Mit ‘Rassismus’ getaggte Beiträge

Am 26. Februar 2012 erschießt der 29jährige George Zimmerman, Mitglied einer Nachbarschaftswache einer gated community in Sanford/Florida den 17jährigen Trayvon Martin. Er hatte den farbigen Jugendlichen für einen Einbrecher gehalten, die Polizei verständigt und Martin verfolgt. Dieser soll darauf hin Zimmerman attackiert haben. Bei dem Handgemenge trägt Zimmerman Kopfverletzungen davon. Dann fällt der tödliche Schuss. Zimmerman betont in Notwehr gehandelt zu haben. Ein Geschworenengericht glaubt seinen Aussagen und spricht ihn frei.

Dieser Freispruch löst in den USA und Europa eine gewaltige mediale Hetzkampagne aus. Die linkem Mainstreammedien auf beiden Seiten des Atlantiks zeichnen alle dasselbe Bild: Unschuldiger schwarzer Junge wird Opfer eines waffenverrückten weißen Rassisten. Es stört die linke Journalisten-Meute auch nicht besonders, als sich herausstellt, dass George Zimmerman, trotz seines Namens und seines Aussehens, eigentlich Latino ist. Obwohl der Tod des 17jährigen alles andere als ein eindeutiger Fall von Mord und Rassismus ist, halten sich die Medien strickt an ihr politisch-korrektes Drehbuch. Trayvon Martin wird zum Märtyrer, George Zimmerman zum Schwarzen hassenden Rassisten gemacht. Zu diesem Zweck manipulieren, verschweigen und lügen die linken Mainstreammedien. Dass Trayvon Martin Zimmerman laut Zeugenaussage etwas als „Creepy-Ass Cracker“, ein übles rassistisches Schimpfwort für Weiße, bezeichnet hat, lässt man lieber weitgehend unerwähnt. Genauso wie sein Vorleben, der 17jährige soll an Drogenhandel und Einbrüchen beteiligt gewesen sein. Aber solche Informationen würden dem schönen politisch-korrekten Lehrstück etwas an Glaubwürdigkeit nehmen. Und bekanntlich heiligt der Zweck ja die Mittel. Es soll jedenfalls der Eindruck vermittelt werden, dass sich in den USA seit den Zeiten des Ku-Klux-Klans nicht viel geändert hat und hinter jeder Ecke und jedem Strauch ein bösartiger mordlüsterner und bewaffneter George Zimmerman lauert. Dass in den Vereinigten Staaten 93% aller schwarzen Mordopfer von schwarzen Tätern getötet werden, haben die linken „Qualitäts“medien selbstredend in keinem ihrer Artikel erwähnt. Nur nicht zu viel recherchieren. Die mediale Hetz-Kampagne und das manipulative holzschnittartig Bild, das die Medien zeichnen, zeigen Wirkung. In dutzenden US-Städten demonstrieren Tausende Menschen gegen den Freispruch. Auch die unvermeidlichen Promis aus der Film- und Musikbranche geben ihre Wortspenden ab und selbst US-Präsident Barack Obama gießt noch kräftig Öl ins Feuer und verkündet öffentlich: „Vor 35 Jahren hätte ich Trayvon Martin sein können.”

Szenenwechsel: Am 10. März 2013 tritt in der niedersächsischen Kleinstadt Weyhe eine Gruppe von jungen Männern mit türkischem Migrationshintergrund den Kopf von Daniel S. zu Brei. Der 25jährige Handwerker stirbt kurze Zeit später im Spital. Der Fall schafft es nur deshalb in die überregionale Presse, weil eine lokale Ausgabe der Bild-Zeitung, entgegen den ungeschriebenen Regeln der politischen Korrektheit, die Herkunft der Täter nicht verschweigt und auch den Tathergang nicht, wie in solchen Fällen sonst üblich, verharmlost. Diese Informationen verbreiten sich ohne den politisch-korrekten Medienfilter über das lästige und (noch) freie Internet in ganz Deutschland und Österreich.  Nachdem einschlägige Blogs, Foren und Webseiten über das Schicksal von Daniel S. berichten, springen gezwungenermaßen auch die Mainstreammedien auf. Allerdings nicht um über das brutale Verbrechen zu berichten, das interessiert sie nicht, sie schreiben über die bösen „Rechten“, die nun versuchen würden den Fall zu instrumentalisieren. Alleine die Tatsache, dass man die Herkunft eines (mutmaßlichen) Täters nicht verschweigt, reicht in Europa mittlerweile aus, um als rechtsextrem und Nazi beschimpft zu werden. Der Bürgermeister von Wehye stellte jedenfalls unmittelbar nach dem tragischen Tod von Daniel S. fest: Die Tat hätte nichts mit der Herkunft der Täter zu tun. „Es hätten auch andere junge Männer sein können.“ Amen. Damit lag der SPD-Mann ganz auf Linie der deutschen Mainstream-Medien. Die selben Zeitungen und Sender, die alle per Ferndiagnose sofort instinktiv wussten , dass Trayvon Martin rassistischer Mordlust zum Opfer gefallen ist, wussten, offenbar mit der gleichen Präzision, dass Daniel S. keinesfalls aus solch niederen Motiven getötet worden ist. Muss wohl an der guten politisch-korrekten Ausbildung unserer Journalisten liegen. Und das, obwohl in Wehye der Tathergang ziemlich eindeutig war und von Notwehr nicht einmal ansatzweise die Rede sein konnte. Im Fall Trayvon Martin hatte man interessanterweise nicht nur keine Probleme die Herkunft von Täter und Opfer zu thematisieren, sie war sogar der Kern der ganzen Geschichte. Offenbar ist es nur dann verboten den kulturellen, religiösen oder ethnischen Kontext aufzugreifen oder auch nur zu erwähnen, wenn der Täter nicht weiß ist. Auch im Fall Jonny K. hatte etwa der Stern immer nur von „Jugendgewalt“ geschrieben, so als ob das Alter die einzige Gemeinsamkeit der Prügelbande gewesen wäre.

Weder Bundeskanzlerin Angela Merkel, noch Bundespräsident Joachim Gauck sagten zum Tod von Daniel S. etwas Ähnliches wie Barack Obama zum Fall Trayvon Martin. Daniel S. und die viele anderen autochthonen Opfer mutmaßlicher rassistischer Gewalt waren und sind ihnen ziemlich egal. Die Regeln der politischen Korrektheit sind eben wichtiger als das grausame Schicksal eines 25jährigen Deutschen. „Auch ich hätte Daniel S. sein Können!“ Alleine die Vorstellung, so etwas aus dem Mund eines deutschen Spitzenpolitikers zu hören, ist im politisch-korrekt dahinsiechenden Europa völlig absurd und abwegig. Sich mit einem autochthonen Opfer von mutmaßlicher rassistischer Gewalt offen zu solidarisieren wird in unserer Gesellschaft mit tiefster Verachtung und übelsten Rassismusvorwürfen geahndet: Man wolle dann den Tod ja nur instrumentalisieren! Der Tod von Trayvon Martin hat weltweit Empörung, Hass und Bestürzung ausgelöst, auch in Deutschland und Österreich. Die Ermordung von Daniel S. nichts von alledem. Daniel S. war den ansonsten dauerempörten Gutmenschen in Politik, Medien und NGOs schlicht egal. Ein Kollateralschaden auf dem Weg in die angeblich so schöne neue bunte und friedliche Multikultiwelt. Beim Durchsetzen totalitärer Ideologien fließt eben immer Blut. Autor Akif Pirincci spricht sogar vom „schleichenden Genozid an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern.“ Deshalb gilt für Politik und Medien die Devise: Nur nicht zu viel Aufsehen erregen, den Ball so lange flach halten, solange es noch geht damit die bunte Seifenblase nicht zu früh platzt. Im Archiv von spiegel.de finden sich ca. 60 Artikel über Trayvon Martin, nach Daniel S. sucht man vergebens. Der tot getretene Handwerker ist dem Nachrichtenmagazin keine lausige Zeile wert! Auf den Freispruch von George Zimmerman reagierte der Spiegel mit: „Empörend, unfassbar, eine Ohrfeige fürs Volk“. Was hat Trayvon M., was Daniel S. nicht hatte? Ein dunkle Hautfarbe? Den „richtigen“ Mörder? Der laut Gerichtsurteil gar keiner ist. Und haben linke Journalisten mit dem toten Trayvon Martin gar das gemacht, was sie „rechten Gruppen“ im Fall Daniel S. lautstark unterstellt haben, seinen Tod für ihre Zwecke instrumentalisiert? Eine rein rhetorische Frage. Mit dem getöteten schwarzen Jugendlichen konnten die politisch-korrekten Journalisten mit ein paar Auslassungen und journalistischen Taschenspielertricks endlich wieder ihre eigenen Vorurteile – und die ihrer Zielgruppe – mit einer tragischen und anschaulichen Geschichte bestätigen, bebildern und bedienen: Ein bisschen Antiamerikanismus, eine Prise kultureller Selbsthass gewürzt mit etwas weißem Schuldkult, dazu eine gesunde Portion an unkritischer rousseauscher Verehrung des Fremden und natürlich zum Abrunden das totale Unverständnis für ein liberales Waffenrecht und das Recht auf Notwehr und Selbstverteidigung.

