„Am Ende steht eine Währungsreform, bei der man alles verliert“

Veröffentlicht: April 7, 2013 in Finanzen
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FORMAT Exklusiv-Interview: Das Team Stronach sichert sich die Beratung von Wilhelm Hankel in Währungsfragen. Im Gespräch erläutert der renommierte Wirtschaftsprofessor, Autor und Euro-Kritiker seine Vorschläge für Frank Stronach und Österreich.

Wilhelm Hankel hat sich als Ökonom längst einen Namen gemacht und war bereits Berater der Regierung Kreisky/Androsch. Der Deutsche geht jetzt beim Team Stronach an Bord und berät die Neo-Partei in Währungsfragen. Das FORMAT traf Hankel und Thomas Bachheimer, den Leiter des Euro-Expertenrats, und hat die Details zur Euro-Exit-Strategie des Team Stronach. Ein ausführliches Interview…

Format: Herr Hankel, das ist nicht ihre erste Beratungstätigkeit in Österreich, oder?

Wilhelm Hankel: Ich bin ihrem Land sehr verbunden, ich habe schon die Regierung Kreisky/Androsch beraten. Ich liebe Österreich. Ich habe in den 70ern Androsch bei seiner harten Schillingpolitik beraten. Daraus ist das Buch „Prosperity amidst crisis: The case of Austria“ entstanden. Interessanterweise: In Amerika ein kleiner Bestseller, in Österreich keiner.

Format: Was sind ihre Vorschläge bezüglich Euro-Exit-Strategie?

Hankel: Ich bin mit Stronach ganz einig, dass die heutigen Krisenstaaten von ihrer Überbewertung des nationalen Euros herunterkommen müssen, denn mit dieser Überbewertung, beispielsweise des griechischen Euro, können sie keine Reformen machen und auch nicht aus der Krise heraus kommen. Das bedeutet, Europa kommt auch nicht aus der Krise heraus. Im Klartext: Die Euro-Länder müssen wieder die nationale Zuständigkeit für die Währungspolitik bekommen.

Format: Das heißt, in Österreich bleibt dann der Euro bestehen und wir machen Geldpolitik?

Hankel: Es ist entscheidend, dass die nationalen Zentralbanken für die nationale Geldpolitik verantwortlich sind und dass die EZB herauskommt aus der monetären Staatsfinanzierung. Die EZB finanziert ja, was sie gar nicht darf, das ist ja eine richtige Sünde, sie finanziert den griechischen Staatshaushalt mit Billionen. Die Target-Salden summieren sich bereits auf eine Billion Euro – über alle Länder. Der Vorschlag, den ich mache, von dem ich annehme, dass Stronach ihn akzeptieren wird, ist: Wir behalten den Euro und führen zusätzlich nationale Währungen ein. Wir konzipieren den Euro als eine Deckungs- oder Rechnungsgrundlage, wie früher das Gold.

Format: Wir führen aber nicht den Goldstandard wieder ein?

Hankel: Nein. Im uralten Goldstandard bekam man für das Papiergeld Gold. Das Gold war die Berechnungsgrundlage. Wenn viele Währungen einer Dritten, dem Gold, gleich sind, dann sind sie untereinander gleich. Ich führe diesen Dreisatz in Europa ein. Wenn alle europäischen nationalen Währungen zwar nicht gleich sind, aber einen Wechselkurs in Euro haben, dann sind sie auch untereinander verrechenbar. Das ist der Grundgedanke. Der Euro ist nur eine Rechenheit, wie früher der ECU auch. Und, das sage ich auch ganz offen, es ist gleichzeitig die Entmachtung der EZB. Denn die EZB kann zwar Euro drucken, aber nur in dem Umfang, wie sie nationale Währungen ankauft. Dadurch bleibt in ganz Europa die Geldmenge gleich und wir sind inflationsgeschützt. Sind sie nicht begeistert von so einem Plan?

Format: Ich habe eigentlich mit Drastischerem gerechnet.

