Uneinnehmbare Festung – Umfragen sehen Regierung in Ungarn fest im Sattel

Veröffentlicht: März 23, 2013 in Uncategorized
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Die Märzumfrage des Nézöpont Institutes für Meinungsforschung (vom 4. bis 8. März) sieht die Regierungsparteien Fidesz-KDNP wieder deutlich fester im Sattel, dagegen stürzt die linke Opposition immer weiter ab. Die Hälfte der Wähler verweigert sich frustriert. Das spiegelt zwar die Stimmung im Land, Zweifel an den Zahlen sind dennoch angebracht.

Nach den Erhebungen kommt die Orbán-Partei auf eine Unterstützung von 32% bei allen Wahlberechtigten, seit den Wahlen 2010 fast der höchste Wert, während die sozialdemokratische Opposition nur ein Drittel dieser Anhänger aufweisen kann, nämlich 11%. Die neue Wahlallianz Gemeinsam 2014 von Ex-Premier Bajnai schafft es bei allen Stimmbürgern laut Nézöpont auf 5%, die MSZP-Abspaltung Demokratische Koalition von Ex-Premier Gyurcsány gerade auf 2%. Wenn am kommenden Sonntag Wahlen wären, würden derzeit rund 52% zur Wahl gehen wollen, ein nach wie vor extrem niedriger Wert. Die Sonntagsfrage gewännen Fidesz-KDNP mit 41% der Stimmen, die MSZP käme danach auf gerade noch 15%, die neofaschistische Jobbik auf 12%, G2014 auf 7 und die DK auf 5%. Die grün-liberale LMP, die sich kürzlich gespalten und daher keinen Fraktionsstatus mehr inne hat, wird von Nézopont gar nicht mehr aufgeführt. Aufgrund der stärkeren Gewichtung der Direktmandate im 2014 deutlich verkleinerten Parlament und neuen Elementen des Mehrheitswahlrechts, ginge sich u.U. auch mit rund 45% der Stimmen eine erneute Zweidritttel-Mandatsmehrheit aus. Bei der letzten Wahl genügten Fidesz rund 54% der Stimmen für fast 70% der Mandate. Der jetzt gemessene Wert für die MSZP läge nochmals rund 5 Prozentpunkte unter dem desaströsen Wahlergebnis von 2010 und weicht zum Teil um mehr als 10 Prozentpunkte von den Ergebnissen anderer Institute ab. Die Abweichungen der Institute untereinander, aber auch von Umfrage zu Umfrage bei denselben Instituten gehen in letzter Zeit extrem weit auseinander. Dafür kann es mehrere Erklärungen geben: impulsive Stimmungserruptionen des Wahlvolkes, fehlerhafte Erhebungsmethoden oder bewußte Manipulation. Einig sind sich indes alle Institute in der Tendenz: hoher Wählerfrust, zersplitterte Opposition, klare Führung der Regierungsparteien, die über eine unbeirrbarre Fanschar verfügen und deren Ablösung praktisch nur über eine Aktivierung von Nichtwählern möglich ist.

Update, 18.3., 12:20 Uhr: Soeben sind auch die aktuellen Zahlen des Institutes Ipsos erschienen (Umfrage ebenfalls noch vor dem Verfassungsputsch). Das sieht in der Sonntagsfrage Fidez-KDNP bei 45%, MSZP bei 27%, Jobbik 14%, Gemeinsam 2014 bei 9%, LMP und DK wären mit 3 bzw. 2% aus dem Parlament raus. Ipsos gegenüber gaben jedoch nur 37% der Befragten eine „klare Parteienpräferenz“ an, etwas mehr als die Hälfte würde aber zur Wahl gehen wollen. Umgelegt auf die Unterstützung aller Walberechtigten konnte sich die Regierungspartei damit binne eines Monats um 6 Prozentpunkte, von 18 auf 24% steigern und verfügt über die Unterstützung 1,9 Millionen Bürgern. Die MSZP steigerte sich von 13 auf 16%, 1,3 Mio., Jobbik hält bei 8%, was rund 600.000 Wahlberechtigte ausmacht. Gemeinsam 2014 schafft 5% bzw. 400.000 Menschen, LMP 2% oder 150.000, die DK wird noch von einem Prozent aller Wahlbürger unterstützt, was rund 100.000 Menschen ausmacht.

Kurzerklärungen zu den Parteien:
Fidesz-KDNP:
Bürgerbund-Christdemokraten, national-konservativ, aktuelle Regierungsparteien
MSZP: Ungarische Sozialistische Partei, sozialdemokratisch
Jobbik: “Bewegung für ein besseres Ungarn”, neofaschistisch
LMP: “Eine andere Politik ist möglich”, grün-liberal
DK: Demokratische Koalition, MSZP-Abspaltung von Ex-Premier Gyurcsány, sozialliberal
Gemeinsam 2014: Mitte-Links Wahlallianz von Ex-Premier Bajnai

Originalartikel Pester Lloyd

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