Mit all dem konnte der tote 25jährige Lackierer nicht dienen. Denn für linke Politiker und Medien gibt es keine rassistische Gewalt gegen Weiße. Sie ist für sie schlicht undenkbar. Autochthone Europäer oder weiße Amerikaner sind, so ein politisch-korrektes Dogma, stets Täter und niemals Opfer rassistischer Gewalt. In diesem Kontext ist auch das allgemeine Desinteresse europäischer Politiker und Medien an der weltweiten Verfolgung, Ermordung und Vertreibung Abertausender Christen zu sehen. Die für Europa so prägende Religion hat – Vielfalt hin oder her – in der neuen bunten Multikultiwelt ebenso ausgedient wie die „Stupid White Men“. Die Multikulti-Ideologie, die ihren blökenden Schafen und schweigenden Lämmern Vielfalt, Buntheit, kulturelle Bereicherung und Harmonie verspricht, ist im Kern totalitär und rassistisch. Sie braucht wie jede andere totalitäre Weltanschauung auch, ihre Feindbilder, Sündenböcke, Helden und Märtyrer. Wer dabei welche Rolle zu spielen hat, ist mittlerweile ziemlich eindeutig. Man muss nur am äußerst dünnen Lack dieser Ideologie kratzen, um auf die altbekannten kommunistischen und faschistischen Muster zu stoßen. Nur die dümmsten Kälber, wählen ihren Schlächter selber. Die Protagonisten der Multikulti/Genderideologe drängen den ihnen so verhassten leistungsbereiten, nichtlinken, autochthonen heterosexuellen Mann mit einer breiten Palette an Maßnahmen wie etwa Quoten (was nichts anders als offene Diskriminierung ist), Gesetzen, politischen Erziehungsmaßnahmen, Medienkampagnen oder neuen Sprachregelungen, immer weiter ins Abseits. Er ist ein Auslaufmodell. In der schönen neuen Multikultiwelt taugt er bestenfalls noch als Feindbild und schlechtes Beispiel (Banker, Rassist, Sexist, Heuschrecke, Steuerhinterzieher, Nazi, Chauvinist, Macho, etc.) Da passt es gut ins Bild, wenn Frau Özlem Topcu sich im Zentralorgan des deutschen Gutmenschentums, in der Zeit, über die Verspießerung der Medienwelt beklagt und schreibt: „der Durchschnittsjournalist sei hierzulande weiß, männlich, in den Vierzigern, fahre ein Auto und habe einen Hund.“ Hund okay, Auto naja, aber männlich und weiß, das geht gar nicht. Ja, es geht eben längst nicht mehr darum, was und wie gut man schreibt oder recherchiert, oder allgemein ausgedrückt, welche Leistung man erbringt bzw. erbringen will, sondern darum, welche Hautfarbe und welches Geschlecht man hat. Und es ist tragisch und komisch zugleich, dass viele dieser (vermeintlichen) Männer mit Hund, Auto und Redaktionsjob fleißig an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Denn, um auf Herrn Obama zurückzukommen, auch sie oder ihre Söhne könnten Daniel S. sein.

Werner Reichel ist Journalist und Autor aus Wien. 2012 ist sein Buch „Die roten Meinungsmacher – SPÖ-Rundfunkpolitik von 1945 bis heute” im Deutschen Wissenschaftsverlag erschienen. Derzeit arbeitet er an einem Buch über Geschichte, Politik, Ideologie und Ziele der österreichischen Grünen

Originalartikel Die Achse des Guten

Zu den aktuellen Dauerbrennern „NSU“ und NSA gesellen sich zur Zeit die Nachrichten vom Freispruch George Zimmermans im Trayvon-Martin-Prozeß in den USA. Die Geschichte an sich wäre nicht weiter interessant, wäre da nicht die absurde mediale Psychose, die daraus in Obamas angeblichem „post-“, in Wirklichkeit: „hyper-racial America“ erwachsen ist

Es versteht sich von selbst, daß die deutschen Medien den Tenor der amerikanischen Pendants völlig ungefiltert übernommen haben, bis hin zur groben, den Leser geradezu beleidigenden Desinformation. Für letztere ist natürlich wieder Spiegel Online die trübe Hauptquelle, über die etwa massenhaft benutzte Gratis-Email-Portale wie gmx.net, web.de, 1und1.de mit Infotainment versorgt werden. Wer die Story bisher verpaßt hat: Im Februar 2012 erschoß der 29jährige George Zimmerman, Mitglied einer „Nachbarschaftswache“ einer multiethnischen „gated community“ in Florida den 17jährigen, unbewaffneten Schwarzen Trayvon Martin. Dem Todeschuß ging ein blutiges Handgemenge der beiden Männer voraus; das Opfer war kein unbeschriebenes Blatt, sondern hatte sich zuvor mutmaßlich an Einbrüchen und Drogenhandel beteiligt. Der Todesschütze beteuerte, er habe aus Selbstverteidigung gehandelt: Trayvon habe auf ihn eingeprügelt. Fotos von Zimmermans Aufnahme bei der Polizei zeigen ihn mit blutigem Gesicht und Hinterkopf. Diese tragische, aber keineswegs außergewöhnliche Geschichte wurde zur Staatsaffäre hochgespielt, und zwar durch die sich flächendeckend verbreitende Ente, es habe sich hier um einen dramatischen Fall von „Rassismus“ gehandelt, nach dem Strickmuster: waffennärrischer weißer Bürgerwehrler erschießt grundlos, aus purem Rassenhaß, einen harmlosen kleinen schwarzen Jungen. Im ganzen Land schrillten die Alarmsirenen, bis hinauf zu Präsident Obama, der die Emotionen zusätzlich anheizte: „Hätte ich einen Sohn“, gab er öffentlich zu Protokoll, „er sähe aus wie  Trayvon Martin.“ Das Bild vom unschuldigen schwarzen Opfer rassistischer weißer Gewalt  hielt sich auch dann noch mit verbissener Hartnäckigkeit, als sich herausstellte, daß George Zimmerman kein Weißer, sondern ein multipel gemischter Latino mit zum Teil afro-peruanischer Abstammung ist. Bis zum heutigen Tag bebildern die deutschen Medien die Berichte über den Fall mit Fotos , auf denen ein bulliger, finster dreinblickender Täter mit einem niedlichen, ungefähr dreizehnjährigen Jungen kontrastiert wird (ebenso hier, hier, hier und hier – dieser hartnäckige Wille zur Lüge ist verblüffend). In Wirklichkeit war Martin zum Zeitpunkt der Tat nicht nur zehn Zentimenter größer als Zimmermann, sondern posierte mit Vorliebe im „Gangsta“-Look, mit Goldzähnen und der genretypischen Kapuze über dem Kopf. Um Zimmerman rassistische Motive zu unterschieben (was in den USA heute als der Gipfelpunkt alles erdenklich Bösen gilt), wurde derart dreist gelogen, unterschoben und manipuliert, daß sich die Prawda geniert hätte. So schreckte etwa der Sender NBC nicht davor zurück, eine Tonaufnahme, die kurz vor der Tat entstand, entsprechend zurechtzuschneiden, um Belastendes aus ihr herauszukitzeln.  Während des Prozesses kam es zu farcenartigen Momenten, etwa als eine übergewichtige und (offenbar) unterintelligente Bekannte des Opfers zu Protokoll gab, Martin habe Zimmerman am Telefon als „Cracker“ bezeichnet – ein Schimpfwort für Weiße, das etwa dem berüchtigten „Nigger“ entspricht. Auf die Nachfrage des Anwaltes, ob sie das nicht als „rassistisch“ empfunden habe, antwortete die fast schon komikartig tränenverschnupfte Zeugin mit Nein. Die Faktenlage kann man im Detail auf Wikipedia nachlesen – sie gibt auch bei bestem oder schlechtestem Willen nichts her, das die entstandene Hysterie rechtfertigen würde. Nun also, wie Spiegel Online über den Freispruch Zimmermans und die Folgen berichtet:

  • Empörend, unfassbar, eine Ohrfeige fürs Volk: US-Bürgerrechtler sind entsetzt über den Freispruch für den Todesschützen des schwarzen Teenagers Trayvon Martin. Jetzt fordern sie, US-Justizminister Holder solle intervenieren. (…)
    Er könne die Entscheidung immer noch nicht fassen, sagt Jesse Jackson, der berühmte Bürgerrechtler. Einige Stunden zurück liegt da die Verkündung des Urteils, das Amerika bewegt und spaltet: Freispruch für George Zimmerman, 29, Todesschütze des schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin.
    Jackson und andere Bürgerrechtler zeigten sich empört. Jetzt forderte er im Interview bei CNN: „Das US-Justizministerium muss eingreifen“, das Verfahren müsse auf eine andere Ebene gehoben werden. Ähnliches hatte zuvor bereits Benjamin Jealous angemahnt, Vorsitzender der NAACP, der National Association for the Advancement of Colored People. Sie ist die größte US-Bürgerrechtsorganisation. Der Todesschütze, so Jealous, müsse wegen Verletzung der Bürgerrechte von Trayvon Martin vor Gericht gestellt werden.
    Die Wut nach dem aktuellen Freispruch im Fall Trayvon Martin ist an vielen Orten in den USA zu spüren. In mehreren Städten versammelten sich spontan Menschen und protestierten gegen die aus ihrer Sicht rassistische Entscheidung der Geschworenen.
    In San Francisco etwa setzten Hunderte Demonstranten ein Zeichen der Solidarität mit Martins Familie. Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot strömten sie kurz nach dem Urteilsspruch im Stadtzentrum zusammen. Viele trugen Transparente mit der Aufschrift „Das Volk sagt ’schuldig‘“. Im benachbarten Oakland blieb es nicht so ruhig. Einige Demonstranten besprühen Autos und zertrümmern Fensterscheiben, wie ein Video auf der Website der Zeitung „Oakland Tribune“ zeigte. (…)
    Eine Online-Petition der NAACP an US-Justizminister Eric Holder, Zimmerman einer Zivilklage zu unterziehen, wurde innerhalb kürzester Zeit mehrere zehntausend Mal unterzeichnet.

Es ist nicht daran zu zweifeln: das schwarze Amerika und seine politischen Vertreter wollen Zimmerman offenbar um jeden Preis hängen sehen, koste es was es wolle – nicht anders als die von keinerlei rationalem Argument getrübten Südstaaten-Lynchmobs aus KuKluxKlan-Zeiten, wie man sie aus unzähligen antirassistischen Filmen kennt. Sie wollen, ja sie brauchen offenbar ihre „Rassisten“. Zur Not soll die Regierung von oberster Stelle aus Druck machen. Hier zeigt sich nicht nur eine aparte Rechtsauffassung, sondern auch eine klare ethnische Front: Blut ist dicker als Wasser, als Recht, als Gerechtigkeit, als jede Vernunft offenbar. Wenn Al Sharpton und Jesse Jackson vom „Volk“ reden, meinen sie ihr Volk. Die US-Schwarzen nehmen Trayvon Martin vorrangig als „einen von uns“ wahr, und diese Tatsache hat über allem anderen Priorität, selbst über die nüchternen Fakten – right or wrong, my race. Das zeigte sich bereits in den oben zitierten, doch recht seltsamen Äußerungen Obamas. All dies wagen die deutschen Medien, die wie immer „Mein Name ist Hase“ spielen, freilich nicht auszubuchstabieren. Auch in einem zunehmend multiethnischen Deutschland, wie es von Angela Merkel und Konsorten inzwischen ganz explizit gewünscht wird, wird man mit solchen Entwicklungen rechnen müssen. Jim Goad hat den Fall auf der US-Seite Takimag bereits mehrfach ebenso luzide wie sarkastisch kommentiert. In seinem aktuellen Artikel zum Freispruch Zimmermans konstatiert er das Fortwirken einer Art „Rassenpsychose“. Schwarze „Bürgerrechtler“ und weiße „Progressive“ und „Liberale“ klammern sich mit irrationalem Eifer an das liebgewonnene Szenario:

  • Diese Leute können sich nicht mehr von dem Drehbuch losreißen, das ihnen in ihre Dummköpfe eingebrannt wurde. Sie haben den rasse-fixierten Film, der ihnen von Anfang an vorgesetzt wurde, kritiklos aufgesogen. Und sie werden sich an dieser Version der Geschichte festbeißen, bis das ganze Land in Scherben fällt.

Der Irrsinn wird angesichts zahlloser anderer Gewalttaten, die von den Medien und den Politikern völlig ignoriert werden, deutlich:

  • Sie verschließen die Augen vor dem Fall des Daniel Adkins, wo das Opfer ein Latino und der Todesschütze ein Schwarzer war… Sie haben noch nie etwas von der Geschichte gehört? Fragen Sie doch den nächsten freundlichen Lokalreporter, warum.
    Sie ignorieren den gewaltsamen Tod von Joshua Chellew, der Anfang Juli von vier schwarzen Teenagern bewußtlos geschlagen und auf die Autobahn gelegt wurde, wo ihn schließlich ein Auto überfuhr. Das sind dieselben Medienspezis, die vor einem Vierteljahrhundert aus dem Fall von Howard Beach landesweit eine Riesenstory gemacht haben – eine Geschichte, die Chellews Tod in vielerlei Hinsicht ähnelt, mit einem entscheidenden Unterschied: die Rassen der Täter und Opfer waren umgekehrt verteilt.
    Das sind dieselben Leute, die kein Sterbenswörtchen darüber verlieren, daß 93% aller schwarzen Mordopfer schwarzen Tätern zum Opfer fallen, oder daß seit Trayvon Martins Tod rund 11,000 Schwarze von anderen Schwarzen getötet wurden.
    Denn diese Dinge passen leider nicht ins Drehbuch. Und an dieses müssen sich halten, ob nun die Städte brennen oder nicht. (…)
    Letztes Jahr gab es mehrere Vorfälle von schwarzer Gewalt gegen Weiße, aufgestachelt durch die massiv mißbräuchliche Art der Berichterstattung über Trayvon Martin. Es wohl nicht allzu abwegig, anzunehmen, daß nun eine zweite Welle von Vergeltungsgewalt bevorsteht.

Gehen uns diese Dinge in Deutschland etwas an? Natürlich. Denn die gleichen Muster zeichnen sich bereits auch bei uns ab. In modifzierter Form steht auch Deutschland im Bann ein- und desselben Drehbuches, woraus sich auch die durch die Bank verschwommene Berichterstattung über den amerikanischen Fall erklärt.