Hankel: Was ich vortrage, ist gesunder Menschenverstand. Die Dreisatz-Arithmetik sollte man in Europa nicht abschaffen.

Bachheimer: Der Euro ist bereits am Ende, er ist nur mehr durch Verfassungsbrüche von Politikern, durch Gesetzesveränderungen und -metamorphosen, die verfassungrechtlich nicht gedeckt sind, aufrechtzuerhalten. Das ist einer der Gründe, warum der Euro noch am Leben zu sein scheint.

Hankel: Ich kann das nur unterschreiben, denn dass wir den Euro heute noch haben, beruht auf der Außerkraftsetzung des Artikel 125 des EU-Vertrags, der besagt, dass der Euro für Staatsfinanzierung nicht benutzt werden darf. Wir leben in einem vertragslosen Zustand. ESM und der Vorgänger EFSF sind durch den Vertrag nicht gedeckt. Und deswegen habe ich zusammen mit meinen Kollegen den dritten Prozess vor dem deutschen Verfassungsgericht geführt. Und der ist noch nicht abgeschlossen. Theoretisch könnte immer noch ein Verbot des ESM kommen. Das deutsche Verfassungsgericht hat in der Vergangenheit eigentlich recht ausweichend entschieden. Es hat die Klage nicht abgewiesen, was schon wichtig ist, und hat sie anstatt an den Bundestag geschickt und gesagt, wir Richter sind gar nicht zuständig. Deswegen überlegen wir, auch klären zu lassen, ob die Rechtsauffassung des Verfassungsgerichts überhaupt rechtens ist. Mein Kollege Schachtschneider vertritt die Ansicht: Wir haben es in Deutschland mit Rechtsverweigerung zu tun. Das Verfassungsgericht verweigert sich, Recht zu sprechen. Das hat er den Richtern schriftlich gegeben. Und es könnte sogar sein, dass wir damit vor den EuGH gehen. Jetzt müssen wir aber einmal abwarten, bis unsere Klage entschieden ist. Ich vermute, es wird so ausgehen, wie bisher: Wenn der Bundestag es genehmigt hat, ist es ok. Dann kommt der Schritt vor den EuGH.

Bachheimer: Das Verfassungsgericht hat eigentlich die Entscheidung über den ESM denen, die ihn bestimmt haben, zurückgegeben. Das ist ja ein Scherz schlechthin. Die Justiz überantwortet das der Politik. Das ist das wirkliche Problem, das wir in Deutschland und ganz Europa erkennen müssen.

Hankel: In Österreich haben sie das Problem deswegen, weil sie gar kein richtiges Verfassungsgericht haben. Lassen Sie es mich mit einem Satz aus der Geschichte erklären: Im alten Sparta gab es die Ephoren, die höchsten Richter, die sogar die Könige gerichtet haben. Das deutsche Verfassungsgericht sind die alten Ephoren aus Sparta, sie müssen die Politik richten. Und die winden sich da raus, und sagen: Wenn der Bundestag mit Mehrheit bestimmt, ist uns das recht!

Bachheimer: Wenn man jetzt in den nächsten Monaten nicht aufpasst, dann ist es vorbei mit den Bürgerrechten.

Hankel: Ich bin glücklich, dass das Team Stronach mich holt und sich so etwas berichten lässt. Für mich könnte Österreich und Frank Stronach das Modell werden, wie wir Europa modernisieren. Ich hab das im Jänner auch in der Schweiz gesagt, ihnen Mut gemacht, ja nicht in der EU zu Kreuze kriechen und den Beitritt zu erflehen.

Format: Warum gerade das Team Stronach – Anti-Euro-Parteien gibt’s ja mehrere?

Hankel: Ganz simpel, weil Stronach mich anhört. Was er davon umsetzt, darauf habe ich keinen Einfluss. Wir haben in Deutschland keine politische Partei, die das Programm der Euro-Gegner, der vier Professoren, die permanent klagen, umsetzt. Die CDU nicht, die SPD nicht, das tun die Grünen nicht, aber hier haben sie zwei Parteien, nämlich Strache, bei dem ich auch aufgetreten bin, für den ich im Herbst im Nationalrat Expertise abgegeben habe, und das Team Stronach.

