Bank Austria: Debakel in Kasachstan

Veröffentlicht: Dezember 30, 2012 in Finanzen
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Nach Problemen bereitet die Bank Austria den Rückzug aus Kasachstan vor. Die ATF-Bank soll verkauft werden. Das Institut hat dort in den vergangenen Jahren rund 1,8 Milliarden Euro in den Sand gesetzt.

Kurz vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise kaufte die Bank Austria für 2,1 Mrd. US-Dollar (1,62 Mrd. Euro) die Mehrheit an der ATF-Bank in Kasachstan. Die 2007 fixierte Übernahme wurde groß gefeiert. Wegen der strategisch günstigen Lage des Landes zwischen Russland und China und des Ölreichtums erhoffte sich der damalige Bank-Austria-Chef, Erich Hampel, einen Wachstumsschub. Doch der Zukauf erwies sich als teurer Fehlgriff.

Laut „Presse“-Informationen will sich die Bank Austria nun aus Kasachstan zurückziehen und die ATF-Bank verkaufen. Als Favorit gilt eine Investorengruppe aus der kasachischen Stadt Almaty, wo die ATF-Bank ihre Zentrale hat. Mit dabei sollen auch Verwandte des Bürgermeisters von Almaty sein. Die Bank Austria nimmt dazu nicht Stellung. Man kommentiere „Marktgerüchte aller Art“ nicht, sagte ein Sprecher des Instituts.

Viele Problemkredite

Unterm Strich hat die Bank Austria in Kasachstan bislang einen Milliardenbetrag in den Sand gesetzt. Denn dem Vernehmen nach möchte die Investorengruppe für die ATF-Bank rund 440 Mio. Euro zahlen. Das entspricht in etwa dem Wert, mit dem sich das kasachische Institut zuletzt in der Bilanz der Bank Austria befunden hat. Der Verkauf könnte aber noch platzen, da noch nicht alle Details ausverhandelt sind, heißt es.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat Kasachstan viel härter getroffen als andere Länder. Vorübergehend gab es bei der ATF-Bank bei 42 Prozent aller vergebenen Kredite Rückzahlungsprobleme. Das Institut verfügt über 103 Niederlassungen und kommt auf eine Bilanzsumme von fünf Mrd. US-Dollar.

Der „Presse“ liegen Aufstellungen der Kosten aus dem Kasachstan-Abenteuer vor. 2007 kaufte die Bank Austria einer Gruppe rund um den kasachischen Oligarchen Bulat Utemuratov die Mehrheit an der ATF-Bank ab und zahlte dafür 2,117 Mrd. US-Dollar. Doch kurz darauf begannen bereits erste Querelen. So hielten mehrere Hedgefonds kleinere Aktienpakete an der ATF, sie beschuldigten die Österreicher, Minderheitsrechte zu verletzen und klagten. Erst nachdem die Fonds mit weiteren 150 Mio. Dollar ausbezahlt wurden, hatte die Bank Austria wieder Ruhe, Verluste blieben aber.

In den vergangenen Jahren summierten sich die Verluste der ATF auf rund 102 Milliarden Tenge (dies sind je nach Kurs rund 700 Mio. US-Dollar). Um das Minus auszugleichen, waren Kapitalerhöhungen von 681 Mio. US-Dollar notwendig.

Zieht man die Investitionen in Kasachstan vom kolportierten Preis, zu dem die ATF-Bank nun verkauft werden soll, ab, ergibt sich ein Verlust von 1,8 Mrd. Euro. Die Bank Austria kommentiert diesen Betrag ebenfalls nicht.

Wertberichtigungen in der Bilanz

Auch der frühere ATF-Eigentümer und kasachische Oligarch Utemuratov soll sich für die Bank-Austria-Tochter interessieren. Doch er soll weniger geboten haben als die Investorengruppe aus Almaty.

Unklar ist, ob Utemuratov nachbessert. Ein Verkauf der ATF an den Oligarchen wäre für die Bank Austria peinlich, denn sie hatte ihm ja vor fünf Jahren das Institut zu einem wesentlich höheren Preis abgekauft.

Die Bank Austria hat die ATF-Bank in den vergangenen Jahren in ihren Bilanzen auf mittlerweile 440 Mio. Euro abgeschrieben. Daher wäre es wichtig, zumindest diesen Betrag für die kasachische Tochter zu erhalten. Bekommt die Bank Austria weniger, müsste sie in der Bilanz eine weitere Wertberichtigung vornehmen.

Internationale Finanzkonzerne machen um Kasachstan normalerweise einen Bogen. Das Land wird vom Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew geführt. Im Korruptionsindex von Transparency International liegt Kasachstan auf Platz 133. Doch davon lassen sich viele österreichische Firmen nicht abschrecken. Kasachstan ist nicht nur der wichtigste Erdöllieferant, sondern nach Russland und der Ukraine auch der drittwichtigste GUS-Markt für heimische Exporte.

Originalartikel Die Presse

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