Originalartikel Sezession im Netz

Der Offenbacher Rabbi Mendel Gurewitz ist von einer Gruppe von Jugendlichen beleidigt, bedroht und geschubst worden. Er fotografierte sie – doch Sicherheitsleute zwangen ihn, die Bilder zu löschen

Nach dem Übergriff auf den Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der Beleidigung und Körperverletzung, sagte ein Sprecher der Behörde in Darmstadt. Die Ermittlungen stünden am Anfang. Sechs bis acht südländisch aussehende Jugendliche hätten den 39-jährigen Rabbiner der örtlichen jüdischen Gemeinde am Sonntag gegen 19 Uhr in einem Einkaufszentrum angegangen, sagte ein Polizeisprecher. Gurewitz habe Anzeige gegen die Angreifer erstattet. Unter dem Verdacht der antisemitischen Beleidigung und Körperverletzung würden nun Videoaufzeichnungen ausgewertet.

Sicherheitspersonal zwingt Rabbi, Beweisfotos zu löschen

Der Rabbiner sei immer wieder geschubst und mit Sprüchen wie „Scheißjude“, „verschwinde“ und „Viva Palästina“ beschimpft worden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Offenbach, Mark Dainow. Als der Geistliche die Angreifer mit seinem Handy fotografierte, seien Sicherheitsleute des Einkaufszentrums aufgetaucht und hätten ihn aufgefordert, die Bilder zu löschen. Sogar ein von den Sicherheitsleuten angerufener Polizist habe den Rabbiner am Telefon angewiesen, die Beweismittel zu vernichten. Der Leiter des Polizeireviers habe dafür nachträglich um Entschuldigung gebeten. Um die aggressiven Jugendlichen hätten sich die Sicherheitsleute nicht gekümmert, sagte Dainow. Der Rabbiner habe alleine das Gebäude verlassen müssen und sei von den Angreifern verfolgt worden. Glücklicherweise sei ein persönlicher Bekannter mit seinem Auto vorbeigefahren und habe den Geistlichen mitgenommen. Der Chef des Einkaufszentrums habe inzwischen um Entschuldigung für das Verhalten des Sicherheitspersonals gebeten.

Empörung nicht nur beim Zentralrat der Juden

Dass jemand nur, weil er durch seine Kleidung als Jude erkennbar ist, rüde beschimpft und bedroht wird, sei nicht zu akzeptieren und eine „Schande für uns alle“, sagte Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ein ganz besonderer Skandal ist nach seinen Worten das Versagen des „sogenannten Sicherheitspersonals“ des Einkaufszentrums. „Niemals dürfen wir es hinnehmen, dass sich Menschen auf deutschen Straßen aufgrund ihrer Religion oder Herkunft unsicher fühlen“, betonte Graumann. Die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen nannte den Vorfall eine „Attacke auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer Region“. Vorsitzender Corrado Di Benedetto sagte: „Das Mindeste, was wir jetzt erwarten, ist eine lückenlose Aufklärung durch die ermittelnden Behörden.“ Zudem zeige der Vorfall, dass Juden, Christen und Muslime aktiv und wachsam für Respekt, Toleranz und Menschenwürde eintreten müssten. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland appellierte an die Öffentlichkeit, „die entschiedene Ablehnung von Antisemitismus und Rassismus jeglicher Art“ Jugendlichen stärker zu vermitteln. „Es kann nicht stillschweigend darüber hinweggesehen werden, wenn in unserem Land Juden auf offener Straße gemobbt, bedroht und beschimpft werden, nur weil sie als solche durch ihre Kopfbedeckung zu erkennen sind“, erklärten die Rabbiner. Schulen, Kultureinrichtungen und die Politik sollten sich stärker dem Thema Jugendgewalt im Zusammenhang mit Antisemitismus und Hass auf Andersdenkende und -gläubige zuwenden.

Gurewitz: Offenbach hat Antisemitismus-Problem

Auch die Europäische Rabbinerkonferenz (CER) hat den Angriff in Offenbach verurteilt. CER-Präsident Rabbi Pinchas Goldschmidt sagte in London, es sei nur wenige Wochen her, seit Bundeskanzlerin Angela Merkel jeder Form von Antisemitismus eine klare Absage erteilt habe. Die beklagenswerte Attacke von Offenbach sei ein deutlicher Beleg dafür, dass „ein kultureller Wandel zumindest ebenso wichtig ist wie der politische Wille zum Kampf gegen Fanatismus und Hass“. Umso heikler erscheint die Lage, da es sich offenbar nicht um den ersten Vorfall dieser Art handelt. Laut der „Offenbach Post“ wird Gurewitz nach eigenen Angaben seit Jahren in Offenbach mit antisemitischen Beleidigungen beschimpft und wie im aktuellen Fall mit Pro-Palästina-Parolen konfrontiert. Bisher habe er sich allerdings damit begnügt, solche Beleidigungen zu ignorieren. Das hat sich jetzt geändert.

Originalartikel Die Welt

Wo auf der Welt leben die meisten Rassisten?

Veröffentlicht: Mai 24, 2013 in Migration & Islam
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Dieser Frage widmeten sich zwei schwedische Ökonomen. Sie wollten herausfinden, ob wirtschaftliche Freiheit die Menschen mehr oder weniger rassistisch macht

Click to enlarge. Data source: World Values Survey

Sie wussten wie man die wirtschaftliche Freiheit eines Landes misst. Nun brauchten sie Daten darüber, wie hoch die Toleranz in den einzelnen Ländern gegenüber anderen Rassen ist. Dafür zogen sie eine Studie von World Values Survey heran. WVS erfasst seit Jahrzehnten die globalen Meinungen zu anderen Rassen. In einer Umfrage wurde in 80 verschiedenen Ländern den Menschen die Frage gestellt, welche Menschen sie sich nicht als Nachbarn wünschen würden. Die Studie ergab, dass wirtschaftliche Freiheit keine Korrelation mit rassischer Toleranz hat. Die obige Karte zeigt: die blauen Länder sind jene, wo die Menschen weniger Probleme mit Nachbarn anderer Rassen haben, bei den roten sind es mehr. Also sind Menschen in den blau gefärbten Ländern offenbar weniger rassistisch als jene in den roten. Die intolerantesten Menschen leben demnach in Südostasien, dem Mittleren Osten und auf dem indischen Subkontinent. In der westlichen Hemisphäre scheint hingegen kaum jemand ein Problem mit fremden Ethnien zu haben. In Hong-Kong wählten dabei 71.8 Prozent der Befragten aus mehreren vorgegebenen Antworten die Option «Leute anderer Rasse» aus. In Bangladesch waren es 71.7 Prozent, in Jordanien 51,4 Prozent und in Indien immerhin noch 45.5 Prozent. Eine vergleichsweise hohe Zustimmung – 30 bis 39.9 Prozent – erhielt die Option „Leute anderer Rasse“ in Vietnam, Indonesien, Südkorea, Iran, Saudi-Arabien, Ägypten, Nigeria und Ruanda. Toleranter sind die Menschen demnach in Nord-, Mittel- und Südamerika, Ozeanien und Westeuropa, wo praktisch keines der untersuchten Länder einen Wert von mehr als 19.9 Prozent erreichte.