Format: Wie lässt sich ihr Vorschlag eigentlich rechtlich und praktisch umsetzen?

Hankel: Eine EU-Regierung verlangt im Europarat und Europaparlament eine Revision der Euro-Politik. Wenn sich nur eine Stimme erhebt, dann muss das ganze Projekt Euro-Rettung neu diskutiert werden. Und dann kann man einen neuen Vorschlag einbringen im Ministerrat der EU-Kommission. Aber bereits eine abweichende Stimme, ich habe mir überlegt deswegen nach Malta oder Zypern zu fliegen, das würde völlig reichen, wenn einer dieser Staaten die Stimme erhebt, muss das Projekt neu diskutiert werden.

Format: Wie lässt sich die Euro-Rettung überhaupt rückabwickeln? Die Milliarden sind doch längst geflossen.

Hankel: Erstens, es geht nicht um Rückabwicklung. Sondern es geht um Verhinderung der Schadensausweitung. Und zweitens, es geht um ein neues Schema. Eine automatische Kreditgewährung für Defizitstaaten, noch dazu über die Notenpresse, muss unterbunden werden. Und die einzige Rückabwicklung, die ich sehe, ist die Widerinstandsetzung des alten Systems vor Erfindung des ESM. Und da bin ich mit Frank Stronach einer Meinung.

Bachheimer: Rückabwickeln kann man nichts. Wir brauchen in der Denkrichtung zwei Pfade. Einen, um Das Jetzt zu reparieren und einen anderen für das , was in der Zukunft noch passieren wird. Was wir jetzt fordern werden für die Zukunft, ist, dass sämtliche Verträge, die sich nach außen richten, vom Volk mitentschieden werden. Das heißt, es darf nicht mehr so wie beim ESM passieren, dass einfach das Parlament Finanz-Verantwortungen ins Ausland abschiebt, in eine zentralistische übereuropäische Regierung, ohne das Volk zu fragen. Sämtliche völkerrechtlichen Verträge müssen in Akkordanz mit der Volkesstimme durchgeführt werden.

Format: Volksabstimmungen also…wie kann ich das Volk über etwas abstimmen lassen, das nicht einmal die Politiker verstehen, es geschweige denn, dem Volk erklären können oder wollen, und das Konsequenzen hat, die enorm sind.

Bachheimer: Das ist ja auch ihre Aufgabe Frau Schuch, die Wahrheit zu schreiben.

Hankel: Jede Volksabstimmung ist eine Bringschuld der Regierung, dem Volk die Wahlentscheidungen klar zu machen und vor Augen zu führen. Die große Funktion des Journalismus ist, das gesetzes- österreichisch in volks-österreichisch zu übersetzen.

Bachheimer: Ich habe voriges Jahr im März an alle Parlamentarier geschrieben, dass sie den ESM nicht ratifizieren. Glauben Sie wirklich, die haben alle gewusst, was da passiert. Da ist es doch besser, wenn ich acht Millionen frage, wo ein paar dabei sind, die das wissen, die sich dafür interessieren, als wenn ich 183 frage, die sich überhaupt nicht interessieren. Und denen war das egal, und das ist traurig, wie man hier mit Hoheitsrechten umgeht. Und da muss man als denkender Bürger einschreiten und die Medien bitten, berichtet darüber soviel wie möglich. Ich würde mich sehr hüten davor, zu sagen, dass das Volk nicht intelligent oder wissend genug ist, um zu entscheiden.

Format: Moment, ich habe nicht gesagt, dass das Volk nicht intelligent genug ist. Um aber über ein derartig komplexes Thema fundiert zu entscheiden, braucht es mehr als einen H.C. Strache oder einen Stronach, die gegen den Euro und die Griechenland-Milliardenhilfen wettern und gegen Europa… ohne dabei fundiert zu informieren und echte Alternativen vorzuschlagen.

