Mit ‘Deutsche Bank’ getaggte Beiträge

Das Risiko eines erneuten Banken-Crashs in Europa ist hoch, so die EZB. Die Rezession und die steigende Zahl der faulen Kredite in den Bilanzen der Banken sind alarmierend. Deshalb werde die EZB weiter Geld drucken und den Kauf von Schrott-Papieren der Banken beginnen

Diese Woche stellte die EZB ihren aktuellen Bericht zur Lage der europäischen Banken vor. Die Botschaft ist klar: Fünf Jahre nach der Finanzkrise steht die Euro-Zone vor einem Banken-Crash. Und zwar nicht nur in den Peripherie-Staaten der Währungsunion, sondern auch in Ländern wie Deutschland ist die Lage der Geldhäuser kritisch. Die anhaltende Rezession, die hohe Arbeitslosigkeit und die stetig wachsenden faulen Kredite in den Bilanzen der Banken erhöhen das Risiko einer erneuten Bankenkrise, so der Bericht der EZB. Und das in einer Zeit, in der die europäischen Banken noch immer damit beschäftigt sind, die Folgen der Finanzkrise von 2008 zu kompensieren. Die vordergründige Beruhigung an den Finanzmärkten kann darüber auch nicht hinwegtäuschen. Das vergangene Jahr „war kein gutes Jahr für die Banken“, zitiert die New York Times den Vize-Präsidenten der EZB, Vítor Constâncio. Zwar seien vor allem die Banken in Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit und fallenden Immobilien-Preisen gefährdet – Länder wie Spanien, Italien, Griechenland und Portugal. Aber auch in Ländern wie Deutschland sieht es nicht zwangsweise deutlich besser aus. Der Blick in die Bücher der Commerzbank, der Portigon und auch der NordLB bestätigen dies. Am Donnerstag erst teilte die NordLB mit, dass sie in den ersten drei Monaten des Jahres einen Verlust in Höhe von 32 Millionen Euro eingefahren hat. Vor allem die Krise in der Schifffahrtsindustrie belastet die Bank. Doch nicht nur faule Kredite belasten deutsche Geldhäuser. Die Bilanz der Deutschen Bank beispielsweise weist einen immensen Anteil risikoreicher Derivate auf, der einer tickenden Zeitbombe gleicht (hier). Der aktuelle Bericht der EZB ist insofern auch von Bedeutung, als das die EZB im kommenden Jahr die Aufgabe einer Bankenaufsicht für mindestens alle systemrelevanten Banken übernehmen wird. Das Problem mit den faulen Krediten in den Bilanzen der Banken spielt dabei keine unerhebliche Rolle. Die Banken tricksen, um die Verluste nicht anschrieben zu lassen (hier). Eine zuverlässige Größe, wie hoch die tatsächliche Zahl der faulen Kredite der Euro-Banken ist, gibt es aus diesem Grund nicht. Mindestens sollen es aber 720 Milliarden Euro sein (mehr hier). Selbst der Banken-Stresstest wurde verschoben, um die Analyse der Banken-Bücher von den nationalen Aufsichten auf die EZB abschieben zu können. Die EZB soll sich mit dem Bankenproblem auseinandersetzen und notfalls Mittel ergreifen, um das Bankensystem in der Eurozone zu stützen (hier). Doch schnell wird die EZB nicht als Bankenaufsicht agieren können. Man könne zwar erwarten, dass die EZB zu gegebener Zeit ihre neue Rolle wahrnehmen wird, sagt Stefano Micossi von Assonime, der Verband der italienischen Unternehmen. „Mein Eindruck ist aber, dass das nicht sehr schnell geschehen wird“, so Micossi. In der EZB herrscht Personalmangel, das neue Hauptgebäude bereitet Probleme und der Widerstand der nationalen Aufsichtsbehörden ist groß. Im Zuge des veröffentlichten Berichts betonte die EZB deshalb noch einmal, dass der Abkauf von Schrottpapieren durch die EZB eine Möglichkeit wäre, die Banken zu stützen (hier).  Damit wird das Risiko aber in die Bilanz der EZB aufgenommen. Das wiederum müssen am Ende die einzelnen Notenbanken der Mitgliedsländer tragen. Und nichts hält die Banken derzeit udn auch nach einer solchen Aktion davon ab, mit ihrem Geschäft in der Weise fortzufahren, wie sie es seit Jahren tun. Auch das Trennbankengesetz ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein (mehr hier). Und während die Kreditnehmer der Banken keine Kredite mehr zurückzahlen können, plant die EU bereits, noch mehr Kredite an eben diese Unternehmen zu vergeben. Neue Gelder, die auch wieder nicht getilgt werden können (hier).