Einziger Ausreißer ist Frankreich: Dort wünschen sich knapp 27 Prozent Prozent aller Befragten keine Nachbarn anderer ethnischer Abstammung. In der Schweiz sind es lediglich 6 Prozent. Toleranz-Weltmeister ist Schweden mit knapp 2 Prozent. Die «Washington Post», hat die Studie detailliert ausgewertet und mahnt zur Vorsicht bei der Interpretation, denn es wäre ja immer auch möglich, dass einige der Befragten nicht ehrlich geantwortet und ihre rassistischen Einstellungen verschleiert hätten. Kritikpunkt ist auch der lange Zeitraum der Datenerhebung, da die ersten Angaben aus den Achtzigerjahren stammen. Die Daten zeigen, dass  Anglo und romanische Ländern sehr tolerant seien. Die einzige wirkliche Ausnahme war Venezuela, wo die Einkommensungleichheit manchmal mit der Rasse bricht. Indien, Jordanien und Hong Kong sind mit Abstand am wenigsten tolerant. Interessant ist, dass in Europa wo die Immigration empfindlich Probleme verursacht und obwohl man vielleicht erwartet, dass die reicheren, besser ausgebildete westeuropäischen Nationen toleranter sind,  als diejenigen in Osteuropa, genau das nicht der Fall ist.  Staaten der ehemaligen Sowjetunion wie Weißrussland und Lettland sind toleranter als viele in Europa. Der Nahe Osten ist nicht so tolerant. Vor allem in Ägypten und Saudi-Arabien, wo es viele Wirtschaftsflüchtlinge aus ärmeren Nachbarländern gibt, zeigen sich wenig aufgeschlossen . Ebenso gibt es in verschiedenen asiatischen Ländern wenig Toleranz. Nationen wie Indonesien und die Philippinen, wo viele ethnische Gruppen aufeinander treffen zeigten mehr Skepsis gegenüber der Vielfalt. Somit scheint die wirtschaftliche Freiheit der Menschen, nicht das Kriterium zu sein für rassistische Ressentiments. Vermutlich ist es aber doch so, dass überall dort, wo die Probleme im Zusammenleben zunehmen auch die Vorbehalte größer werden. Für diese Erkenntnis bräuchte es aber keine komplizierten, jahrzehntelangen Berechnungen, sondern lediglich gesunden Menschenverstand.

Originalartikel PI News

Drehscheibe-Leiter Norbert Ceipek darf nicht mehr mit Medien sprechen – Gewerkschafter werfen ihm Rassismus vor

Es war ein langes Gespräch über heikle Themen. Und es blieb nicht ohne Folgen. Norbert Ceipek, Mitarbeiter der Wiener Jugendwohlfahrtsbehörde MA 11 und Leiter der „Drehscheibe“, die sich um unbegleitete Minderjährige aus dem Ausland kümmert, sieht sich dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt, erhoben von Kollegen aus den eigenen Reihen. Die MA 11 hat ihm vorerst einen „Maulkorb“ verpasst – Ceipek darf bis auf weiteres nicht mehr mit Medien sprechen. Und der zuständige Stadtrat Christian Oxonitsch (SP): „Er wolle, dass Ruhe einkehrt“, ließ er via Pressesprecher ausrichten, zudem habe er die MA 11 angewiesen, ihre internen Angelegenheiten auch intern zu regeln – bei 27.000 Mitarbeitern könne er sich nicht um jede Streitigkeit persönlich kümmern.

„Geschäftsmodell mächtiger Paschas“

Ceipek hatte sich im STANDARD-Interview am 30. März zum Elend von Roma-Kindern geäußert, die von Clanchefs zum Betteln „in den Westen“ geschickt würden. Er sprach über das „Geschäftsmodell“, das mächtige Paschas auf dem Rücken der Kinder aufgebaut hätten. Diese Beobachtungen hatte er einige Wochen zuvor auch im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschildert. Ceipek erzählte auch, dass die Drehscheibe afghanische Kinder beherberge – und dass, nach seinen Beobachtungen, immer mehr afghanische Kinder als „Vorboten“ geschickt würden. Ceipek: „Ihre Eltern erwarten explizit, dass die Kinder so schnell wie möglich Asyl bekommen, um den Rest der Familie nachholen zu können. Unter diesem enormen psychischen Druck zerbrechen die Kinder fast. „Es müsse ein „Modus Operandi“ gefunden werden, oder man müsse den Nachzug von Familienmitgliedern noch restriktiver handhaben – „denn die betroffenen Kinder sind für immer kaputt“.

„Abgelehnt und verurteilt“

Ceipek hat sich intern offenbar Feinde gemacht. Es dauerte nicht lange, da verfasste der „Berufsgruppenausschuss der Sozialarbeiterinnen der MA 11“ eine „einstimmige öffentliche Erklärung gegen Rassismus und Menschenrechtseinschränkungen“. Darin heißt es, Ceipek habe mit seinen Äußerungen „den Tatbestand des Rassismus“ erfüllt, das werde „auf das Entschiedenste abgelehnt und verurteilt“. Es erscheine den Unterzeichnern „wichtig, dass auch von Dienstgeberseite und von politischer Seite betont wird, dass die Ansichten von Kollegen Ceipek nicht der offiziellen Meinung der MA 11 entsprechen“. Unterzeichnet wurde der Brief vom roten Gewerkschaftsfunktionär Andreas Schadauer, geschickt wurde er an Oxonitsch und alle rund 3000 Mitarbeiter der MA 11.

Mobbing vs. Rassismus

Dies grenze an Mobbing gegen einen, der mit seinem Engagement aus dem Durchschnitt herausrage, sagt ein MA-11-Kollege, der nicht genannt werden will. Ob das Ziel dieser Erklärung sei, Ceipek als Drehscheibe-Chef loszuwerden, fragte der STANDARD Gewerkschafter Schadauer: „Keineswegs“, kontert der, im Übrigen müsse er sich für die Erklärung nicht rechtfertigen. Nach einigem Hin und Her dann doch die Erklärung: Es sei „nicht das erste Mal“, dass Norbert Ceipek durch „starke und stark vereinfachende Worte“ auffalle. Ob er, Schadauer, Ceipek für einen Rassisten halte? Schadauer weicht aus: „Wenn er etwa von ‚den‘ Romaclan-Chefs spricht, dann spricht er in Stereotypen. Das befördert Vorurteile, wie sie die FPÖ gerne bedient.“ Dem widerspricht eine Gruppe von zehn Kollegen Ceipeks, die nun ihrerseits eine öffentliche „Stellungnahme“ zu seiner Verteidigung abgegeben haben: Ceipek habe „das Phänomen der Kindeswohlgefährdung“ beschrieben, das „dazu zwingt, sich darüber Gedanken zu machen, wie dem Einhalt geboten werden kann“. Was die Gefährdung afghanischer Kinder betreffe, „ist völlig offensichtlich, dass ihm der Schutz dieser Kinder wichtig ist und er auf der Suche nach Lösungen ist“.

„Falscher Solidaritätsbegriff“

Was Ceipeks Kritik an Romaclan-Chefs betreffe, bringe er „ein Problem zur Sprache, das er wie kein anderer kennt“: „Treten bestimmte die Menschenrechte verletzende Phänomene in besonderem Maße in Zusammenhang mit einer Volksgruppe auf, muss es erlaubt sein oder ist es sogar eine Pflicht, darauf hinzuweisen. Andernfalls bleiben die Opfer ungeschützt und die Täter durch einen falschen Solidaritätsbegriff (gegenüber einer Minderheit) geschützt.“ Den Gewerkschaftern um Schadauer wirft die Gruppe „eine völlige Fehlinterpretation und Verunglimpfung eines Kollegen, der durch sein Engagement besonders heraussticht“, vor. Und was sagt Ceipek selbst? „Ich kann zu alldem nichts mehr sagen.“ Der „Maulkorb“ sitzt offenbar fest.

Originalartikel Der Standard

In falscher Toleranz geben wir religiösen Imperativen im Alltagsleben unserer säkularen Gesellschaften immer mehr Raum. Ist es Rassismus, wenn man darauf aufmerksam macht? Oder nur die Benennung von Tatsachen, mit denen man sich auseinandersetzen muss?