Hankel: Ich darf hier aus Deutschland berichten. Ich habe bisher unser Verfassungsgericht kritisiert, aber in einem Punkt sind sie ganz klar und hart gewesen. Im Zusammenhang mit unserer Klage ist ein anwesender Abgeordneter aufgestanden, aus der SPD, und der hat gesagt: Hohes Gericht, ich muss mitteilen, wir hatten niemals die Zeit, um die Vorlagen durchzulesen. Und wir haben auch nicht die notwendigen Zusatzerklärungen bekommen. Wir hatten nur die Wahl zuzustimmen oder nicht zuzustimmen. Daraufhin hat das Gericht den Bundestag und die politischen Parteien öffentlich ermahnt, dieser Pflicht zu genügen, sonst könnten solche Gesetze, die aufgrund von unzureichender Information der Abgeordneten zustande gekommen sind, für verfassungswidrig erklärt werden. Diese Gefahr schwebt im Raum.

Bachheimer: Da ist es doch besser, ich informiere das Volk über mehrere Monate und lasse es dann an einem Sonntag zur Urne gehen. In der Schweiz wird jeder kleine Aspekt so entschieden, kantonal, aber auch über die gesamte Eidgenossenschaft. Und das wäre die wahre Demokratie.

Format: Es ist sicher in Ordnung, das Volk über alles Mögliche entscheiden zu lassen. Aber wozu haben wir dann die Volksvertreter gewählt?

Hankel: Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Sagen Sie das einmal einem Schweizer. Wissen Sie was der ihnen sagt. Wir brauchen keine Regierung. Das Volk sagt der Regierung, wie wir regiert werden wollen. Ein Schweizer würde die Wand hoch klettern, wenn er so etwas hört. Die Demokratie hat viele Erscheinungsformen: Es gibt die direkte, die repräsentative und es gibt die symbolische und es gibt die Scheindemokratie.

Bachheimer: Und wir leben in letzterer.

Hankel: Und die repräsentative Demokratie, die wir haben, setzt voraus, das volle Information an den Abgeordneten gegeben wird. Wenn er die nicht hat, kann er nicht entscheiden. Und das deutsche Verfassungsgericht hat klargestellt, jede Neuerung in der europäischen Gesetzgebung muss ausreichend kommuniziert sein und den Abgeordneten muss Gelegenheit gegeben werden rückzufragen.

Bachheimer: Sie fragen, wozu wir wählen? Ich habe einen Vorstand in einer AG, der macht das Tagesgeschäft. Aber es gibt dann auch zustimmungspflichtige Geschäfte. Und so etwas sollte man auch in einer Republik einführen. Wenn ich jetzt finanzielle Hoheit an eine zentralistische Regierung aus Drittbürokraten von Drittländern abgebe, dann muss das zumindest zustimmungspflichtiges Gesetz sein, und das muss der Souverän und der Eigentümer der Firma – und der Eigentümer ist der Bürger, und nicht die Jungs und Damen, die da drüben sitzen – entscheiden.

Hankel: Anders kann auch repräsentative Demokratie nicht funktionieren. Der Gesetzgeber muss volle Informationsfreiheit und -gelegenheit haben.

Bachheimer: Und wenn das Votum gefällt ist, dann kann man sagen: Gut, das war das Volk. Aber ich glaube nicht, dass 183 es besser wissen als acht Millionen.

Format: Kommen wir zurück zur nahen Zukunft – was sind jetzt die nächsten Schritte des Team Stronach, auch mit Blick auf die kurz bevorstehende Wahl in Niederösterreich?

Bachheimer: Wir kämpfen jetzt einmal um einige Mandate im Parlament. Und das Währungssystem wird heuer und sicher auch in den zukünftigen Wahljahren eine zentrale Rolle spielen. Die Währung, hat ein großer Österreicher schon gesagt, repräsentiert die Seele eines Volkes. Und ein kleiner Österreicher namens mir sagt, diese Seele gehört jetzt einmal auf die Coach. Wir versuchen, mit einer gewissen Art von Therapie, das zu bearbeiten. Wir können nicht aussteigen, so adhoc, bis September. Das wissen wir. Aber wir müssen schauen, dass wir zur Therapie beitragen. Und dass wir durch möglichst viel Information auch zur Therapie beim Volk beitragen. Damit diese Seele des Volkes wieder einmal auf festen Beinen steht. Und damit wir, das Volk, und die, die die Währung verwenden, auch wieder Planungssicherheit haben. Diese Währung jetzt ist ja nur für einen gut, für jenen, der die Währung konstruiert hat, zentralistisch konstruiert. Währungssysteme entstehen normal, die kommen nicht von oben.