Originalartikel Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Erstmals spricht ein Mitglied des EZB-Direktoriums öffentlich von einer Hyperinflation. Auch wenn er sagt, dass mit einer solchen nicht zu rechnen sei – allein die Erwähnung des geldpolitischen Worst Case verdient Beachtung. Zuvor hatte die Europäische Statistikbehörde einen überraschenden Anstieg der Inflation auf 2,7 Prozent gemeldet.

In der EZB hat Jörg Asmussen, enger Vertrauter des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, stets für den Kurs von Mario Draghi gestimmt. Nun verteidigte Asmussen die Politik der EZB bei einer Bankenkonferenz in Berlin und sagte, das unbegrenzte Ankaufen von Staatsanleihen sei eine notwendige Maßnahme zur Stabilisierung der Bond-Märkte. Asmussen hatte mit seiner Haltung Bundesbank-Chef Jens Weidmann im Regen stehen lassen.

Asmussen überraschte jedoch mit einer weiteren Aussage: Nur wenige Stunden, nachdem die europäischen Inflationszahlen gemeldet wurden, bezog Asmussen zum Thema der Geldentwertung Stellung. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Asmussen vor zuviel Angst vor Inflation gewarnt habe – eine Angst, die vor allem in Deutschland aus den Erfahrungen der Geschichte weit verbreitet ist. Sogar der Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, hatte erst kürzlich gesagt, eine höhere Inflation sei der Preis für die Euro-Rettung.

Asmussen ließ jedoch aufhorchen, weil er – eigentlich ohne Not – noch einen drauflegte, auch wenn freilich in eine Beschwichtigung gekleidet: Er sagte: „Furcht vor galoppierender Inflation hilft nicht. Es gibt keine Abstriche an unserer Politik der Geldwertstabilität.“ Diese Furcht sei unbegründet, weil die EZB gegensteuern werde, wenn sich die inflationären Tendenzen verstärken sollten. Da gäbe es, so Asmussen, „kein Pardon“. Nach Asmussens Beschreibung horten die Banken zwar Geld, geben dieses jedoch nicht in den Geldkreislauf weiter.

Die Tatsache, dass Asmussen nicht einfach von einer Inflation, sondern von einer „galoppierende Inflation“ spricht, ist bemerkenswert: Bisher war es Sprachregelung der EZB gewesen, dass man geradezu keine Inflation habe, dass die von der EZB vorgegebenen Korridore stets eingehalten werden. Dass er nun diese doch dramatische Steigerung ausdrücklich erwähnt, könnte darauf hindeuten, dass sich die Euro-Retter in der EZB zumindest der öffentlichen Ängste in Deutschland bewusst werden. Wenn aber ein EZB-Direktor eine galoppierende Inflation – das bisher völlig Undenkbare – in den Mund nimmt, ist eine neue Qualität in der Diskussion.

Im Kontext der politischen Praxis ist die Aussage von Bedeutung. Euro Gruppen Chef Jean Claude Juncker hatte erklärt, dass es, wenn es ernst werde, notwendig sei zu lügen, und dass man bei der EU gerne Veränderungen dadurch herbeiführe, dass man etwas in den Raum stelle und dann warte, was passiert.

Möglicherweise war Asmussens Spruch in diesem Zusammenhang Kalkül: Wenn es zu einer moderaten Inflation kommt, tut das den deutschen Sparern zwar auch schon weh, aber es ist immerhin weniger schlimm als eine „galoppierende Inflation“.

