Mit ‘Tariq Ramadan’ getaggte Beiträge

Die Bombenanschläge in London am 7. Juli 2005, bei dem Islamisten 52 Personen töteten und 700 weitere verletzten, veranlasste die britischen Behörden mit Muslimen zusammenzuarbeiten, um weitere Gewalt zu verhindern.

Doch statt sich an antiislamistische Muslime zu wenden, die das triumphalistische Ziel der Anwendung des islamischen Rechts in Europa ablehnen, förderten sie nicht gewalttätige Islamisten in der Hoffnung, diese würden ihre Glaubensbrüder davon überzeugen ihren Hass auf den Westen in gesetzeskonformer Weis zu äußern. Bei diesen Bemühungen wirkte Tariq Ramadan (geb. 1962) mit, ein prominenter islamistischer Intellektueller. Zum Beispiel finanzierte die Londoner Metropolitan Police in Teilen eine Konferenz, auf der Ramadan sprach; Premierminister Tony Blair berief ihn in die offizielle „Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Extremismus„. Einen Islamisten einzusetzen könnte als originelle und clevere Idee erscheinen, war aber weder das eine noch das andere. Westliche Regierungen sind seit Jahrzehnten erfolglos mit Islamisten Bündnisse eingegangen. In der Tat haben sie sich mit Ramadans Familie verbündet. 1953 war Dwight D. Eisenhower Gastgeber für eine Gruppe ausländischer Muslime, zu denen Said Ramadan (1926-1995) gehörte, der Führer einer der wohl einflussreichsten islamistischen Organisationen des zwanzigsten Jahrhunderts – der fanatischen, antiwestlichen Muslimbruderschaft – und außerdem Tariqs Vater. Das Treffen Eisenhower-Ramadan fand im Kontext der anhaltenden Bemühungen der US-Regierung statt, die Muslime gegen den Sowjetkommunismus zu sammeln; als Teil davon wurde Said Ramadan auf die Gehaltsliste der CIA gesetzt. Talcott Seelye, ein amerikanischer Diplomat, der sich ungefähr zu dieser Zeit mit ihm traf, erklärt: „Wir betrachteten den Islam als Gegenwicht zum Kommunismus.“ Dann war da Hassan al-Banna (1906-1949), Tariqs Großvater, Gründer der Muslimbruderschaft und Empfänger von Geldern der Nazis; amerikanische Diplomaten hatten in den späten 1940-er Jahren „regelmäßige Treffen“ mit al-Banna, befanden ihn als „perfekt einfühlsam“ und empfanden seine Organisation als eine „moderate“ und sogar „positive“ Kraft. Die Briten boten al-Banna offenbar Geld an. Mit anderen Worten: Westliche Regierungen haben eine Geschichte der Ignorierung der widerlichen Ideologie der Islamisten und arbeiteten mit ihnen, stärkten sie sogar. Mit überwältigender historischer Forschung offenbart Ian Johnson, Pulitzerpreis-Gewinner und ehemaliger Journalist für das Wall Street Journal, neue Drehungen und Wendungen dieses Dramas in seinem gerade veröffentlichten Buch A Mosque in Munich: Nazis, the CIA, and the Rise of the Muslim Brotherhood in the West (Eine Moschee in München: Die Nazis, die CIA und der Aufstieg der Muslimbruderschaft im Westen). Johnson beginnt mit einem Überblick über die systematischen Anstrengungen der Nazis unter ihren Kriegsgefangenen sowjetische Muslime zu rekrutieren. Viele Muslime verabscheuten Stalin; zwischen 150.000 und 300.000 kämpften im Zweiten Weltkrieg für die Achsenmächte.