Hankel: Die defacto Währungsunion zwischen Schilling und D-Mark ist nie verabredet worden, die hat sich aus dem Markt entwickelt. Die dichteste Handelsverflechtung, die wir in Europa hatten, war die zwischen Deutschland und Österreich. Und aus dieser Handelsverflechtung hat sich automatisch ein fester Wechselkurs für die beiden Währungen ergeben. Und nachdem dieser defacto für Jahre konstant war, hat sich eingebürgert zu sagen, das bleibt halt so – aus dem Markt heraus.

Bachheimer: Weil die Bedingungen für optimale Währungsräume im Fall Deutschland/Österreich gegeben sind, großer Austausch von Waren und Dienstleistungen, Austausch von Arbeitskräften und Mentalität.

Hankel: Und natürlich auch die wechselseitigen Interessen der Finanzminister. Ich war Ministerialdirektor im deutschen Wirtschaftsministerium und unter anderem für die deutschen Aufwertungen zuständig. Und es war natürlich für Deutschland wichtig, eine D-Mark-Aufwertung nicht isoliert zu inszenieren. Und das war auch im Interesse Europas. Also habe ich mit dem damaligen österreichischen Finanzminister Androsch telefoniert, und wir hatten ein Codewort. Und wenn ich das benutzte, wusste er, wir bereiten was vor. Und dann hat er aus Eigeninteresse für Österreich mitgezogen. Denn hätte der Schilling zur D-Mark abgewertet, dann hätten sie ja einen Preisschub gekriegt. Und wäre der umgekehrte Fall eingetreten, dass der Schilling zur D-Mark aufgewertet hätte, wären sie zu teuer für deutsche Touristen geworden.

Bachheimer: Dann hätten wir ein Griechenland-Syndrom gehabt.

Hankel: Es war das Eigeninteresse der nationalen Finanz- und Währungspolitik, diese Dinge in Europa mit der leichten Hand, dem Telefonhörer, zu akkordieren.

Bachheimer: Jetzt wurde erstmals in Europa über einen ganzen Kontinent zentralistisch eine Währung drübergestülpt. Das ist das Grundproblem. Und dieses Grundproblem wollen wir bearbeiten und bekämpfen.

Hankel: Der Euro war für Griechenland die leichtfertige Eintrittskarte zum Kapitalmarkt, zur Geldaufnahme. Es war wie die Eröffnung eines Bankkontos ohne Grenzen. Das haben sie genutzt. Das Ergebnis ist die hohe Verschuldung. Wir haben eine registrierte Verschuldung von 12 Billionen Euro dieser Länder. Und nun erwartet man, dass für diese 12 Billionen an Krediten irgendetwas geschaffen worden ist. Investitionen oder Infrastruktur. Nichts. Für diese 12 Billionen ist gar nichts geschaffen worden, das wurde verkonsumiert. Das Geld ist weg.

Bachheimer: Nun erwartet man, dass man das unter Sparbedingungen wieder hereinholt. Ohne dass man was geschaffen hat. Früher hat man mit staatlicher Schuldenaufnahme Infrastruktur bewirkt und geschaffen und begründet. Das waren ja noch Schulden, die was gebracht haben auf lange Sicht. Und das ist heute nicht mehr der Fall.

