Die Traumjobs im Saudizentrum

Veröffentlicht: Dezember 4, 2012 in Migration & Islam
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Die Fassade des Palais Sturany am Schottenring ist mit Baugerüsten verdeckt, dahinter ist es dunkel. Die beschwingt jazzige Musik in der Warteschleife („Take Five“ von Paul Desmond) klingt aber so gar nicht nach dunklem Zentrum für radikal-islamische Wahhabiten, vor dem die Grünen und die FPÖ warnen.

Schwunghaft dreht sich derzeit auch schon das Postenkarussell im König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen Dialog, das – von Saudi-Arabien finanziert – am 26. November seine Pforten öffnen soll. Fix ist bereits die Leitung des Zentrums durch einen Vertrauten des saudischen Königs. Als seine Stellvertreterin agiert die ehemalige ÖVP-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Bis zu 30 weitere Jobs sollen zu vergeben sein. Am attraktivsten: Vier Direktorsposten mit Traumgagen, die sich an der höchsten Stufe der UN-Gehaltspyramide D1 orientieren; das wären bis zu 10.000 Euro monatlich für die Bereiche Forschung, Personal, PR und Programm.

Ende September hat die internationale Ausschreibung der Jobs geendet, jetzt läuft die Endausscheidung. Auf dieser „Short-List“ vermuten Kenner der Materie eine Reihe von ÖVP-Politikern aus dem Kreis des Außenministeriums und darüber hinaus.

So soll sich für einen der vier Direktoren Markus Figl, ein Kabinettsmitarbeiter von Außenminister und VP-Chef Michael Spindelegger, beworben haben. Der 1974 geborene Figl ist Großneffe des legendären Bundeskanzlers und Außenministers Leopold Figl und ist außerdem Bezirksrat in der Inneren Stadt. Figl war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Im Außenministerium will man die Gerüchte um Figl weder bestätigen noch dementieren. Die Bewerbung laufe noch. Sprecher Martin Weiss meint dazu: „Ich gehe schon davon aus, dass sich Österreicher bewerben. Das wäre nur logisch.“

„Figl wäre Beweis für parteipolitische Protektion“

Ganz anders sieht das Fritz Edlinger, der Leiter der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen. Aus seiner Sicht gibt es in Österreich kaum Leute mit einschlägiger Expertise für die Top-Jobs. „Ich habe 30 Jahre einschlägige Erfahrung, würde mir aber einen Direktorenposten trotzdem nicht zutrauen. Da gibt es andere internationale Top-Experten.“

Er fürchtet um die Glaubwürdigkeit des Projektes. „Das Zentrum ist eine international große Sache. Man muss ihm eine Chance geben, durch Taten zu überzeugen, dass es weder ein Wahhabiten-Zentrum noch ein parteipolitisches Job-Karussell ist.“ Zum Gerücht um Figl meint er: „Das wäre der Beweis, dass es bestimmten Akteuren in erster Linie um parteipolitische Protektion geht.“ Auch der Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi meint: „Die Posten sollten nicht parteipolitisch besetzt werden, das können andere besser.“

Viel kritischer als die beiden sieht die Grün-Abgeordnete Alev Korun das gesamte Projekt. Zu den Gerüchten um den Postenschacher meint sie: „Schon Bandion-Ortner hatte vor ihrer Bestellung kaum etwas mit dem Thema zu tun. Man kann das Zentrum nicht als wichtige internationale Organisation preisen und dann als Versorgungsstelle missbrauchen.“

Korun kämpft im Parlament regelmäßig gegen das Zentrum an. Es gehe nicht an, einem Land, das für Menschenrechtsverletzungen bekannt ist, eine Plattform in Österreich zu bieten. In dem Golfstaat ist die Ausübung anderer Religionen als dem Islam verboten.

Keine Bedenken bei der ÖVP

In der ÖVP gibt es kaum Bedenken gegen das Dialog-Zentrum, da auch der Papst mit an Bord ist und in der Präambel ein Bekenntnis zur Religionsfreiheit und Menschenrechten verankert ist. Erst vergangene Woche wurde Bandion-Ortner als stellvertretende Leiterin des Zentrums für vier Jahre bestätigt. Davor war sie vom Justizministerium dorthin entsandt worden, das auch ihre Gage weiter zahlte.

Originalartikel Wiener Zeitung

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