Mit anderen Worten: Über ihre nicht erfüllten, an die Araber gerichteten Propagandaversprechen hinaus schickten die Nazis tatsächlich eine beträchtliche Truppe hauptsächlich turksprachiger Muslime unter der Führung eines gelehrten Nazi-Enthusiasten namens Gerhard von Mende ins Feld. Johnson verfolgt Mende, wie dieser nach der deutschen Niederlage 1945 seine antikommunistische Arbeit mit ehemals sowjetischen Muslimen weiterführte, jetzt im Kontext des Kalten Krieges. Doch dieses Netzwerk ehemaliger Soldaten erwies sich als nicht sonderlich kompetent für die Aufgabe die muslimische Feindseligkeit gegen die Sowjetunion zu wecken. Ihr führender Intellektueller z.B. hatte als Imam einer SS-Division gedient, die half den Warschauer Aufstand von 1944 niederzuschlagen. Islamisten erwiesen sich rasch als weit kompetenter für diese politische und religiöse Herausforderung. Johnson erklärt: „Sie tragen Anzüge, haben Universitätsabschlüsse und sind in der Lage ihre Forderungen so auszudrücken, dass ein Politiker sie verstehen kann.“ Der Kern dieser faszinierenden Studie liegt in der Verfolgung der Entwicklung von alten Soldaten zu neuen Islamisten, zu einem großen Teil in München. Es handelt sich um die klassische Erzählung einer Intrige der 1950-er Jahre, inklusive rehabilitierter Nazis, CIA-Fassdenorganisatoren und sich einander bekämpfender sowjetisch-amerikanischer Ambitionen. Johnson zeigt, wie die Amerikaner, ohne dass jemand das wirklich plante, sich des Netzwerks von Mendes bemächtigten und Said Ramadan übergaben. Diese frühe Förderung der Muslimbruderschaft, argumentiert Johnson, verschaffte dieser die Mittel, gerade rechtzeitig zum Anstieg der muslimischen Einwanderung nach Europa Anfang der 1970-er Jahre eine islamistische Rahmenordnung aufzubauen. So hatte die islamistische Vorherrschaft über die europäischen Muslime zwei verborgene Vermittler, die Nazis und die Amerikaner. Ihre Herkunft aus der Operation Barbarossa offenbart den hässlichen Ursprung der heutigen Stärke der Islamisten. Hitler und seine Strolche hätten das nicht vorhersehen können, aber sie halfen dabei die Bühne für Eurabia zu bereiten. Amerikanische Unterstützung für Islamisten veranlassen Johnson vor der Sinnlosigkeit der Verbündung mit der Muslimbruderschaft und ihresgleichen zu warnen – wie es Tony Blair vor kurzem wieder einmal versuchte. So verlockend das auch ist, es ist für den Westen ausnahmslos schädigend. Die Lektion ist einfach: Man muss sich der Geschichte bewusst sein und nicht den Islamisten assistieren.

Updates vom 25. Mai: (1) Dem veröffentlichten Buch fehlen Fotografien, die helfen würden den führenden Protagonisten Leben zu geben. Glücklicherweise sind solche auf Ian Johnsons Internetseite verfügbar. Ich habe ein paar davon oben eingefügt.

(2) Zufälligerweise verbrachte ich den Sommer 1953 im Alter von drei Jahren in München, genau zu dem Zeitpunkt, als die Stadt zum Zentrum des islamischen Aktivismus entwickelte und eben aus dem Grund, weil ein wichtiger Teil der ehemals sowjetischen Muslime dort lebte. Ein Auszug aus der Autobiografie meines Vaters Richard Pipes (Vixi: Memoirs of a Non-Belonger, S. 74) erklärt, warum er die Familie mit nach München nahm:

  • Ende Mai 1951 ließen Irene und ich Daniel bei unseren Eltern und gingen mit finanzieller Unterstützung des Center of International Affairs am MIT auf eine viermonatige Reise nach Europa und in den Nahen Osten. Ich wollte die überlebenden Mitglieder von Regierungen der Staaten interviewen, die in der Zeit von 1917-1921 selbstständig waren und vorher zum russischen Reich gehörten. Ich fand ein paar von ihnen in London, Paris, München und Istanbul; sie halfen mir enorm die komplexe Lage dieser Zeit zu verstehen. In Paris stellte ich Kontakt mit der georgischen Emigranten-Gemeinde her. Zwei Jahre später verbrachte ich einen weiteren Sommer in Europa, diesmal in München, und interviewte Flüchtlinge aus dem sowjetischen Zentralasien, fast alles ehemalige Kriegsgefangene in Deutschland. Die Informationen, die sie zum Leben in ihren Regionen in den 1930-er Jahren gaben, verstärkten meine Überzeugung, dass der Nationalsozialismus in den Grenzrepubliken der UdSSR gesund und munter weiterlebte und dass keine Massenassimilation stattfand.

Seine Forschungarbeit aus diesem Sommer lieferte die Grundlage für seinen Artikel „Muslims of Soviet Central Asia: Trends and Prospects“ (Muslime aus dem sowjetischen Zentralasien: Trends und Aussichten), The Middle East Journal, Frühjahr 1955, S. 147-162 und Sommer 1955, S. 295-308.