Zur Erinnerung: Mephisto sagt im Faust zum König, als dieser ihm befiehlt, Geld zu beschaffen: „Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr.“ Im Zauberlehrling hat uns der geniale Finanz-Prophet Goethe von einem erzählt, der am Ende bekennen muss: „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“

Originalartikel Deutsche Mittelstands Nachrichten

Großbanken in aller Welt kauften sich in den letzten Monaten neben Waffen- und Munitionsproduzenten auch verstärkt in Anbieter von privaten Sicherheitsdienstleistungen ein. Mancherorts stellt man sich bereits die Frage, ob diese Aktivitäten Vorbereitungen auf einen sich abzeichnenden Zusammenbruch des Weltfinanzsystems dienen. Denn Schutz dürften die Top-Banken in diesem Falle sicher nötig haben. Zu den besonders hoch im Kurs stehenden Akquisitionszielen gehören auch Söldnerfirmen wie DynCorp oder Academi (früher Blackwater/XE).

Die Großbanken akquirieren seit einiger Zeit eine ganze Reihe von namhaften und etablierten Unternehmen im Verteidigungssektor, zu denen zum Beispiel auch private Sicherheitsunternehmen und Söldnerfirmen wie DynCorp oder Blackwater gehören. Diese Entwicklung wurde durch eine Direktive des amerikanischen Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 2010ermöglicht. DynCorp ist eine Firma aus dem stark wachsenden Sektor der privaten Militär- und Sicherheitsdienstleistungen.

Für andere Beobachter ist DynCorp schlichtweg nichts anderes als eine Söldnerfirma, die unter anderem auch in der Geheimdienstausbildung und -unterstützung aktiv ist. Bereits heute finanzieren sich die jährlichen Gewinne der Firma fast gänzlich aus bereitgestellten Mitteln des Washingtoner Pentagons. Im Falle von Naturkatastrophen (wie dem Hurrikan Katrina in New Orleans) wurden Mitarbeiter der Firma auch schon als private Sicherheitspolizei zur Unterstützung der lokalen Polizeikräfte aktiv.

Manche Experten hinterfragen das wachsende Interesse von Banken am Sicherheitssektor. Mancherorts wird gemutmaßt, dass viele Übernahmen der eigenen Protektion im Falle eines weltweiten Finanz-Crashs dienen. Auffällig ist in letzter Zeit, dass Großbanken wie Citibank, Deutsche Bank, Bank of America oder Barclays hohe Kapitalbeträge in Produzenten von Waffen und Munition investierten. In diesem Zuge kam es nicht selten zu einer Übernahme von Mehrheitsanteilen an den entsprechenden Unternehmen.

Zu diesen Investitionen gehören auch gezielte Kapitaltransfers in führende Private Equity Firmen wie Cerberus oder Veritas, die in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Sicherheitsfirmen übernahmen, die sich der Aufgabe einer Zerschlagung von Krawallen und gewaltsamen Protesten verschrieben haben. Keine Ausnahme bildet die amerikanische Zentralbank Federal Reserve, die seit jeher ihre eigene Polizeitruppe unterhält.

Der im Jahr 1913 durch den US-Kongress verabschiedete Federal Reserve Act (Gesetz zur Gründung der US-Zentralbank) sicherte der Fed das Recht zu, eigene Polizei- und Spezialkräfte zu unterhalten. Diese staatlichen Einsatzkräfte unterstehen – egal ob in Uniform oder Zivil – einzig und allein den Anweisungen der Zentralbank. Nicht selten arbeiten diese Spezialeinsatzkräfte mit lokalen Polizeibehörden oder Bundesbehörden wie dem FBI oder der CIA zusammen. Schon heute sind diese speziellen Polizeieinsatzkräfte der Fed mit halbautomatischen Waffen oder Maschinengewehren ausgerüstet.

Originalartikel Wirtschaftsfacts.de

Eine Studie der ETH Zürich zeigt: Die internationalen Finanzinstitutionen haben die Krise genutzt, um sich noch stärker zu vernetzen. Durch die wechselseitige Abhängigkeit müssten daher auch kleinere Banken von den Notenbanken gerettet werden, weil heute praktisch jede Bank den totalen Crash auslösen könnte. Die Banken betreiben diese Strategie offenbar ganz bewusst, um auf jeden Fall durch einen Bailout abgesichert zu sein.

Die ETH Zürich hat in einer bemerkenswerten Studie festgestellt, dass die internationalen Großbanken und Finanzinstitute bei Crash-Gefahr auf jeden Fall von den Notenbanken gerettet würden. Der Grund: Die Banken haben die Auflagen zur Erhöhung der Eigenkapitalquote genutzt, um sich untereinander noch stärker zu vernetzen. Das bedeutet, dass die wechselseitigen Abhängigkeiten so groß sind, dass auch schon der Crash eines vergleichsweise kleinen Instituts das gesamte System zum Kollabieren bringen würde. War es bisher eher die “too big too fail” Theorie, die bei den offiziellen Stresstests berücksichtigt wurde, zeigt sich nun: Der hohe Vernetzungsgrad würden dazu führen, dass die Schieflage einer einzigen Bank das ganze Finanzsystem zum Eisturz bringt.

