Bedürftige Rumänen und Bulgaren in Bremerhaven

Veröffentlicht: Februar 6, 2013 in Migration & Islam
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Sie hoffen auf ein besseres Leben in Deutschland: Tausende Bulgaren und Rumänen versuchen hier jedes Jahr einen Neuanfang, nach ihrer Flucht aus häufig ärmlichsten Verhältnissen. Sie dürfen in Deutschland aber nur unter Auflagen arbeiten. Nun schlägt die Bremerhavener Tafel Alarm: Sie hat nicht genügend Lebensmittel, um alle bedürftigen Bulgaren und Rumänen zu versorgen.

In Bremerhaven hat sich die Zahl der Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien in den vergangenen 18 Monaten auf 900 verdoppelt. Nach Angaben von Hilfsorganisationen arbeiten die meisten von ihnen in illegalen Jobs. Ihr Lohn reicht nicht zum Leben. Doch die Stadt ist auf den Zuwachs aus Osteuropa offenbar schlecht vorbereitet. Wohlfahrtsverbände haben immer mehr Probleme damit, die Bedürftigen ausreichend mit Kleidung, Medizin und Lebensmitteln zu versorgen. Insgesamt 900 Berechtigungskarten für Bedürftige hat die Bremerhavener Tafel ausgegeben. Daran hängen schätzungsweise rund 3.000 Menschen, die mit Lebensmitteln versorgt werden. Lebensmittel, die die Tafel als Spenden von Supermärkten bekommt. Fast täglich bilden sich lange Schlagen vor der Ausgabe.

Vier Tüten Lebensmittel für zwei Euro

Eine junge Frau aus Bulgarien erzählt in gebrochenem Deutsch: „Keine Arbeit in Bulgarien. Und dann alle Leute hier. Vier Personen ich zu Hause habe. Meinen Mann und zwei Kinder habe ich“. Sobald sie eine Arbeitserlaubnis bekommt, möchte sie als Reinigungskraft arbeiten. Auch ihr Mann sucht noch einen Job. Sie ist froh, dass sie bei der Tafel Lebensmittel für ihre Familie bekommt: Vier Tüten mit Lebensmitteln für zwei Euro nimmt sie heute mit nach Hause. So viel bekommt jeder Haushalt pro Berechtigungskarte.

Behörden schicken Zuwanderer zur Tafel

Um allen bedürftigen Bulgaren und Rumänen helfen zu können, hat die Tafel nicht genügend Lebensmittel zur Verfügung, sagt Tafel-Chef Manfred Jabs. In Ausnahmefällen drücken die Tafel-Mitarbeiter auch ein Auge zu und geben Ware auch ohne Karte aus – vorausgesetzt, es ist noch welche da. Das war aber schon mehrmals nicht mehr der Fall. Jabs fordert nun Unterstützung von der Stadt. Denn schließlich würden Betroffene ja von Behörden auch direkt zur Tafel geschickt.

Betroffene leben zum Teil ohne Wasser und Heizung

„Wir überlegen, bei der Kartenausgabe erst einmal eine Pause zu machen und wirklich nur noch für Notfälle auszugeben“, sagt Manfred Jabs. Wenn die Hilfe der Tafel ausbliebe, wäre das schlimm für viele bedürftige Bulgaren und Rumänen, sagt auch Ronny Möckel, Leiter des Gesundheitsamtes. Er und seine Kollegin Corinna Becker wissen, unter welchen schwierigen Bedingungen die Betroffenen hier leben, teilweise ohne Heizung und fließendes Wasser – geschweige denn soziale Absicherung. Deshalb habe das Amt auch eine Absprache mit der Tafel getroffen, um den Betroffenen den Zugang zu nahezu kostenlosen Lebensmitteln zu ermöglichen.

Rosche: Zuwanderer nicht direkt zur Tafel schicken

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hoffen darauf, dass die Stadt schnell eine geplante Beratungsstelle für Bulgaren und Rumänen einrichtet. Doch noch ist unklar, wie sie bezahlt werden soll und wann sie ihre Türen öffnet. Überhaupt ist Sozialstadtrat Klaus Rosche von der SPD nicht einverstanden mit dem Vorgehen des Gesundheitsamts: „Es soll nicht so sein, dass aus Ämtern heraus jemand gleich zur Tafel geschickt wird“, sagt Rosche. „Wir müssen rechtzeitig aufpassen, dass wir das ein bisschen steuern“. Was Rosche damit konkret meint, sagt er nicht. Nur so viel: Es würden ja nicht alle Zuwanderer dauerhaft bleiben, viele würden ja auch wieder wegziehen.

Kinder stecken sich Essen aus der Schüssel in die Tasche

Die Tafel ist nicht die einzige gemeinnützige Einrichtung, die mit der steigenden Zahl von EU-Zuwanderern überfordert ist. Auch der Verein „Rückenwind für Leher Kinder“ sieht sich damit konfrontiert. Mehr als die Hälfte der Kinder, die dort betreut werden, kommen mittlerweile aus bulgarischen und rumänischen Familien, sagt Erzieherin Evelin Paetzel: „Wir haben gemeinsam gegessen. Und die Kinder haben sich Essen aus der Schüssel in die Tasche gesteckt“, erzählt Paetzel. Inzwischen haben die Mitarbeiter den Kindern klargemacht: Ihr dürft euch hier satt essen und alles, was übrig bleibt, dürft ihr mit nach Hause nehmen.

Schwerwiegende humanitäre und medizinische Probleme

Wo immer es geht, versuchen auch die Mitarbeiter des Gesundheitsamts zu helfen – häufig übernehmen sie schon Sozialarbeiter-Tätigkeiten. „Sie müssen integriert werden, brauchen ein Bildungsangebot, eine Perspektive“, sagt Amtsarzt Möckel. „Das soll nicht heißen: Kommt alle nach Bremerhaven. Aber die, die hier sind, haben teilweise schwerwiegende humanitäre und medizinische Probleme – und derer muss man sich annehmen“, so Möckel.

Originalartikel Radio Bremen

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