Originalartikel danielpipes.org

Dr. Sabine Schiffer ist Leiterin des Instututs für Medienverantwortung und eine der führenden Verteidigerinnen des Islam. Sie verneint sowohl die Tatsache einer (geplanten) Islamisierung Deutschlands als auch die Frage, ob der Islam eine gewalttätige Religion ist. Die Islamkritik ist für sie die Folge des schlechten Bildes, das der Islam in den Medien hat – und natürlich auch Folge der Kritik in den islamkritischen Blogs wie diesem.

Frau Dr. Sabine Schiffer gehört zur Zunft der Publizisten und Autoren. Sie leitet das anderthalb Frau-Institut für Medienverantwortung in Erlangen. Patrick Bahners, eine ihr geistig verwandte Seele bezüglich der Islamapologetik, bezeichnet sie als Medienwirkungsforscherin; d.h., sie popelt in den Medien und fördert böse Islamkritik zutage. Henryk M. Broder hat sie mal liebevoll als das „Orakel von Erlangen“ tituliert – der Begriff passt bei weitem besser. Besonders aufgefallen ist sie durch ihr mit einem Co-Autor verfasstes Buch „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“. Allein dieser Vergleich ist schon antisemitisch, denn Antisemitismus ist eine spezielle gegen Juden gerichtete Form des Rassismus, wohingegen es sich beim Begriff Islamophobie um „einen unwissenschaftlicher Kunstbegriff handelt, der legitime Kritik an der totalitären Ideologie des Islams pathologisieren und somit Kritiker des Islams mundtot machen soll. Frauen, die sich im Iran im Zuge der islamischen Machtergreifung 1979 nicht der islamischen Kleiderordnung (Totalverhüllung) unterwerfen wollten, wurde staatlicherseits der Vorwurf der Islamophobie gemacht, bevor manchen von ihnen der Schleier buchstäblich auf den Kopf genagelt wurde.“ (Zitiert aus den FAQ der Bürgerbewegung Pax Europa (BPE). Pierre Cassen, der Gründer der französischen Intersite Riposte Laïque, bezeichnet diesen Vergleich als obszön. Aber das stört unsere Dame nicht weiter. Unter einer Phobie versteht man eine nicht rational erklärbare Angst (Arachnophobie ist beispielsweise die Angst vor Spinnen). Islamophobie ist letztendlich eine unsachliche Bezeichnung für Islamkritik, denn diese Angst ist sehr wohl rational erklärbar, und das nicht erst seit 9/11. Und diese mit Antisemitismus, d. h. Rassismus gleichzusetzen, ist schon rassistisch. Islamkritik richtet sich gegen eine als Religion getarnte poltische Ideologie.  Antisemitismus richtet sich gegen die Juden, die sich nicht nur als Religionsgemeinschaft, sondern auch als Volk begreifen. Islam ist keine Rasse. Dieser Ideologie gehören Menschen aus der ganzen Welt an. Es eint sie der Hass auf die Ungläubigen. Keiner hat Frau Schiffer besser beschrieben als Henryk M. Broder:

  • (…) drücken wir dem Orakel von Erlangen die Daumen, dass es auch weiterhin in der Lage sein möge, mit wissenschaftlicher Inkompetenz, faktischer Inkonsistenz und sprachlicher Inkontinenz den Diskurs über den Islam zu bereichern.

Mit anderen Worten: was die Schiffer über Islam und Islamkritik von sich gibt ist Schwachsinn in Potenz. So schreibt sie:

  • „Die Auswahl bestimmter Aspekte aus der so genannten islamischen Welt und die Kombination verschiedenster Informationsfetzten über Jahrzehnte hinweg haben für eine eine verknüpfte Wahrnehmung disperatester  Motive mit dem Islam gesorgt, die eigentlich allen möglichen soziologischen Faktoren zuzuordnen sind und die inzwischen dazu beitragen, dass Islamisten oder gar Muslimen ihre Menschenrechte abgesprochen werden.“

Ehrenmorde, weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung, die Steinigung der Apostaten, derartige Verbrechen werden weniger von den Inuit in Canada, sondern vielmehr von Mohammedanern begangen. Auch christliche Südsudanesen pflegen diese Verbrechen eher selten zu begehen. Im übrigen hat sich die Islamkritik erst als zaghaftes Pflänzchen nach 9/11 entwickelt, vorher gab es keine dezidiert islamkritischen Blogs. Frau Schiffer ergeht sich:

  • „Die subtilen Bewegungslinien der frühen islamistischen Ideologien werden nicht nachvollzogen. So bleibt einem Großteil der Öffentlichkeit verschleiert, dass Hassan al-Banna, der Begründer der Muslimbruderschaft in Ägypten, die islamischen Tugenden für eine durchaus optimierungsbedürftige Moderne nutzbar machen wollte.“