Der Rassismusvorwurf ist die allerbilligste Münze im Kampf gegen eine unbequeme Wirklichkeitsbeschreibung, die das eigene Weltbild bedroht. Ohne Schizophrenie geht das selten ab. Während das schrill-bunte Anderssein von Einwanderern im linken Multikultidiskurs gefeiert wird – nicht zuletzt als Wundermedizin gegen dumpfes Deutschtum –, werden die negativen Aspekte verdrängt oder als Fantasien rassistischer Wahrnehmung denunziert. Während die Kultur, Mentalität, ja sogar die Religion der Migranten geradezu bewundert wird, dürfen die problematischen Aspekte dieses Andersseins nur ominösen „Strukturen“ angelastet werden, die von der tendenziell repressiv-faschistoiden deutschen Gesellschaft zu verantworten sind. Die berüchtigte Bringschuld der Integration ist so allein Sache der „Bio-Deutschen“. Auf diese Weise degradiert man Migranten zu Opfern, schlimmer noch: zum empirischen Objekt deutscher Moralprediger, die nichts auf ihr linkes Glaubensbekenntnis kommen lassen wollen. Eine besondere Variante, unbequeme Konflikte sprachlich einfach wegzudefinieren, präsentierte die neue Berliner Integrationsbeauftragte Monika Lüke, 43, die früher in den Diensten von Greenpeace stand. „Die Migranten sind nicht die anderen – das sind wir“, behauptete sie und ließ so jedes Problem zwischen Einwanderern und Mehrheitsgesellschaft durch die reine Kraft der Semantik verschwinden. Ein famoser Zaubertrick. Typisch für diese Haltung der unbeugsamen Wirklichkeitsverweigerung ist auch die Reaktion der Grünen in Neukölln, die im Stil von Radio Moskau feststellen: „Wir haben die diskriminierenden Inhalte des neuen Buches „Neukölln ist überall“ von Heinz Buschkowsky erschrocken zur Kenntnis genommen und sprechen uns entschieden gegen die vielen verleumderischen Äußerungen gegenüber Neuköllnerinnen und Neuköllnern aus. (…) Herr Buschkowsky verbreitet mit seinem Buch durch unreflektierte und aufgebauschte Angstszenarien einen schlechten Ruf über unseren Bezirk und beruft sich dabei hauptsächlich auf seine subjektive Wahrnehmung der Neuköllner Wirklichkeit. (…) Wir solidarisieren uns mit allen in Buschkowskys Buch stigmatisierten Neuköllnerinnen und Neuköllnern.“ Ende der Lautsprecherdurchsage in Politbürodeutsch. Damit nicht genug. Selbst eine Anfrage in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, wie es um die Finanzierung von Zweit- und Drittfrauen muslimischer Männer durch Sozialhilfe und Hartz IV stehe, wird umstandslos als Diskriminierung und „Stigmatisierung des Islam“ verurteilt, die populistische Ressentiments schüre.

Kulturrelativismus

Die Grünen, an die ich mich erinnere, hätten zuallererst nach der Rolle der Frau gefragt, die vom muslimischen Pascha mit den von ihm gezeugten Kindern in irgendwelche Wohnungen abgeschoben und anschließend zum Sozialamt oder Jobcenter geschickt wird. Vierzig Jahre nach Beginn der Frauenbewegung hat der pseudolinke Kulturrelativismus dafür gesorgt, dass selbst die patriarchalische Vielehe unter dem Schutz des grünen Weltverbesserungsprogramms steht und gegen die Zumutungen der demokratisch-säkularen Gesellschaft verteidigt werden muss. Bald wird womöglich auch die Burka als Symbol der weiblichen Befreiung gelten. Sandra Maischberger hat es in ihrer Talkshow vorgemacht: Erstmals in der deutschen Fernsehgeschichte saß eine komplett verschleierte Frau im Studio und sprach über das Glück der Polygamie. Es sind dies Momente, in denen ich mich ernsthaft frage: Bin ich jetzt reaktionär?! Oder sind es die anderen? Sind die einfach gaga, irre, nicht mehr ganz dicht?! Gerade wir alten Linken, erst recht die feministisch engagierten Frauen, hatten doch mit Religion „nichts am Hut“, wie es so schön hieß, von unschönen Kraftausdrücken zu schweigen. Allenfalls an Weihnachten ließen wir uns zur Christmette mitschleppen. Die meisten flohen zu Freunden, möglichst weit weg von Weihrauch und Glockengeläut. Das mag sich im Lauf der Jahre geändert haben, doch woher kommt plötzlich dieses innige Verständnis für den Islam, den einzigen Monotheismus, der, anders als Judentum und Christentum, niemals wirklich mit der Aufklärung in Berührung kam? Und warum eigentlich die ständige Warnung vor „Islamophobie“, als handle es sich dabei um eine schwere, unheilbare Krankheit? Ist es nicht eine Tatsache, dass der Islam jene Religion auf der Welt ist, die gegenwärtig die meisten und brutalsten Fanatiker und Terroristen hervorbringt? Wo hört man lautstarke Proteste der Grünen, wenn im Nahen Osten und in Afrika hunderte Christen von muslimischen Milizen abgeschlachtet werden? Und wie verhält sich der tapfere Widerstand gegen „Islamophobie“ zu den antisemitischen Ressentiments, die im Kampf gegen „Zionismus“ und „US-Imperialismus“ zutage treten, vor allem bei den Restbeständen jener „Friedensbewegung“, die lieber Assad und Ahmadinejad beisteht als den Opfern der Tyrannei? Samuel Schirmbeck, 1991 bis 2002 ARD-Korrespondent in Nordafrika, zieht nach jahrelangen Erfahrungen in Marokko, Algerien und Tunesien seine eigene Bilanz. Sie passt in einen Satz: „Der Islam ist die Versiegelung des Denkens.“ Mit großer Verwunderung verfolgt der Alt-68er die Diskussion über die Rolle des Islam in der westlichen Welt: „Es ist doch verrückt – die Linke hat immer den Freiheitsgedanken verkörpert, gegen religiöse Heuchelei und Unterdrückung gekämpft. Wenn man zehn Jahre erlebt hat, wie furchtbar Gesellschaften ohne Aufklärung leben, packt einen bei den Angriffen auf jeden Islamkritiker die Wut. Ist es immer noch die Last der Nazi-Schuld, die dazu führt, dass der Glaube der Fremden gegenüber der eigenen Kultur als moralisch überlegen empfunden wird?“

Recht des Stärkeren

Die Frage ist erlaubt, aber letztlich nicht zu beantworten. Denn auch in anderen Teilen der Welt macht sich falsche Toleranz gegenüber Tendenzen breit, religiösen Imperativen im Alltagsleben unserer säkularen Gesellschaft immer mehr Raum zu geben – ob in der Kopftuchdebatte oder beim Gebetsteppich in der Schule, beim fleischlosen Kantinenessen oder bei prüfungsfreien Tagen für muslimische Schüler, die während des Ramadan tagsüber nichts essen dürfen. Längst unterminieren sogenannte islamische „Friedensrichter“ rechtsstaatliche Strafprozesse, bei denen am Ende der Chef des involvierten Clans, also der jeweils Stärkste, den Sieg davonträgt, der dann unter „gütlicher Einigung“ firmiert. Auch das Berliner Arbeitsgericht marschiert an der vordersten Front des vermeintlichen Fortschritts. Im März 2012 erkannte es einer jungen muslimischen Frau, die sich als Zahnarzthelferin beworben hatte, eine Entschädigung von 1470 Euro zu. Grund: Der Zahnarzt beharrte darauf, dass sie in den Dienstzeiten ihr Kopftuch ablegen müsse. Diese Forderung aber, so die Richter, verstoße gegen das Recht auf freie Religionsausübung. Und was ist dann mit der muslimischen OP-Schwester im Ramadan? Die Richter wissen es genau und heben den gestrengen Zeigefinger der Volkserziehung. „Die Frau mit Kopftuch gilt als unemanzipiert und rückständig“, heißt es in der Urteilsbegründung, und man sieht förmlich das Kopfschütteln der Robenträger, die hier zugleich Religionsphilosophen, Islamwissenschaftler, Historiker und Soziologen sind. „Dabei ist sie in Wahrheit nicht verkehrt, sondern nur anders. Und Mensch unter dem Schutz der Gesetze.“ Da ist es wieder, das Zauberwort „anders“. Anders, nicht eigen. Vielleicht liegt hier die übergreifende Erklärung für das Rätsel des grassierenden Irrsinns politischer Korrektheit: Das andere ist gut, das Eigene aber schlecht und westlich-verderbt. So versteckt sich das europäisch-abendländische Ich bis zur Selbstverleugnung, macht sich ganz klein und fühlt sich dennoch schuldig an allem, was geschieht. Dabei geht das ganze Sinnen und Trachten des guten Deutschen danach, niemals mehr böse, brutal und ungerecht zu sein. „’s ist Krieg! ’s ist Krieg! / O Gottes Engel wehre, / Und rede Du darein! / ’s ist leider Krieg – und ich begehre / Nicht schuld daran zu sein!“, bangte schon 1774 der Dichter Matthias Claudius. Dieses Unschuldsbegehren ist bis heute das verzerrte Spiegelbild der Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle. Fehlendes Selbstbewusstsein korrespondiert mit Weltrettungsfantasien, Ich-Schwäche mit Selbstüberschätzung. In einer Münchner Luxusklinik, hört man, werden schon einmal die Kreuze abgehängt, wenn die vollverschleierte saudische Kundschaft anrückt, um sich Bauch, Beine und Po straffen zu lassen. Geschäftstüchtig ist man ja.

