Die Schuldenkrise erreicht Deutschlands Grenze

Veröffentlicht: März 8, 2013 in Finanzen
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Die Krise in der Euro-Zone frisst sich nach Norden durch. Längst haben nicht mehr nur die Südstaaten ein Problem. Auch Deutschlands Nachbarländer drohen in den Strudel zu geraten.
 
Die Schuldenkrise geht in die nächste Runde: Am Anfang hatten vor allem die Mittelmeerländer ein Problem mit hohen Schulden und einem schwachem Wirtschaftswachstum. Börsianer sprachen von den PIGS-Staaten: Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Doch trotz Milliardenhilfen und Reformen ist es den Euro-Staaten nicht gelungen, die Krise einzudämmen. Immer mehr Länder geraten in den Strudel. Ein Hilfspaket für Zypern steht kurz bevor. Aber auch große Volkswirtschaften im Norden des Euroraums trifft es. Schon macht eine neue Abkürzung an den Finanzmärkten die Runde: FISH. Sie steht für Frankreich, Italien, Spanien und Holland. Nach PIGS nun FISH – die Schuldenkrise tischt neu auf. FOCUS Online stellt die neuen Krisenstaaten und ihre Probleme vor.
 
Frankreich – jahrelange Fehlentwicklungen rächen sich
 
Ein verkrusteter Arbeitsmarkt, hohe Steuern und eine schwache Industrie – Frankreich bekommt nun die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zu spüren. Die Wachstumsaussichten sind schlecht, die Arbeitslosigkeit steigt und das Defizit wächst. Doch Staatspräsident Francois Hollande geht die notwendigen Reformen nur zögerlich an. Die Wirtschaftsprobleme Frankreichs dürfte auch Deutschland zu spüren bekommen: Das Land ist der wichtigste Abnehmer von Waren aus Deutschland, noch vor den USA oder China. Der Exportanteil lag 2012 bei 8,4 Prozent.
 
Italien – Sorge um den Reformkurs

Eigentlich steht Italien schon länger wegen seiner hohen Schulden und des schwachen Wachstums im Brennpunkt. Dank der Reformen der Regierung Monti hatte sich jedoch die Lage wieder etwas beruhigt. Investoren fassten wieder Vertrauen. Das Wahl-Patt in Italien sorgt nun wieder für Unruhe. Da die Koalition von Wahlsieger Pier Luigi Bersani im Senat keine Mehrheit hat, ist die Angst an den Finanzmärkten groß, dass der Umbau nicht weitergeht. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen steigen wieder. „Ein Festhalten am Reformkurs ist unabdingbar, um das Wachstumspotenzial der italienischen Wirtschaft zu verbessern“, erklärt Ann-Katrin Petersen von der Allianz. „Besonders drei Probleme muss die Regierung anpacken: den starren Arbeitsmarkt, die ineffiziente Verwaltung und einen fehlenden Wettbewerb.“ Viele Firmen in Deutschland hoffen darauf, dass die Wende gelingt. Waren im Wert von 100 Milliarden Euro (Exportanteil: 5,2 Prozent) lieferten sie vergangenes Jahr nach Italien.

 
Spanien – keine Wende in Sicht

Spanien ist in der Schuldenkrise seit Anfang an dabei. Verbessert hat sich die Situation in den vergangenen Jahren allerdings wenig. Zuletzt machte das Land mit einigen spektakulären Unternehmenspleiten von sich reden. So ging der Immobilienentwickler Reyal Urbis bankrott und das Fischereiunternehmen Pescanova. Das verstaatliche Finanzinstitut Bankia ging trotz eines Verlustes von 19 Milliarden Euro zwar nicht Pleite. Aber der Fall zeigt, dass die Krise im Bankensektor noch nicht ausgestanden ist. Die wirtschaftliche Lage des Landes wird derweil immer schlechter. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal nicht nur zum sechsten Mal in Folge, sondern mit 0,8 Prozent auch so stark wie seit Mitte 2009 nicht mehr. 2012 brach die Wirtschaftsleistung damit um 1,4 Prozent ein. Das war der zweitgrößte Rückgang seit Beginn der Statistik Anfang der 1970er Jahre. Auch das Haushaltsdefizit ist trotz aller Sparbemühungen nach wie vor hoch. 2012 lag es bei 6,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
 
Holland – Böses Erwachen nach dem Immobilienboom

Die Niederlande sind zwar von der Fläche her in kleines Land, doch von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Sie sind die fünfgrößte Volkwirtschaft der Euro-Zone und nach Frankreich Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die Lage ist ernst. „In den Niederlanden ist die Immobilienblase geplatzt, deren Bewältigung noch für Eruptionen sorgen wird“, ist sich der Wirtschaftsweise Lars Feld sicher. Sichtbares Zeichen der Krise war zuletzt die Verstaatlichung von SNS Real, der viertgrößten Bank der Niederlande. Die fallenden Häuserpreise werden aus Sicht der Citigroup das Wachstum in den kommenden Jahren belasten. Denn die Haushalte sind hoch verschuldet und müssen nun sparen. Das schadet dem Konsum. Außerdem waren die Banken sehr freigiebig mit Krediten und müssen nun ihre Bilanzen in Ordnung bringen. „Es gibt beim Wirtschaftsausblick wenig Gründe für Optimismus“, meint Jürgen Michels, Chefvolkswirt für die Euro-Zone bei der Citigroup. Über das Krisenquartett der FISH-Staaten hinaus gibt es noch ein weiteres Land, in dem die Probleme wachsen:

 
Slowenien – der nächste Kandidat für den Rettungsschirm
 
Die Probleme Slowenien klingen bekannt: geplatzte Blase am Immobilienmarkt, unter der Banken und Wirtschaft leiden, geringe Wettbewerbsfähigkeit und ausufernde Staatsausgaben. Als ob das nicht reicht, hat das Land auch noch große politische Probleme. Das slowenische Parlament hat den konservativen Ministerpräsidenten Janez Jansa abgesetzt und durch die Mitte-Link-Politikerin Alenka Bratusek ersetzt. Unterstützt wird sie von der sozialdemokratischen Partei, der liberalen Bürgerliste und der Rentnerpartei. Bratusek muss das politische Kunststück fertigbringen, die linken Parteien mit den Neoliberalen in ein Regierungsboot zu zwingen. Die einen wollen weg vom Sparkurs und hin zur staatlichen Ankurbelung der Wirtschaft. Das umfangreiche Staatseigentum soll beibehalten werden. Die anderen wollen mit einem Sparkurs das Land sanieren. Sie verlangen die schnelle Privatisierung von Staatseigentum wie Häfen, Banken oder große Unternehmensholdings.
 
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