Hankel: Schulden sind so lange nicht schlimm, solange ein Gegenwert dafür besteht. Dann kann man die Schulden aus dem Gegenwert zurückzahlen, aus den Zinsen, aus den Erträgen und aus der Abschreibung. Dann tilgt sich auch der Schuldenberg wieder. Wenn aber gar nichts dagegensteht, nur Konsum, staatlicher und privater, wie soll man das tilgen? Und jetzt kommt die zweite Euro-Lüge, die eigentlich die verbrecherische ist. Das man sagt, wir müssen den Euro vor diesen Schulden retten. Und in Wirklichkeit rettet man nicht den Euro, sondern das Geld der Banken. Das falsch vergebene Kapital. Das sind die zwei fundamentalen Fehler, die möchte ich beseitigt sehen, mit Hilfe des Stronach-Teams.

Format: Warum aber den Euro behalten und die nationalen Währungen wieder einführen, warum nicht Gold?

Hankel: Dafür gibt es einen technischen und einen politischen Grund. Der politische ist, ich möchte, dass die Euro-Politiker meinen Vorschlag annehmen und das Gesicht wahren.

Format: Ach, das werden sie bei Umsetzung dieses Vorschlags sicher nicht…

Hankel: Gut. Der technische ist ganz einfach. Eine Frage: Wie viele Wechselkurse würden entstehen, wenn es in Euro-Land wieder 17 Währungen gibt? 136. Um die Zahl 136 auf 16 zu reduzieren, ist es ein uralter Brauch seit 5000 Jahren Geldgeschichte: Man nimmt eine Zentralregierung und drückt alle Wechselkurse in dieser aus. Und um nicht den Dollar zu nehmen, der automatisch käme, habe ich gesagt, bleiben wir doch beim Euro. Wir drücken die Wechselkurse in Europa, die jetzt entstehen werden, in Euro aus. Das ist doch verständlich, oder?

Format: Ja, ja, absolut…

Hankel: Der politische Charme, auf den ich noch gar nicht zu sprechen kam. Der riesige Graben, der Europa durchzieht, zwischen Euro- und Nicht-Euro-Ländern, der wer dann geschlossen. Dann könnten nämlich Polen und Dänemark, die keinen Euro haben, sagen, ja, aber natürlich, den Euro als Verrechnungseinheit benutzen wir auch. Dann wäre die ganze EU eine einheitliche Währungszone mit verschiedenen Wechselkursen. Das ist der Charme des Gedanken.

Format: Bei allem Charme, das ist das Ende des Euros und das Ende der Eurozone…

Hankel: Nein, es ist das Aufgeben der Eurozone in der EU. Es ist die Vereinheitlichung von EU und Eurozone. Wir haben heute in der EU zwei Geldzonen, die Eurozone und die Nicht-Eurozone. Und die Länder der Nicht-Eurozone sind fast alle erfolgreicher als die Euro-Länder. Polen boomt. Litauen boomt. Schweden boomt. Es sind EU-Länder ohne Euro. Der einzige Ausnahmefall ist Großbritannien.

Bachheimer: Wir machen ja nichts anderes, als dem Euro eine Komponente hinzuzufügen. Nämlich dass es einen Ausgleich zwischen den Volkswirtschaften gibt. Der Euro wird ja nicht getötet, wir haben immer noch den Vorteil der Vergleichbarkeit. Es ist ja eigentlich nur ein ergänzendes Mittel, wenngleich es natürlich eher drastisch klingt, dass man noch Währungen einführt. Aber dieses ergänzende Mittel dient nur dem Ausgleich zwischen den Volkswirtschaften. Warum es nicht funktioniert, ist ja nicht wegen den Euro-Scheinen, sondern nur weil die Ausgleichsmöglichkeit der volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte nicht gegeben ist.

Format: Andere Ökonomen würden jetzt entgegenhalten, dass gerade durch das enge Korsett des Euros Reformen möglich werden, weil die Abwertungsmöglichkeit wegfällt. Der Reformdruck wird durch den Euro erhöht.