Geh isch Aldi

Bemerkenswert übrigens, dass auch beim Berliner Arbeitsgericht die gute Gesinnung weitaus stärker ausgebildet scheint als die Beherrschung von Syntax und Grammatik. Doch selbst an diesem eher abgelegenen Frontabschnitt des progressiven Alltags ist Hilfe schon unterwegs. „Mach isch disch Füllung, Alder!«, hätte eine imaginäre Zahnarzthelferin mit Kopftuch zum Patienten sagen können, den der Backenzahn schmerzt. Wer an dieser Stelle entsetzt ausruft: „Es reicht! Das ist doch echt reaktionär jetzt, voll krass die Diskriminierung, ey!“, dem sei gesagt: „Kiezdeutsch ist kein falsches oder schlechtes Deutsch, sondern eine sprachliche Varietät, die in sich stimmig ist.“ Das behauptet zumindest die Potsdamer Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Heike Wiese. Und sie weiß noch mehr: „Neue Aufforderungspartikel“ wie „Musstu“ oder „Lassma!“ seien wie das Weglassen von Präpositionen („Geh isch Aldi“) der avantgardistische Teil eines „neuen, dynamischen Turbo-Dialekts“, der das Hochdeutsch „systematisch und produktiv“ bereichert. Auch hier müssen natürlich rechtspopulistische Ressentiments ausgeräumt werden: „Es geht mir auch darum, dem Vorurteil entgegenzuwirken, man habe es mit einer reduzierten Grammatik zu tun.“ „Gehst du Schule, Alder!“ heißt also die Losung der Zukunft. Ähnlich wie beim Gender-Mainstreaming geht es beim „German-Mainstreaming“ zugleich darum, soziale Hierarchien abzubauen, Herrschaftsstrukturen und die Arroganz der Bessersprechenden. Dieses hehre Ziel hat sich auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen gesetzt und bereichert die wunderbare Varietät der deutschen Sprache, indem man dort immer wieder nachfragt: „Kann Steinbrück Kanzler?“ „Musstu warten, bis gewählt, Alder!“, wäre unsere Antwort. Doch auch die Werbeindustrie macht mit und dröhnt uns die Ohren voll mit Botschaften wie „So muss Technik!“ „Weisse Bescheid, Schätzelein!“, grunzt Horst Schlämmer im Hintergrund. Und irgendeiner fragt dazwischen: „Brauchst du Problem, Alder? Kriegst du Problem!“ Man sieht: Der progressive Alltag lebt.

Zum Author: Reinhard Mohr (*1955) ist ein deutscher Soziologe. Er schrieb für die „taz“, die „FAZ“, den „Spiegel“ und den „Stern“. Der vorliegende Text ist ein Abdruck aus seinem neuen Buch „Bin ich jetzt reaktionär? Bekenntnisse eines Altlinken“, erschienen im Gütersloher Verlagshaus.

Originalartikel Die Presse

Die Muslimverbände bagatellisieren nicht nur den Rassismus-Begriff, sie schlagen auch Kapital aus dem Schreckenswort. Es wird zum Knüppel gegen Kritik und verschleiert eigene Ressentiments.

Der Mensch wird als Muslim geboren, wenn nicht, macht ihm der Islam das Angebot, diesen menschlichen Makel durch Übertritt zu tilgen. Jedes Kind mit einem muslimischen Vater ist nach islamischem Brauch per Geburt Muslim, denn Muslimsein ist in den Augen der Gläubigen die natürliche Form des Menschseins. Austreten kann man aus dieser Religion nicht, es sei denn, man nimmt den Tod mit anschließender Höllenfahrt in Kauf. Der Einzelne ist per Geburt Muslim, wie ein anderer große Ohren oder blonde Haare hat. Eine Entscheidung über diesen Zustand steht ihm nicht zu, er ist sozusagen von Gott gegeben. Ihn wegen dieser Besonderheit oder dieses Stigmas zu kritisieren, ist deshalb diskriminierend, weil Muslimsein das eigentliche menschliche Privileg ist und ein Muslim nichts dafür kann, dass er Muslim ist. So jedenfalls erscheint das schlichte Argumentationsmuster des Koordinierungsrats der Muslime (KRM), der Dachorganisation der Islamverbände in Deutschland, und des Interkulturellen Rats, eines Zusammenschlusses von Gewerkschaftern und anderen „Antirassisten“, zu sein. Sie rufen ab heute zu „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ auf: „Islamfeindlichkeit ist die gegenwärtig an meisten verbreitete Form von Rassismus in Deutschland“, lassen sie verlauten. Nun könnte man sich über die Schlichtheit der Argumentation lustig machen (es würde wohl wiederum den Vorwurf des Rassismus nach sich ziehen), wenn die Sache nicht so politisch irre wäre. Irre, weil hier die Spitzenorganisation des Islam in Deutschland die Muslime zu Opfern von Rassismus stilisiert, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie gefährlich es ist, Begriffe auf diese Weise zu bagatellisieren. „Unter Islamfeindlichkeit verstehen wir“, so im Aufruf der Organisatoren „wenn Muslime herabwürdigend beurteilt und Diskriminierungen befürwortet werden“. Das Kopftuchverbot für Lehrerinnen zum Beispiel wird in diesem Sinne als Diskriminierung gewertet und ist somit rassistisch. Der Versuch, den Diskurs über Wesen und Alltag des Islam, seiner Sitten und Auswüchse zu verhindern, indem man Kritik oder Ablehnung als „rassistisch“ diskriminiert, zeigt wie weit die Islamverbände und die sogenannten Antirassisten ideologisch argumentieren. Das Schreckenswort „Rassismus“ wird zum Knüppel gegen Kritik. In den türkischen Zeitungen und dem inzwischen inhaltlich von der AKP dominierten staatlichen Rundfunk TRT werden täglich ausführliche Berichterstattungen über die angeblichen Diskriminierungen der Muslime, besonders in Europa, gesendet. Der Ton gegenüber Deutschland und Europa wird zunehmend anklagender, es scheint ein gezieltes Interesse daran zu bestehen, die Muslime aus der europäischen Gemeinschaft auszugrenzen. Täglich führt man den Landsleuten vor: Seht her, man will euch nicht. Islamfunktionäre, die einerseits in allen möglichen staatlichen Gremien und Konferenzen sitzen und die Integrationspolitik mitbestimmen, beklagen sich wortreich darüber, in Europa ausgegrenzt zu werden. Die türkische Tageszeitung Hürriyet schreibt täglich darüber, wie schrecklich es den Türken und Muslimen in Deutschland geht, gibt aber gleichzeitig Tipps, wie man nach Deutschland kommen kann, ohne einen Deutschkurs zu belegen. Nämlich: Man wird schwanger. Es gibt im Türkischen ein Sprichwort, das lautet: „Die Katze, die nicht ans Futter kommt, sagt, es sei verdorben.“ So kann man sich auch einem Dialog entziehen, indem man Kritik zu Beleidigungen umdeutet und der Bevölkerung ein Feindbild suggeriert, weil die eigenen Konzepte scheitern.