Die Forscher haben als Grundlage ihrer Theorie die Kreditvergabe durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an internationale Banken untersucht. Dabei zeigt sich, dass die 1.200 Milliarden Dollar, die an Rettungskrediten von der Fed zwischen 2008 und 2010 in Anspruch genommen wurden, zu dreiviertel an 22 internationale Banken gegangen sind. Unter ihnen finden sich die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Unicredit (Hypo-Vereinsbank), aber auch die Schweizer UBS und die Credit Suisse.
Das Fazit der ETH: „Die Größe einer Bank ist jedoch nur ein Indikator für ihre Bedeutung für das Finanzsystem. Solche ,Systemische Risiken‘ können auch von kleinen Banken ausgehen, wenn diese so stark mit anderen Finanzinstituten vernetzt sind, dass ihr Zusammenbruch eine Kettenreaktion auslöst, die auch die anderen Banken gefährdet.“

Als Berechnungsgrundlage haben die Forscher, deren Arbeit lobenswerterweise auch von der EU-Kommission gefördert wurde, einen Algorithmus entwickelt, der dem Google PageRank ähnlich ist. Mit dem DebtRank kann im Grund nun in real time ermittelt werden, wie sich die Abhängigkeiten der Banken entwickeln.

Allerdings hat die Berechnungsmethode einen Schönheitsfehler: Der ETH-Wissenschaftler Stefano Battiston sagte der Schweizer Zeitung Der Sonntag, „dass die aktuelle Studie nur das prinzipielle Funktionieren des DebtRank belege. Für exakte Analysen fehlten schlicht die Daten, denn die meisten gegenseitigen Geschäftsverbindungen der Finanzinstitute seien heute auch den Regulatoren nicht bekannt.“

Weil die Regulatoren aber nicht willens oder nicht imstande sind, alle Marktteilnehmer dazu zu bringen, ihre Zahlen auf den Tisch zu legen, werden diese gefährlichen Abhängigkeiten nicht reduziert, sondern im Gegenteil: Die nun verlangten Kapitalerhöhungen werden, so Der Sonntag, „viel mehr genutzt, um sich noch stärker zu vernetzen“. Das Beispiel der Credit Suisse zeige dies: „Die Investoren, die das frische Geld einschiessen – wie die Qatar Investment Authority, die saudische Olayan-Gruppe, der Staatsfonds von Singapur oder der Vermögensverwalter Blackrock – sind selber Teil eines etwa 150 Unternehmen umfassenden, eng verknüpften Kerns der Weltwirtschaft.“ (gesamte Analyse – hier)

Die Folge: Weil die Banken wissen, dass sie praktisch die Gewissheit auf Rettung haben, wenn sie nur ausreichend vernetzt sind, wirkt als Einladung an die Banken, noch mehr Risiko zu gehen, um sich selbst unter diesen unsichtbaren Rettungsschirm zu bringen. Für die Banken ist die Vernetzung das Auffangnetz für ihre immer riskanten Geschäfte: Wenn sie erreichen, dass die Notenbanken gar nicht mehr anders können, als jede einzelne Bank zu retten, haben sie für sich quasi ein hundertprozentig risikofreies Geschäftsmodell etabliert. Damit verbunden ist jedoch die Konsequenz, dass am Ende in einem Crash Fall die internationalen Notenbanken – und damit die Steuerzahler aller Länder – die Rechnung bezahlen müssen.

Originalartikel Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Anshu Jain als neuer Chef des globalen Finanzkraken

Anshu Jain, seit 1995 leitender Angestellter der Londoner Niederlassung der Deutschen Bank, ist ihr neuer Chef. Seit einem Jahrzehnt ist er mit 150 Millionen Euro jährlich der bei Weitem höchstbezahlte Angestellte einer deutschen Aktiengesellschaft. Gleichzeitig arbeiten sich deutsche Medien „kritisch“ am 15-Millionen-Einkommen von Jains bisherigem Chef Josef Ackermann ab. Diese Dauerbeschäftigung mit dem Peanuts-Gehalt des Schweizer Panzeroffiziers d.R. zeigt, wie die deutschen Leitmedien das Bild der Deutschen Bank manipulieren – und es weiter tun werden.