Hankel: Ich würde sagen, dass das Gegenteil richtig ist. Sie können ein Land, das sich kaputtsparen muss, nicht reformieren. Es kann weder Schulden zurückzahlen, noch sich reformieren. Wir müssen diese Länder vom Sparzwang befreien. Denn der Sparzwang macht sie reformunfähig, wettbewerbsunfähig und produziert Jugendarbeitslosigkeit. Der Druck bleibt in diesen Ländern national bestehen. Die Regierungen müssen ihren arbeitslosen jungen Leuten Jobs verschaffen. Der Druck bleibt doch.

Format: Aber durch die Möglichkeit, die eigene Währung abzuwerten, kommt es wirtschaftlich zu einer Erleichterung. Der Reformdruck nimmt ab.

Hankel: Es ist nicht der Sinn einer Währung sozialen Druck zu erzeugen. Der Druck in Spanien, Italien wird sogar zunehmen mit der eigenen Währung, weil dann die Parteien gezwungen sind, eine Vollbeschäftigungspolitik zu machen, eine Sozialpolitik. Es ist genau umgekehrt: Heute sagt die griechische Regierung zu ihren jungen Leuten, die demonstrieren gehen: Das müsst ihr verstehen, es ist der Euro. In der dritten Welt, in dutzenden von Ländern habe ich es erlebt, dass die Regierungen sagen: Das müsst ihr verstehen, es ist der IWF. Das kann man dann nicht mehr sagen. Dann seid ihr es, die Regierungen selbst. Das ist der Unterschied.

Format: Dennoch wird ihr Vorschlag die Desintegration Europas zur Folge haben…

Hankel: Frank Stronach sagt mit Recht, immer wieder: Integration ist realwirtschaftlich. Das ist das Zusammenwachsen von Gütermärkten, das kommt von selbst, hinterher. Und gerade indem wir diese Länder zwingen, wieder wettbewerbsfähig zu werden, können sie mehr exportieren und mehr importieren. Das ist wichtig. Durch den Euro und den falschen Wechselkurs des Euro hat Griechenland sein wichtigstes Exportgut verloren, den Tourismus, der ist in die Türkei abgewandert. Inzwischen zeigt jede Statistik, dass die griechischen Hotels zwischen 40 und 60 Prozent teurer sind als die türkischen. Eine Abwertung um 40 bis 60 Prozent würde die Parität zu den türkischen Hotels herstellen.

Bachheimer: Das ist wesentlich mehr Beitrag zur europäischen Integration, als Schönrederei, die auf Visionen beruht.

Hankel: Mit falschen Wechselkursen kriegen sie nie Integration, weil die Leute nicht einsehen, dass sie in einem solchen überbewerteten Land so viel Geld für etwas ausgeben sollen, was sie woanders billiger kriegen. Und ich finde das Beispiel Hotellerie ist schlagend. Milton-Friedman hat bei Beginn der europäischen Währungsintegration schon gesagt: Wie könnt ihr auf Wechselkurse verzichten? Die Veränderung eines Preises, nämlich des Wechselkurses, sagen wir Schilling/Drachme oder Drachme/D-Mark, ist doch viel leichter herstellbar als die Veränderung von hunderttausenden Inlandspreisen und Kosten, die dann angepasst werden müssen bei gemeinsamer Währung. Sie brauchen nur den Wechselkurs anzupassen und schon vollzieht sich die Anpassung marktwirtschaftlich automatisch. Und deswegen hat Milton Friedman genau wie ich damals gesagt: Es ist Wahnsinn so etwas zu machen. Man kann nicht eine Währung 17 Ländern überstülpen.

Format: Wird also der Wahlkampf in Niederösterreich auch in Richtung Währungsreform gehen?

Bachheimer: Man muss diese Themen schon ansprechen, weil Niederösterreich ist auch ein hoch verschuldetes Land – pro Bürger hoch verschuldet. So eine Verschuldung eines Staates, oder einer Kommune, erreiche ich mit einem freien Währungssystem wesentlich einfacher. Das heißt, in Niederösterreich ist das Währungssystem auch ein Thema.