Hassan al-Banna war ein Antisemit ersten Ranges und großer Verehrer Hitlers, das verschweigt Frau Schiffer natürlich. Und was an dieser Moderne so optimierungsbedürftig sein soll, das teilt sie uns auch nicht mit, weil sie dazu nicht in der Lage ist. Bei der Muslimbruderschaft handelt es sich ganz klar um eine Terrororganisation, die Europa islamisieren will, Tariq Ramadan, der Enkel al-Bannas, vertritt sie hier auf europäischer Ebene. In ihrem neuesten Elaborat, einem Artikel in der Rheinischen Zeitung über den Mord an Marwa el Sherbini schreibt sie:

  • „Dabei ist eine solche Tat, in der der Täter sein Opfer als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpfte, ein eindeutiges Signal, dass die Saat der antiislamischen Hassprediger wie auch deren Pendants der sinn-induktiven Verknüpfung von Gewaltthemen mit Symbolen des Islams in den Mainstream-Medien aufgeht. Wenn sich die Politik weiterhin wie bisher dilettantisch mit dem Erstarken eines antiislamischen Ressentiments als Ausdruck von Meinungsfreiheit befasst und Probleme ausschließlich aufseiten von Muslimen vermutet, werden wir die längst gerufenen Geister bald nicht mehr bändigen können.“

Bei der sinn-induktiven Verknüpfung von Gewaltthemen mit Symbolen des Islams handelt es sich natürlich um ein fürchterliches Verbrechen gegen die Religion des Friedens™. Die Karikaturen der dänischen Zeichner waren letztendlich nur Klartext in Bildern, denn sie bewiesen, wie gewalttätig die Religion des Friedens™ ist. Aber Frau Schiffer geht es in erster Linie um die Bändigung der Meinungsfreiheit: als gute autoritätsgläubige Deutsche mag sie dem Mitbürger nicht all zu viel Freiheit zugestehen. Der Obrigkeit gehorchen ist die erste Pflicht für Jud‘ und Christ. So dichtete schon Heinrich Heine, der wusste auch ein Lied von der gebändigten Meinungsfreiheit zu singen. Freiheit ist den in kollektivistisch verhafteten Denkmustern Beheimateten immer schon ein Gräuel gewesen. Frau Schiffer zitiert den Täter Alexander Wiens:

  • Jeder weiß, dass der Islam eine gefährliche und verrückte Religion ist, deren Angehörige die anderen „Nichtislamisten“ für unrichtige Menschen halten, die es entweder zu bekehren oder zu vernichten gilt. Ganz zu schweigen dass derjenige Teil der Islamisten, die in Deutschland leben, auf keinen Fall das Land und deren Kultur akzeptieren wollen, sondern sie geben sich alle Mühe, es unbedingt nach ihrem Geschmack und seinen verrückten religiösen Vorstellungen zu verändern, anstatt sich selbst anzupassen. Angesichts des allen ist durchaus verständlich, dass ich sie für Feinde halte und versuche nach Möglichkeit nicht mit ihnen in Kontakt zu kommen. Falls sie trotzdem in meine Privatsphäre eindringen wollen, trotz meiner Warnungen, werde ich schnell nervös. Keiner auf der ganzen Welt kann mir vorschreiben, dass ich Feinde in meiner Nähe tolerieren muss…

Wiens ist geisteskrank, das wurde von der russischen Armee bestätigt, aus der er entlassen wurde, er leidet unter Schizophrenie, aber nichts desto trotz weiss er, wie der Islam in Europa tickt. Offensichtlich kennt er sich besser aus, als SS, die Frau mit den richtigen Initialen.

Von Hannah Zacharias (jüdische Naturwissenschaftlerin mit Wohnsitz in Deutschland).

Originalartikel Michael Mannheimer Blog

Die Vertreter der Islamkonferenz trafen sich zum zweiten Mal in ihren Arbeitsgruppen. In einer Streitschrift untersucht Necla Kelek, was die Muslime von Europas Werten trennt.

Es geht um die Integration der Muslime und somit um das Verhältnis der Religion, des Islam zur Gesellschaft, um Menschenrechte, die unteilbar sind, auch für muslimische Frauen und Männer. Es wird über europäische Werte wie die Religionsfreiheit gestritten und den säkularen Staat. Die Publizistin und Soziologin Necla Kelek („Die fremde Braut“) setzt sich in ihrer Streitschrift mit den Prämissen auseinander, unter denen diese Gespäche geführt werden. Ohne kritische Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext, dem Koran, islamischen Traditionen und Sitten, der Freiheitsfeindlichkeit und dem kollektivistischen Gesellschaftsmodell, das der Islam verfolgt, werde es keine Integration der Muslime in Europa geben. Islamwissenschaftlern wie Tariq Ramadan wirft sie Frauenfeindlichkeit und eine Gegenaufklärung vor, die das Ziel hat, die europäische Moderne zu islamisieren und den Westen zu diffamieren.

