Hetzjagd auf Christen

Veröffentlicht: Juli 24, 2013 in Migration & Islam
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Tödliche Hetzjagd auf Christen in Ägypten

Die Lage der koptischen Minderheit in Ägypten wird zusehends dramatischer. Mindestens fünf Menschen wurden seit der Absetzung von Präsident Mursi getötet, weil sie Christen waren. Emile Nasim und sein Neffe, beide koptische Christen kletterten auf das Dach ihres Hauses in einem südägyptischen Dorf – und rannten um ihr Leben. Der aufgebrache muslimische Mob hetzte die beiden von Hausdach zu Hausdach. Doch irgendwann ging den Verfolgten die Dächer aus und sie mussten auf die Strasse. Nasim wurde von mehreren Dutzend Männern erwischt und mit Äxten, Keulen und Ästen zu Tode geprügelt. Der Neffe entkam schwer verletzt. Dies berichtet die Basler Zeitung am Wochenende.

Pogrome an Kopten nehmen zu

Dieser Lynchmord war Teil eines Pogroms im Dorf Nagaa Hassan am Westufer des Nils unweit der Großstadt Luxor. Dutzende von Häusern sollen in Brand gesetzt worden sein und drei weitere Christen wurden getötet. Nasim war der bekannteste von ihnen: Immer wieder hatte der 41-Jährige öffentlich zum Sturz von Mursi aufgerufen. Er war Mitglied der Tamarod-Gruppe, einer überwiegend von Jugendlichen organisierten Oppositionsbewegung. Vorausgegangen war ein Leichenfund: Ein muslimischer Bewohner von Nagaa Hassan war getötet worden, und für den Mob konnte es nur die verhassten Christen gewesen sein. Somit begann die Hetzjagd. Die meisten Christen flüchteten laut dem Bericht der Basler Zeitung in ihre Kirche. Der getötete Nasim indes hatte keine Chance. Der Geschäftsmann hatte vorsichtshalber bereits seine Familie bei Verwandten versteckt. Dies wurde den islamischen Fundamentalisten bekannt. Sie umstellten das Haus der Verwandten und zündeten es an. Die Polizei konnte noch erreichen, dass Frauen und Kinder das Haus verlassen durften. Danach stürmten Muslime das Haus. Zwei Cousins von Nasim und ein Nachbar schafften es nicht einmal aufs Dach: Sie wurden noch im Haus zu Tode geprügelt und erstochen.

Christen als Sündenböcke

In anderen Gegenden Ägyptens gab es ähnliche Vorfälle. So wurde auf Sinai-Halbinsel ein koptischer Priester auf einem Wochenmarkt aus einem vorbeifahrenden Auto heraus niedergeschossen. Insgesamt kam es in der Woche nach Mursis Absetzung in sechs der 27 ägyptischen Provinzen zu Gewalttätigkeiten gegen Kopten. Aus der mittelägyptischen Provinz MinjaIn, die mit rund 35 Prozent überdurchschnittlich viele Christen aufweißt und somit eine der wenigen Koptenhochburg ist, wurde über eine ähnliche Hetzjagd auf Christen, nur ohne Tote berichtet. Die Meute habe in Abwandlung des muslimischen Glaubensbekenntnisses gerufen: «Es gibt keinen Gott ausser Allah und die Christen sind seine Feinde». Unter den Christen in Ägypten macht sich Widerstand breit. Unter Hosni Mubarak hielten sich die Kopten aus der Politik weitgehend heraus. Nach dessen Sturz forderten immer mehr Kopten ein Mitspracherecht. Diese jedoch, wird ihnen von der muslimischen Mehrheitsbevölkerung weiterhin verweigert.

Arabische Apartheid – Die Leidensgeschichte der Kopten ist lang

Die Moslemische Eroberung Ägyptens fand 639 nach Christus statt, bis dahin war Ägypten koptisch-christlich. Trotz des politischen Aufruhrs verblieb Ägypten ein überwiegend christliches Land, obwohl die durch Diskriminierung bedingten schrittweisen Konversionen zum Islam über die Jahrhunderte Ägypten von einem hauptsächlich christlichen zu einem hauptsächlich moslemischen Land wandelten; am Ende des 12. Jahrhunderts bildeten die Muslime erstmals die Mehrheit. Dieser Prozess wurde zusammen mit den Christenverfolgungen während und nach der Herrschaft des fatimidischen Kalifen al-Hakim bi-amri llāh (reg. von 996–1021) und den Kreuzzügen wie auch durch die Annahme des Arabischen als Liturgiesprache beschleunigt.