Hankel: Eines der zentralen Themen in Deutschland, weil die Wahlkämpfe laufen ja parallel, wird zum Beispiel die Problematik werden: Die Deutschen sind eigentlich nur in den Euro gegangen, weil man ihnen versprochen und vertraglich zugesichert hat, keine Finanzierung von Budgets aus der Notenpresse zu machen. Und genau dieser Paragraf ist jetzt draußen. Dieser Betrug wird ein zentrales Wahlkampfthema in Deutschland sein.

Bachheimer: Und auch in Österreich.

Hankel: Denn das bedeutet Inflation. Das bedeutet Entwertung von Ersparnissen. Am Ende steht eine Währungsreform, bei der man alles verliert. Stronach ist nicht nur unabhängig, er darf auch mit Recht darauf hinweisen, dass die ganze Realwirtschaft die Zeche des Euro zahlen wird. Das berührt auch sein Unternehmen und es ist doch legitim, dass er davor warnt. Wir müssen doch nicht sehenden Auges in einen Abgrund steuern. Und das sehen die Politiker nicht. Die Politiker sind vernarrt in die Europa-Idee und es kommen dann solche Sprüche, die ich nicht mehr ertragen kann. Wir müssen groß und mächtig sein, um in der Welt bestehen zu können. Dabei ist die Welt voll mit Beispielen, dass die Kleinen überleben und nicht die Großen. Es kommt auch in der globalen Wirtschaft nicht auf die Größe an, sondern auf die Wettbewerbsfähigkeit und Kreativität. Wenn die Größe eines Währungsraums entscheidend wäre, gäb’s keinen Schweizer Franken. Das ist heute immer noch die stabilste Währung in Europa.

Format: Ich denke, den Grundgedanken der Idee konnten wir einfangen. Wollen Sie noch ein Fazit dranhängen?

Hankel: Wichtig ist, dass wir wieder zu vernünftigen Wechselkursen kommen und die Griechen aus der Schuldenfalle. Wir haben zwei Probleme zu lösen: Das eine ist die Schuldenfalle der Griechen und so weiter, das andere ist die Haftungsfalle von Ländern wie Österreich und Deutschland, die dafür zahlen müssen. Seit Ausbruch der Krise sind fünf Billionen neues Geld geschaffen worden, an Gütern haben wir Null geschaffen, weil wir Null-Wachstum und Minus-Wachstum hatten. Die Frage ist: Wann explodiert die Inflation? Vorläufig sehen wir sie nur beim Gold, bei den Energie- und bei den Immobilienpreisen.

Format: Wenn Mario Draghi und die Notenbanker schlau genug sind, können sie den Ausbruch der Inflation, vielleicht mithilfe der Geldpolitik verhindern?

Hankel: Ja wie denn? Sie glauben das doch nicht im Ernst, nicht mal gedanklich. Wenn Europa in einer Rezession versackt, was sich andeutet, dann kann auch Draghi die Zinsen nicht auf zehn Prozent erhöhen, was er müsste, um das Geld wieder einzukassieren. Das kann er nicht, er ist der Gefangene seiner Politik von gestern. Er bleibt bei der Billiggeldpolitik.

Format: Aber er hat doch andere Möglichkeiten als nur den Leitzins. Geldmenge reduzieren über Staatsanleihenverkäufe zum Beispiel…

Hankel: Aber wer kauft die denn? Kaufen Sie griechische Staatsanleihen? Ich würde Ihnen davon abraten. Sie sind in diesem Punkt naiv. Die Hedgefonds wissen genau, warum sie darauf bestehen, dass die EZB ihre Anleihen kauft, weil am Markt sind die nicht verkäuflich. Zumindest nicht ohne große Verluste. Das weiß der Soros. Deswegen stellt er sich überall hin, und sagt, die Deutschen müssen den Euro retten. In Wirklichkeit meint er seine Gewinne, seine Investitionen. Das sind hochgradige Betrüger. Und sie leben natürlich von der Fehlinterpretation der Presse, die das nicht sieht. Ich würde den Soros aufspießen, aber ich habe keine Zeitung, die das druckt.

Format: Doch, wir publizieren das…

Hankel: Drucken Sie’s. Ich habe nichts dagegen.

Originalartikel Format

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