Der Aufstieg des Anshu Jain

Jains Familie gehört in Indien zur Religionsgruppe der Jainas. Wegen ihrer strengen ethischen Regeln – dazu gehört unter anderem die Nichtverletzung von Lebewesen – dürfen die Anhänger nicht jeden Beruf ausüben. Oft arbeiten sie deshalb im Handel, im Bankgewerbe oder als Staatsbeamte. Jains Vater stieg im indischen Rechnungshof auf, Jains Cousin Ajit gehört zur Leitung von Warren Buffets Insvestmentholding Berkshire Hathaway.

Anshu Jain wurde in einer der teuren Privatschulen New Delhis unterrichtet, standesgemäß studierte er in Massachusetts/USA. Danach ging er an die Wall Street. In der Investmentbank Merrill Lynch baute er seit Ende der 1980er Jahre als Erster in der US-Bankenszene eine Abteilung für Betreuung und Beratung von Hedgefonds auf – diese unregulierten Finanzakteure waren und sind die Stars der globalen Finanzindustrie.

Sie arbeiten mit minimalem Eigenkapital, bekommen für ihre enormen Transaktionen die Kredite von den Investmentbanken. Sie wurden und werden nicht staatlich kontrolliert. Offiziell werden sie „Schattenbanksystem“ (shadow banking) genannt. Die wichtigsten unter ihnen sind heute nicht nur die Herren der Finanzindustrie, sondern auch der Wirtschaft. Sie sind die entscheidenden Eigentümer der großen Banken und Konzerne – zum Beispiel vom Großteil der dreißig deutschen DAX-Konzerne – wie auch etwa der führenden Ratingagenturen Standard & Poor‘s und Moody‘s.

Von der Wall Street ging Jain zur Deutschen Bank in London. Hier dirigierte er eine Armee von Händlern („Anshu‘s Army“). Sie kauft und verkauft in rasender Geschwindigkeit Unternehmens- und Staatsanleihen, Aktien, Devisen, Rohstoffe und Derivate. Strukturierte Wertpapiere und Produkte mit geringem Eigenkapital und großer, mit Fremdkrediten ermöglichter Hebelwirkung und dazu mit höchstmöglicher Intransparenz – das ist das Gewerbe dieser Finanzarmee. Damit spielte das Londoner „Powerhouse“ mindestens die Hälfte des Bankengewinns ein. Jains Gefolgsleute haben die Deutsche Bank in einen „riesigen Hedgefonds“ verwandelt, schrieb das Wirtschaftsmagazin Economist.

Die Jainas sind der Gewaltlosigkeit gegenüber Mensch und Tier verpflichtet, und sie sollen sich nicht an fremdem Eigentum vergreifen. Nach dieser schönen Ethik soll, so heißt es, auch der eher stille Anshu Jain mit Frau und zwei Kindern im reichen Londoner Westen leben. Doch der ethische Familienmensch, als Banker tätig, wird zum gnadenlosen Berserker: Er verwandelt Nahrungsmittel in Spekulationsprodukte und treibt Millionen Menschen, auch in seinem Heimatland, in den Hunger. Zu den zutiefst unethischen Finanzprodukten der Jain-Bank gehören sogar Wetten auf das Sterbealter von Rentnern. Jede mitverursachte „Krise“ ist für eine solche Bank keine Krise, sondern die Möglichkeit zu neuen Enteignungen von Staaten, Unternehmen und Sozialsystemen.