Muslimische Unterdrückung

Das letzte Viertel des 20. und das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts waren von einer Verschlechterung der Beziehung zwischen Muslimen und der koptischen Minderheit Ägyptens geprägt. Dies zeigt sich einerseits durch tägliche Interaktionen wie die Beleidigung von koptischen Priestern durch moslemische Kinder, aber auch durch Angriffe auf koptische Kirchen, Klöster, Dörfer, Häuser und Geschäfte, vor allem in Oberägypten während der 1980er und 1990er Jahre; diese Zeit ist als Phase der Islamischen Widergeburt bekannt. Ende der 1990er Jahre wurden im Governorat Minya, einem “antiken Zentrum des koptischen Glaubens”, fünf historische Kirchen, zwei Wohltätigkeitsorganisationen und 38 von Christen betriebene Geschäfte niedergebrannt. Die Zerstörungen wurden ausgetragen von “Banden junger Muslime, die Eisenstangen sowie Molotowcocktails schwingen und `Allah ist grösser` rufen.” Der Polizei wurde vorgeworfen, sich den Angreifern in mehreren Fällen angeschlossen zu haben. In Südägypten drangen Muslime in Klöster ein und bedrohten, entführten und folterten Mönche. Es wird angenommen, dass die Raubzüge, die Erpressungen und die „Einsammlung” von „Steuern” bei Kopten von dem Glauben der Muslime herrührt, die traditionelle Dschisja-Kopfsteuer auf Nichtmuslime wieder einführen zu wollen. Der Oberste Führer der Muslimbrüder, Mustafa Maschhur, drückte diesen Willen 1997 in einem Interview aus. 1981 verbannte Sadat den koptischen Papst Schenuda III., indem er ihn des Schürens interkonfessionellen Unfriedens beschuldigte. Sadat suchte sich danach fünf koptische Bischöfe aus und bat sie, einen neuen Papst zu wählen. Sie lehnten ab, und erst 1985 setzte Präsident Hosny Mubarak Papst Schenuda III. wieder ein. Nach der Revolution in Ägypten 2011 kam es zu einer großen Furcht innerhalb der koptischen Bevölkerung. Während des Sturzes von Mubarak wurde von einer Zunahme der sektiererischen Gewalt berichtet.

Rechtliche Diskriminierung

In Ägypten erlaubt die Regierung offiziell keine Konversionen vom Islam zu einer anderen Religion. Auch bestimmte Mischehen sind nicht erlaubt, was Heiraten zwischen Konvertiten zum Christentum einerseits und in den christlichen Gemeinden Geborenen andererseits verhindert; auch führt es dazu, dass die Kinder von christlichen Konvertiten als Muslime klassifiziert werden und eine moslemische Erziehung erhalten. Die Regierung verlangte nach wie vor staatliche Genehmigungen für die Reparatur und Sanierung von Kirchen oder die Errichtung neuer, welche in der Regel vorenthalten werden. 2010 schrieb der israelisch-arabische Journalist Khaled Abu Toameh einen Artikel für das Hudson-Institut mit dem Titel “What About The Arab Apartheid?”, in dem er Kritik übte an der Behandlung der Christen in Ägypten und dem Versagen der ägyptischen Behörden, die Täter von Verbrechen gegen die ägyptischen Christen zu verfolgen. Koptische Frauen und junge Mädchen werden besonders oft entführt und werden gezwungen, zum Islam zu konvertieren sowie moslemische Männer zu heiraten. Im April 2010 drückten 17 Mitglieder des US-Kongresses ihre Besorgnis über die koptischen Frauen aus, da sie Opfer «der körperlichen und sexuellen Gewalt, der Gefangenschaft, der Ausbeutung durch erzwungene Sklaverei oder des kommerziellen Sex» seien. Wie die neusten Pogrome zeigen, ist für die Kopten in Ägypten die Leidensgeschichte noch nicht zu Ende erzählt.

Originalartikel blu-News

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