Da solche Kampagnen aus der Türkei über den regierungstreue türkischen Islamverband Ditib nach Deutschland transportiert werden, macht es Sinn, dass sich der KRM, in dem die Ditib großen Einfluss hat, sich an solchen „Rassismus“-Kampagnen beteiligt. Irre ist es auch, weil KRM und Interkultureller Rat dann wiederum aus „rassistischer“ Diskriminierung (öffentliches) Kapital zu schlagen versuchen. Rassismus ist wie Nazismus und Antisemitismus das Schlüsselwort, um zum Beispiel öffentliche Gelder zu akquirieren. Wer es schafft, Rassismus, Antisemitismus und Islamkritik und -feindlichkeit in einem Atemzug zu nennen, der steht kurz davor, seine Koranschulen und Moscheeführungen mit Mitteln aus den Fonds gegen Rechtsradikalismus zu finanzieren. Es gibt einige Projekte, die gegründet wurden, um Aufklärungsarbeit gegen Rassismus zu leisten, die werden auf diese Weise „umgewidmet“. Veranstalter, die Fortbildung in Sachen Antifaschismus anbieten, erweitern ihr Geschäftsfeld auf den Bereich „Islamophobie“. Gern betonen die Muslime in diesem Zusammenhang (in anderen weniger) die Nähe zu den Juden. Man empfiehlt in dem Aufruf „abrahamische Teams aus Juden, Muslimen und Christen“ in die Universitäten und Schulen zu schicken, damit sie verkünden können: „Islam bedeutet Frieden und freiwillige Hingabe an Gott.“ Es wird mit Schlagworten wie „Völkerverständigung und Toleranz“ versucht, einen „Schulterschluss der Opfer gegen Rassismus und Diskriminierung“ herzustellen, wo es gar keine ursächliche Übereinstimmung gibt, weil die Ausgangslage grundverschieden ist. Nach dem Motto „Wir glauben alle an den einen Gott und werden von den Deutschen diskriminiert“ wird eine Pseudo-Solidarität postuliert. Natürlich müssen wir über Rassismus in Deutschland sprechen und gegen Diskriminierung vorgehen. Aber die Islamverbände sollten dabei zunächst vor der eigenen Tür kehren und kritisch hinterfragen, wie manche, angeblich so tolerante und friedliebende Muslime über die Deutschen denken. Wer mitbekommt, wie eine Gruppe muslimischer Jungen und Mädchen, Männer und Frauen unter sich über deutsche Mädchen, die Deutschen oder die Juden reden, dem wird es schlicht die Sprache verschlagen über die Ablehnung und die Verachtung, die ihm entgegenschlägt. Nicht nur die Ausbrüche der Familie des Schwesternmörders Obeidi nach der Urteilsverkündung in Hamburg werfen ein grelles Licht auf diese Weltsicht. Eine Kampagne gegen Rassismus und Nationalismus in den Reihen der Islamverbände, eine Aufarbeitung des Verhältnisses zu Christen, Juden und „Ungläubigen“, die Klärung der Verhältnisse zu den Deutschen, den Minderheiten in den Herkunftsländern, all das wäre ein Thema nicht nur für Wochen, sondern für Generationen.

Originalartikel taz.de

Rassistische Gewalt gegen Deutsche in Deutschland wurde zu lange wegdiskutiert. Wer grundlos Passanten mit den Worten „Scheiß Deutsche“ attackiert, ist ähnlich gestrickt wie ein Angreifer, der „Scheiß Kanaken“ brüllt.

Der Fall schreckt auf und beschämt. Vermutlich erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Staatsanwaltschaft junge Migranten angeklagt, aus Rassenhass gegen Deutsche einen Mord versucht zu haben. Auch wenn für die Angeklagten weiterhin die Unschuldsvermutung gilt, ist der brutale Angriff, dem im Februar zwei Deutsche in Berlin auf dem U-Bahnhof Lichtenberg ausgesetzt waren, ein Warnzeichen und ein greller Weckruf. Rassistische Gewalt gegen Deutsche in Deutschland war bislang kaum ein Thema, weder in der Politik, noch in den Medien oder in der Gesellschaft überhaupt. Doch was sich auf dem U-Bahnhof abgespielt hat, ist offenkundig kein singuläres Phänomen, wie schon die Ermittlungen in diesem Fall zeigen. Da ist von weiteren Angriffen der vier jungen Migranten aus Kenia, Bosnien, dem Kosovo und dem Irak die Rede, von grundlosen Beschimpfungen deutscher Passanten als „Nazischwein“ und „Scheiß Deutscher“, von Schlägen und Tritten, ähnlich brachial wie bei Gewaltorgien rechtsextremer Skinheads. Alles neu? Die Bundesrepublik muss sich einem Problem stellen, das bislang unterschätzt, wegdiskutiert oder gar nicht erst wahrgenommen wurde. Obwohl man sehen und hören kann, was da rumort. Im Dezember 2007 prügelten ein Türke und ein Grieche in München einen Rentner fast tot, dabei wurde auch er als „Scheiß Deutscher“ tituliert. Der Fall erregte bundesweit Entsetzen, die dann folgende Debatte drehte sich aber mehr um eine Verschärfung des Jugendstrafrechts als um das Thema deutschenfeindlicher Gewalt an sich. Es folgten weitere Angriffe, in Gelsenkirchen und wieder in München, bei denen die Täter ihr Opfer wegen seiner deutschen Herkunft beleidigt haben sollen. Im vergangenen Jahr wagte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, auf Fälle deutschfeindlichen Mobbings in Schulklassen hinzuweisen, in denen Migranten die Mehrheit stellen. Dass deutsche Mitschüler als „Schweinefleischfresser“ diskriminiert wurden, war nur ein Beispiel. Doch auch da verebbte die Debatte bald.

Das ist fatal. Oft brechen Probleme, die verdrängt werden, später umso heftiger auf. Und gerade beim Thema deutschfeindlicher Rassismus ist zu befürchten, dass ultrarechten Demagogen, von der NPD bis zum Wochenblatt „Junge Freiheit“, zumindest punktuell die Deutungshoheit überlassen wird, weil die große Mehrheit schweigt. Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass rechtspopulistische Stimmungsmache weit in die Gesellschaft hinein ein Echo findet. Da wäre es gerade jetzt, zwei Monate vor der Wahl in Berlin, riskant und fahrlässig, in bänglicher Stille abzuwarten, ob die Ultrarechten das Verfahren gegen die mutmaßlichen Schläger vom U-Bahnhof Lichtenberg nutzen können. Der Prozess gegen die jungen Migranten wird kommen, womöglich noch vor der Wahl. Auf jeden Fall mit schockierenden Details. Es gibt keinen legitimen Grund, Rassismus zu verschweigen. Auch nicht den, der sich gegen Deutsche richtet. Und es wäre schlicht irrational anzunehmen, Migranten seien zu rassistischem Verhalten gegen Deutsche nicht fähig. Wer grundlos Passanten mit den Worten „Scheiß Deutsche“ attackiert, ist ähnlich gestrickt wie ein Angreifer, der „Scheiß Kanaken“ brüllt. Anstatt das eine zu ignorieren und nur das andere zu beklagen, sollte eine differenzierte Betrachtung erfolgen. Dazu gehört natürlich, die unterschiedlichen Dimensionen des Rassismus in Deutschland zu erforschen. Zweifellos sind Migranten in ganz anderem Ausmaß rassistischer Diskriminierung durch Deutsche ausgesetzt als umgekehrt. Das zeigen nicht nur die vielen Verbrechen rechtsextremer Gewalttäter. Die Vereinten Nationen haben gerade der Bundesrepublik vorgehalten, Migranten würden bei der Wahrnehmung des Rechts auf Bildung und Beschäftigung behindert. Das ist empörend. Deutschenhass bei Migranten auch.

Originalartikel Der Tagesspiegel