In den aktuellen Grenzen der Europäischen Union leben zurzeit mehr als zwanzig Millionen Menschen, zwölf Millionen davon sind Migranten in Westeuropa, die zu den Muslimen gerechnet werden und deren Zahl sich in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Erfüllen sich die Wünsche der Türkei, wird der Islam in absehbarer Zukunft ein bedeutender Faktor nicht nur der Außen-, sondern auch der europäischen Innenpolitik sein. Die Auseinandersetzung mit dem, was Islam ist und wie er gelebt wird, berührt also den Kern der europäischen Zukunft. Der Islam selbst hat in den 1400 Jahren seiner Geschichte in Europa so gut wie keine Wurzeln schlagen können. Der Islam ist eine arabische Religion, auch wenn sie sich universalistisch gibt. Er kennt keine Individualität, sein Menschenbild ist nicht gerüstet für die Moderne, die den selbstverantwortlichen Einzelnen braucht; der Islam verfolgt ein anderes, ein kollektivistisches Gesellschaftsmodell. Der Islam hat nicht nur den Anspruch, ein Glaube zu sein, sondern er steht als Religion für die Einheit von Leben, Glauben, Gesetzen und Politik. Dies widerspricht der Säkularisierung. Der Islam versucht, seine Rechte als Kollektiv von Gläubigen einzufordern, wobei die aufgeklärte Gesellschaft zuallererst das Recht des Einzelnen schützt.

Die militärischen Eroberungszüge scheiterten

Wenn jemand bei uns die Haltung der katholischen Kirche zur Verhütung oder zur Homosexualität kritisiert, würde niemand auf die Idee kommen, dass damit zugleich der katholische Glaube an sich oder die Religiosität Einzelner in Frage gestellt wird. Kritisiert man aber die Haltung der Muslime zu Frauen und nennt man diese unmenschlich, kommt der Einwand, man könne doch den Glauben nicht in Frage stellen. Das ist das Dilemma des Islam: dass er im Persönlichen ein Weg zur Spiritualität sein kann, dass niemand das Erleben des Einzelnen in Frage stellen will, sich aber der einzelne Muslim als ein der Gemeinschaft verpflichtetes Sozialwesen verhält, das die eigene Anschauung für das Ganze hält. Die ersten beiden großen Versuche des Islam, in Europa Fuß zu fassen, waren militärische Eroberungszüge und scheiterten – im siebten Jahrhundert in den Schlachten von Tours und Poitiers und 1683 vor Wien. Nach seiner intellektuellen Blütezeit im neunten Jahrhundert, als sich Mohammeds Lehre mit der Ratio des Aristoteles zu vereinen schien und die Neugier die Wissenschaften entfachte, gewann der Islam beispielsweise durch den islamischen Gelehrten Ibn Rushd, genannt Averroes (1126 bis 1198), Einfluss auf das christlich-europäische Denken und eröffnete Europa einen Zugang auf das umfassende Erbe der griechischen Philosophie. Aber spätestens mit Averroes‘ Niederlage verschwand der Zweifel und damit auch die Innovationskraft aus dem islamischen Denken und führte zu dem beklagenswerten Zustand, in dem sich die islamische Theologie und die Wissenschaften der muslimischen Welt nach Untersuchungen des Arab Human Development Report der Vereinten Nationen auch heute noch befinden. Weder von den militärischen noch von den intellektuellen Niederlagen hat sich der Islam seither erholt. Sie haben vielmehr ein nachhaltiges Minderwertigkeitsgefühl erzeugt, das seine Kompensation im Fundamentalismus sucht.