Legal, illegal, scheißegal

Jain und seine Army deklarieren sich als Teil der westlichen Demokratie. Bei Bedarf werden aber auch deren Regeln gebrochen – routinemäßig. So steht in den USA die Deutsche Bank zusammen mit Goldman Sachs erneut unter vielfacher Anklage. Sie profitierten am meisten von den Rettungsmilliarden der US-Regierung. Die Deutsche Bank gehörte mit Jain zu den Banken, die mit den frühzeitigen Wetten auf fallende US-Immobilien betrügerische Milliardengewinne gemacht haben sollen. Mit Zinswetten, Cross Border Leasing und anderen Finanzprodukten hat die Bank Kommunen, andere Banken und Anleger getäuscht; ob in den USA, Deutschland oder Italien – Dutzende von Gerichtsverfahren laufen, der Bundesgerichtshof (BGH) verurteilte die Bank wegen Falschinformation zur Zahlung einer halben Million Euro Schadenersatz. Der kurzfristig vor dem Ausbruch der Krise gekaufte US-Immobilienfinanzierer MortgageIT wurde von der US-Regierung auf Schadenersatz verklagt, in einem Vergleich einigte sich die Deutsche Bank mit dem Gegner auf eine Zahlung von 200 Millionen US-Dollar. Klagewellen rollen auf die Deutsche Bank zu. Sie hat in den letzten Jahren dreistellige Millionensummen an Bußgeldern gezahlt. Hauptverantwortlicher: Jain. Doch weder er noch sonst ein Manager zeigen Unrechtsbewusstsein. Sie stehen über dem Gesetz. Bußgelder sind Betriebskosten.

In Frankfurt, New York, Mailand, Moskau, Buenos Aires, nahezu weltweit unterhält die Deutsche Bank Niederlassungen. Sie agieren im Rahmen der jeweiligen Aktiengesetze. Sie sind die legalen Arme der Bank. Als solche gibt die Deutsche Bank zum Beispiel Griechenland Kredite bzw. kauft griechische Staatsanleihen. Gleichzeitig organisieren Hedgefonds im Hintergrund und im Zusammenspiel mit der Bank das Spiel mit den Kreditausfallversicherungen und anderen Kredit- und Anleihederivaten. Deren Finanzvolumen ist zehnmal größer als die 300 Milliarden Euro griechischer Staatsschulden (Spillover-Effekt).

Gleichzeitig betreibt die Deutche Bank auch ein unterirdisches Netz von 1.064 Zweckgesellschaften, Beteiligungen u.Ä. in Finanzoasen wie Cayman Islands, Delaware, St. Helier und weiteren Orten. Solche Firmen dürfen und sollen ihre Aktivitäten verheimlichen. Das sind gut die Hälfte der 2.072 Unternehmenseinheiten, aus denen die Bank besteht. Die Finanzoasen, in denen auch die Hedgefonds ihren rechtlichen Sitz haben, stehen außerhalb der üblichen Regulationen, aber aus dieser okkulten Parallelwelt heraus wird das heutige Finanzsystem regiert.

So verfügt die Deutsche Bank nach Mafia-Art über legale und illegale Operationsformen, über (halbwegs) regulierte und exterritoriale, nichtregulierte Standorte. Sicher: Die Bezeichnung „illegal“ ist problematisch, weil besonders die „demokratischen“ Staaten diese Praxis fördern. Aber im menschen- und völkerrechtlichen Sinne haben wir es mit illegalen, kriminellen Praktiken zu tun.

Jains neue Mannschaft

Die Haupteigentümer der Bank wollten als neuen Vorstandschef nicht Ackermanns Wunschkandidaten, Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber. Sie wollten Jain. Larry Fink, Chef des größten Hedgefonds der gegenwärtigen Welt, Blackrock, und zugleich größter Einzelaktionär der Deutschen Bank, ließ in der New York Times verlauten, als das Postengerangel zwischen Ackermännern und Jains tobte: „Anshu macht einen fantastischen Job“: Das war die Entscheidung. Sie lag ohnehin schon vorher fest.

Im neuen Vorstand, einem Club von 18 Männern, gehört die Mehrheit zu Anshu’s Army. Bevor ihre Mitglieder zur Deutschen Bank kamen, haben sie an der Wall Street gelernt. Stephan Leithner war früher bei McKinsey. Henry Ritchotte kommt wie Jain von Merrill Lynch. Gunit Chadah war zuvor bei der Citigroup. Alan Cloete lernte das lukrative Bankrottieren bei Lehman, Colon Fan dasselbe bei der United Bank of Switzerland (UBS). Der US-Amerikaner Richard Walker bleibt Chefjurist, um weiter das angelsächsische Eigentumsrecht durchzusetzen.

