist, sich selbst überflüssig zu machen!

    Der Zins – Mythos und Wahrheit

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