Der Versuch, die europäische Moderne zu islamisieren

Diese Haltung hat in Europa in Tariq Ramadan, einem Professor für Islamstudien an der Universität Oxford, ihren eloquentesten Fürsprecher. Er versucht die offensichtlichen Niederlagen des Islam in Siege umzudeuten. Ramadan ist ein Vertreter der Antiaufklärung und der Restauration des Islam. Wenn er in seinem Buch „Der Islam und der Westen“ zu dem Schluss kommt: „Die islamische Welt ist eine Welt der Erinnerung“, meint er damit die Haltung, das Streben danach, den Zustand des „Jahrhunderts des Propheten“ Mohammed wiederherzustellen. Er hält es demzufolge für sinnlos, gar beleidigend, eine Modernisierung des Islam einzufordern, weil die Umma im Medina des siebten Jahrhunderts das Ideal der islamischen Gesellschaft darstellt. Dafür muss er einen großen Teil der islamischen Theologie und Philosophie aus der Geschichte streichen. So kommen in seiner Darstellung der Geschichte des Islam das achte bis elfte Jahrhundert gar nicht vor, weil es ihm offensichtlich nicht passt, was die Mu’taziliiten über die Freiheit des Menschen, die Vernunft und den Glauben mit den Methoden der Rationalität gemeinsam mit Christen erdachten. Wenn Tariq Ramadan achthundert Jahre später immer noch die Vernunft und den Zweifel aus dem Glauben zu verbannen sucht – „Erforschen, erkunden, verstehen bedeutete niemals, mit Gott in Widerstreit zu treten oder die Spannung des Zweifels über das höchste Wesen und seine Präsenz zu erfahren“ -, dann bewegt er sich auf einer Linie mit dem Ajatollah Chomeini, der sagte: „Wir wollen keine Kopfmenschen.“ Und wie für Chomeini sind auch für Ramadan westliche Werte nichts anderes als Geißeln des Imperialismus: „Die westliche Lebensweise stützt sich auf und erhält sich durch die Verführung zur Aufstachelung der natürlichsten und primitivsten Instinkte des Menschen: sozialer Erfolg, Wille zur Macht, Drang zur Freiheit, Liebe zu Besitz, sexuelles Bedürfnis usw.“ Obwohl er darüber redet: Zur Integration der Muslime in Europa trägt Ramadan nichts bei, er sagt, es gehe nicht um eine „Integration der Muslime in ihre westliche Umwelt, sondern eine Integration der Umwelt in das ewige Universum der Muslime“. Es ist der Versuch, die europäische Moderne zu islamisieren.

Der „Islam an sich“ soll sauber bleiben

Das Bekenntnis zu westlichen Verfassungen und Gesetzen erscheint in diesem Kontext als Lippenbekenntniss. Wer wie Ramadan sagt: „Der Koran verbietet es, dass eine muslimische Frau einen Nichtmuslim heiratet. Wenn das geschieht, dann können wir sagen, dass die Frau die Gemeinschaft verlässt“. Wer sich dann konsequenterweise nicht zur Ächtung der Steinigung von Frauen bekennen kann, der schließt sich selbst aus dem Diskurs über die Reform des Islam und der europäischen Werte aus. Das scheint ganz im Sinne einer anderen Reformbewegung des Islam, der von der türkischen Religionsbehörde Diyanet geförderten „Ankaraner Schule“. Den Ankaraner Gelehrten zufolge ist der Koran kein Buch, sondern eine Rede Gottes an eine bestimmte Gruppe von Menschen zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Region. Nur wer die Umstände der Offenbarung kennt – die Geschehnisse um den Propheten Mohammed vor 1400 Jahren -, kann verstehen, was Gott den Menschen mitteilt. Nur zehn Prozent dessen, was der Koran sagen will, stehen im Text, der Rest sei interpretationsbedürftige Geschichte. Neu an dieser Auffassung und zu begrüßen ist, dass der Koran im historischen Kontext gelesen werden soll. Das war überfällig, für die Rechtsschulen aber stellt diese Auffassung ein Sakrileg dar. Doch ein heiliger Kernbestand bleibt auch in dieser Auffassung. Sie unterstellt, es gäbe eine „wahre“ göttliche Botschaft, einen mythischen Kern, der sich nur verberge und den es zu suchen gelte. Um eine historisch-kritische Annäherung geht es auch den Ankaranern nicht. Eher um eine listige Aussperrung aller Grausamkeiten der islamischen Geschichte und gegenwärtigen Praxis. Der „Islam an sich“ bleibt sauber.