Neuer Aufsichtsratschef wird Paul Achleitner, der mitgeholfen hat, den Versicherungskonzern Allianz mit Hedgefonds zu verknüpfen. Sein Stellvertreter wird Siemens-Chef Peter Löscher, damit niemand den falschen Eindruck gewinnt, Konzerne der „Realwirtschaft“ würden sich vor allem mit „Realwirtschaft“ befassen. Übrigens gehören Hedgefonds natürlich auch zu den Haupteigentümern von Siemens, so zum Beispiel der Deutsche-Bank-Hauptaktionär Blackrock.

Die PR-Agentur Hering Schuppener (Motto: „Botschaften, die den höchstmöglichen Mehrwert generieren“) soll die Übergangsphase bis zum formellen Machtantritt von Anshu‘s Army begleiten. Die Agentur streute in die deutsche Medienwelt ein: Jain sei nicht nur ein cooler US-Banker aus London, sondern er schätze europäische Kultur, er trinke nämlich gern französischen Wein; und er freue sich, demnächst den deutschen Riesling zu kosten. Daran kann man erahnen, welch schwere Verdummungsarbeit auf Thorsten Strauß wartet, den Ex-Sprecher des Bertelsmann-Konzerns: Bis zu seinem Amtsantritt am 1. Juni 2012 als Deutsche-Bank-Sprecher durfte er gar nichts sagen. Nun soll er den Deutschen verkaufen, dass Jains Bank auch zukünftig mit der „deutschen Kultur“ bestens vereinbar ist. Als Jain seinen ersten offiziellen deutschen Satz sprach, waren die Kameras auf ihn gerichtet – genauso wird es sein, wenn er öffentlich den ersten Riesling verkostet.

Globaler Finanz- und Machtkrake

Die antikoloniale Politik Indiens unter Gandhi und Nehru war für Jains Familie ein privilegienbedrohender Staatssozialismus. Die Forderungen heutiger Bankenkritiker findet Jain „maßlos“. Er glaubt, dass Politiker die Finanz- und Wirtschaftskrise nur als Vorwand betrachten, um Marktwirtschaft und unternehmerische Freiheit zu zerstören. Vor Begegnungen mit Bürgern und Occupy-Aktivisten lässt Jain sich von einem Ex-Mitglied des US-Elitetrupps Navy Seals schützen.

Die Deutsche Bank ist mit Jain keine Bank, sondern endgültig eine Vorfeldorganisation mehrerer Hedgefonds. Mit ihrer mafiaähnlichen Doppelstruktur kann man sie sich auch als Finanzkraken vorstellen, der vielarmig zwischen dem dunklen Reich der Schattenbanken und dem vermittelt, was in den Kapitaldemokratien „Öffentlichkeit“ genannt wird – politisches und Rechtssystem, Medien, Bürger und Bankkunden.

Die Eigentümer hoffen, dass Anshu‘s Army die Bank zu „neuer Größe“ führt: Sie soll unter die Top Five der Welt aufsteigen, nachdem sie unter Ackermann bei aller Expansion tief abrutschte. Sie soll neue Geschäftsfelder erschließen, vor allem in Asien und in den USA.

Allerdings weiß keiner besser als Jain, dass seine krisenverursachenden Finanzoperationen nur mit staatlicher Rückversicherung hohe Gewinne bringen. So machte er artig seine Aufwartung bei diversen Regierungen, so bei Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble, der untertänigst Lob abließ: „Jain ist ein brillanter Banker mit globaler Perspektive.“ Auch die Spenden an die richtigen Parteien in den USA, in Deutschland usw. werden weiterfließen, und Jain wird nach Ackermann wohl die Präsidentschaft der internationalen Bankerlobby International Institute of Finance (IIF) bei der Deutschen Bank halten. Bei den Staatsverschuldungs- und „Rettungs“-Konferenzen wird nun Jain statt Ackermann mit an den Regierungstischen sitzen.

Auch Jain drang auf den Kauf der deutschen Postbank: Die Millionen Bürger-Kleinkunden, eigentlich für Investmentbanker uninteressant, bedeuten bei kommenden Finanzkrisen eine zusätzliche Staatsgarantie: Jede Regierung würde die Deutsche Bank retten „müssen“. Der Finanz- und Machtkrake als Enteignungsmaschine.

Die Deutsche Bank zerschlagen: Recht so! Doch dann fängt die eigentliche Arbeit erst an.

Originalartikel Hintergrund.de