Der Prophet als Freund der Frauen

Mir kommt diese Methode vor, als schäle jemand eine Zwiebel, um ihren eigentlichen Kern freizulegen. Ich fürchte nur, die Häute, der Geruch, der Geschmack, die Tränen waren schon das Eigentliche. Den Islam von den Sitten, den Riten, den Traditionen, der Sunna, den Hadithen, dem historischen Kontext zu befreien und zu hoffen, so auf die eigentliche Offenbarung zu stoßen, scheint mir aussichtslos. Ähnliche Schwierigkeiten weisen die Argumentationsketten der feministischen Koranauslegung auf, wie sie in den verdienstvollen Büchern von Fatima Mernissi und derzeit auch von Nahed Selim mit ihrem Buch „Nehmt den Männern den Koran!“ entwickelt werden. Beide verstehen sich als Teil einer Frauenbewegung im Islam. Beide wollen den muslimischen Frauen zu ihrem Recht verhelfen und berichten von aufschlussreichen historischen Begebenheiten um den Propheten, seine Frauen und die Deutung von Koran und Hadithen. Fatima Mernissi ist bemüht, den Propheten als Freund der Frauen zu rehabilitieren, und schiebt die Schuld an ihrer Unterdrückung seinen Nachfolgern zu.

Freiheit erlangt, wer sich Allahs Gesetzen unterwirft

Nahed Selim macht deutlich, welche patriarchalischen Interessen hinter einzelnen Geschichten um Mohammed und Aisha verborgen sind, und empfiehlt schlicht, die diskriminierenden Verse des Korans einfach zu ignorieren. Sie schreibt: „Muslimische Frauen von heute brauchen persönliche, intime Interpretationen der Texte, die so weitgehend ihr Leben bestimmen . . . Persönliche Interpretationen, in denen die Frau nicht wie selbstverständlich der geborene Sündenbock der Familienehre ist und dem Fortbestand des Stammes geopfert wird.“ Ihre Empfehlung lautet: jeder Frau ihren Koran. Die Frauen sollten doch einfach bestimmte Verse „vergessen“. Solange sich Frauen in einer ausweglosen sozialen Situation befinden, solange sie „unter“ dem Islam und „unter“ ihren Männern leben, muss alles, was gepredigt und verlangt wird, darauf überprüft werden, ob es überhaupt mit den Lehren übereinstimmt. Diese feministische Interpretation des Korans ist legitim. Aber sie ist nicht die Lösung. Zumindest in Europa haben wir diese Lösung schon – die Gleichberechtigung der Frau und die Trennung von Staat und Religion. Der Koran, Sure 3, Vers 20 sagt über den Kern des Glaubens: „Ich ergebe mich.“ Stellen wir die Frage: Wann ist der Mensch frei? Das arabische Wort für Freiheit ist „hurriyya“, es meint, erläutert der Historiker Dan Diner, in seiner ursprünglichen Bedeutung einfach das Gegenteil von Sklaverei und nicht die Befreiung des Einzelnen von jedweder, auch jeder religiösen Bevormundung sowie das Recht, sich in die politischen Angelegenheiten einzumischen. Für gläubige Muslime besteht in diesem Sinne Freiheit in der bewussten Entscheidung, „den Vorschriften des Islam zu gehorchen“. Freiheit erlangt, wer sich Allahs Gesetzen unterwirft. Und da Gott auf Erden „vertreten“ wird durch die Väter, die Brüder, die Onkel und so weiter, ist der Gehorsam gegenüber allen Autoritäten des Patriarchats gottgegeben.

Gleiche Würde, nicht gleiche Rechte

Die europäischen westlichen Gesellschaften halten den Menschen für vernunftbegabt und fähig, seine Triebe zu beherrschen. Selbst der Mann, der in der eigenen Wohnung seiner Frau Gewalt antut, muss mit Strafverfolgung rechnen. Wenn die Muslime meinen, die Triebhaftigkeit des Mannes nur dadurch beherrschen zu können, dass man die Frau aus der Öffentlichkeit verbannt oder die Frauen und Töchter unter den Schleier zwingt oder verheiratet, dann widerspricht das den Werten unserer Gesellschaft von der Selbstbestimmung des Menschen. Der Koran, Sure 4, Vers 34 sagt: „Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie von Natur vor diesen ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen gemacht haben. Und die rechtschaffenden Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was den (Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott darum besorgt ist, weil Gott darauf acht gibt. Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“ Diese und andere Verse, die die Frauen mal freundlicher, mal feindlicher behandeln, beschreiben Frauen nicht als Wesen mit gleichen Rechten, sondern bestenfalls mit gleicher Würde. Die Gesellschaft bleibt vertikal getrennt, in die Gesellschaft der Männer, denen die Öffentlichkeit gehört und die Gesellschaft der Frauen, die ins Haus und unter die Herrschaft der Männer gehören. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau, von manchen Muslimvertretern als selbstverständlich dargestellt, gibt es im Islam nicht. Die ganzen Regelungen des Korans in Bezug auf Scheidung, Kinder, Sexualität stellen die Männer über die Frauen. Gleichberechtigung unter Muslimen gibt es nur in säkularen Gesellschaften und auch nur dort, wo die Muslime selbst sich säkularisiert und keine Parallelgesellschaften gebildet haben.

Zwangsheirat und Jungfernkult

Es gibt Säkularisierung und Gleichberechtigung in keinem islamischen Land, weder in Iran noch in Marokko, noch für große Gruppen von Frauen in der Türkei, offiziell ein laizistischer Staat, in dessen Verfassung die Gleichberechtigung verbrieft ist. Der Islam, seine Traditionen und Riten zwingen die Frauen überall dort, wo der Islam dominiert, in die Apartheid. Deutlich wird das auch in dem von den muslimischen Gemeinschaften in Europa praktizierten „Zwang zur Heirat“ und in dem auf den Propheten Mohammed zurückgehenden Jungfernkult. Der Koran sagt: „Und verheiratet die Ledigen unter euch und die Rechtschaffenden von euren Sklaven und Sklavinnen.“ Das bedeutet in der Tradition des islamischen Lebens, dass die Familie oder ein Vormund (ein männlicher Verwandter), „Wali“, für die Heirat der Kinder verantwortlich sind. Noch heute gilt in fast 52 Ländern mit muslimischen Ehestandsrecht, dass eine Frau, ganz gleich welchen Alters, ohne Zustimmung ihres Wali nicht heiraten darf. Die Praxis der Zwangsheirat und der arrangierten Ehe widerspricht den europäischen Werten und Gesetzen, wonach niemand zur Ehe genötigt werden darf. Mohammed sagt nach einem Hadith zu einem Mann, der nicht heiraten will: „Dann bist du nicht von unserer Gemeinde, dann bist du ein Bruder des Teufels.“ In Europa muss gewährleistet bleiben, dass jede Frau und jeder Mann frei entscheiden kann, wen, wann und ob er heiraten will. Das aber ist in der muslimischen Gemeinschaft nicht möglich, denn sie sieht in dem Menschen kein Individuum, sondern ein Sozialwesen, das der Gemeinschaft der Muslime, der Umma, verpflichtet ist.

Es geht grundsätzlich um das Selbstverständnis Europas

Am 5. August 1990 unterzeichneten 45 Außenminister der Organisation der Islamischen Konferenz, des höchsten weltlichen Gremiums der Muslime, die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“. Darin legten Muslime aus aller Welt gemeinsam ihre Haltung zu den Menschenrechten dar. Das Dokument hat keinen völkerrechtlich verbindlichen Charakter, erhellt aber die Haltung des Islam zu den Grundrechten. Die wichtigsten Feststellungen dieser Erklärung stehen in den letzten beiden Artikeln. Artikel 24: „Alle Rechte und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt werden, unterstehen der islamischen Scharia.“ Artikel 25: „Die islamische Scharia ist die einzig zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung.“ Und in der Präambel heißt es: „Die Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz betonen die kulturelle Rolle der islamischen Umma, die von Gott als beste Nation geschaffen wurde und die der Menschheit eine universale und wohlausgewogene Zivilisation gebracht hat.“ Anders als in demokratischen Verfassungen ist hier nicht vom Individuum die Rede, sondern von der Umma, der Gemeinschaft der Gläubigen, vom Kollektiv. In konsequenter Fortsetzung dessen erkennt die Erklärung der Muslime nur jene Rechte an, die im Koran festgelegt sind, und wertet – gemäß der Scharia – nur solche Taten als Verbrechen, über die auch Koran und Sunna gleichermaßen urteilen: „Es gibt kein Verbrechen und Strafen außer den in der Scharia festgelegten“ (Artikel 19). Gleichberechtigung ist in dieser Erklärung nicht vorgesehen, dafür soziale Kontrolle und Denunziation legitimiert, wie Artikel 22 deutlich macht: „Jeder Mensch hat das Recht, in Einklang mit den Normen der Scharia für das Recht einzutreten, das Gute zu verfechten und vor dem Unrecht und dem Bösen zu warnen.“ Das ist eine mittelbare Rechtfertigung von Selbstjustiz. Wenn wir also über den Islam in Europa reden, müssen wir ganz grundsätzlich über das Selbstverständnis Europas reden. Bei der geforderten Anerkennung der „Kultur des Islam“ geht es um Freiheit, Säkularisierung und um Menschenrechte. Können wir, wie Tariq Ramadan fordert, es den Muslimen überlassen, „selbst zu entscheiden“, was Integration für sie heißt?

Originalartikel Frankfurter Allgemeine Zeitung