Mit ‘Tschetschenien’ getaggte Beiträge

Immer mehr Tschetschenen wandern über Weißrussland nach Polen aus. Die meisten reisen weiter nach Deutschland, obwohl sie eigentlich in Polen einen Asylantrag stellen müssten. Der Grenzschutz ist überfordert

In der Schalterhalle des Bahnhofs in der weißrussischen Grenzstadt Brest drängeln sich schon am frühen Morgen „Ameisenhändler“ mit großen karierten Plastiktaschen vor den Fahrkartenschaltern. Sie wollen in Polen einkaufen, wo bestimmte Waren billiger sind. Ein paar Touristen und Leute, die ihre Verwandten am anderen Ufer des Grenzflusses Bug besuchen wollen, stehen ebenfalls in den langen Schlangen an. So weit ist es das gewohnte Bild, das sich seit der politischen Wende in Osteuropa vor gut 20 Jahren am Bahnhof von Brest bietet. Neu sind in diesem Bild die tschetschenischen Großfamilien, die Frauen im Kopftuch oder im Hidschab und in langen Röcken, die bis zu den Fußknöcheln reichen. Einigen geschäftstüchtigen Weißrussen kommen die Exoten aus dem nordkaukasischen Armenhaus der russischen Föderation gelegen. Sie versuchen, den Tschetschenen in den Warteschlangen Fahrkarten zu überhöhten Preisen anzudrehen. Manche greifen zu, weil sie den Zug nach Terespol in Polen, das auf der anderen Seite des Bugs beginnt, auf keinen Fall verpassen wollen. Es bleibt noch eine Viertelstunde bis zur Abfahrt. In der Abfertigungshalle schleusen Grenzbeamten die Menge eilig durch. Fast im Sekundentakt hämmern sie mit ihren Stempeln Sichtvermerke in die Pässe. Deutschland ist zum wichtigsten Ziel der Auswanderung geworden
Unter den Wartenden sind an diesem Morgen weit mehr als hundert Tschetschenen. Viele halten kleine Kinder an den Händen, sie drängen zum Bahnsteig und in den bereitstehenden Bummelzug. Es ist Freitagmorgen kurz vor acht Uhr. Aber es könnte auch jeder andere Wochentag sein. Die Schlangen sind stets dieselben. Weißrussland ist seit fast zwei Jahrzehnten mit Russland durch eine im Aufbau befindliche Staatenunion verbunden, und trotz des unfertigen Charakters dieser Union herrscht Freizügigkeit im Personenverkehr. Deshalb können Tschetschenen, die ja russische Staatsbürger sind, problemlos zum Bahnhof von Brest reisen. Aus der Sicht der Anrainer, der Westeuropäer und der Deutschen, dürfte die Mehrheit in den Zug nach Terespol allerdings nicht einsteigen. Tschetschenen bekommen nur in seltenen Fällen ein Touristenvisum für den Schengenraum. Trotzdem kommen von Weißrussland über Polen in den vergangenen Monaten immer mehr Tschetschenen nach Deutschland, das zum wichtigsten Ziel der Auswanderung geworden ist. Das Bundesinnenministerium meldete unlängst, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 9.957 Russen einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben. Im gesamten Vorjahr waren es nur 3.200 Anträge. Aus Sicherheitskreisen ist zu erfahren, dass fast 90 Prozent der russischen Antragsteller aus Tschetschenien kommen. Vor der Abfahrt des Frühzugs nach Polen erklärt ein hoher Beamter vom Komitee für den Schutz der Grenze die weißrussische Position. Er sehe keinen Grund, sagt der Mann im Rang eines Oberst, russische Staatsbürger, die im Besitz eines gültigen Reisepasses seien, an der Ausreise nach Polen zu hindern. Das ist die Linie von Präsident Aleksandr Lukaschenko, der vor einem Jahr – als der Streit zwischen Minsk und Brüssel wegen der politischen Verfolgungen in Weißrussland wieder einmal einen Höhepunkt erreicht hatte – anordnete, die Grenzkontrollen bei der Ausreise in EU-Gebiet zu lockern. Er ließ sogar die Zahl der Grenzwächter verringern. Lukaschenko hatte schon zuvor wiederholt damit gedroht, die Schleusen für die illegale Migration zu öffnen, falls der Westen nicht aufhöre, Weißrussland politisch anzugreifen. Anderseits ist der Oberst in Brest bemüht, die Leistungsfähigkeit des weißrussischen Grenzschutzes herauszustellen. Einmal in Fahrt gekommen, zeigt er eine Karte, auf der Weißrussland in drei Zonen unterteilt ist: das unmittelbare Grenzgebiet, der grenznahe Raum und das restliche Weißrussland. Überall hielten sich Menschen auf, die im Verdacht stünden, das Land als Durchgangsstation für illegale Einwanderung in den Westen nutzen zu wollen, sagt er. Das Kartenwerk ist mit recht genauen Zahlenangaben über die Menge der potentiellen illegalen Migranten auf dem Stand von 2012 versehen. Demnach warteten mehr als 20.000 auf ihre Chance, gen Westen weiterzureisen. „Wir wissen das alles und haben alles im Griff“, sagt der Oberst stolz. Dann trägt er die eigentliche Botschaft vor: Es sei an der Zeit, dass Brüssel mehr Geld zur Unterhaltung und Modernisierung der alten sowjetischen Grenzanlagen beisteuere, sagt der weißrussische Grenzschützer.

„Deren Asylantenheime reichen doch nie und nimmer aus“

Ein Vierteldollar je Grenzkilometer sei viel zu wenig, und die Grenzanlagen seien ja nicht nur zum Schutz des weißrussischen Territoriums da, sondern auch der Westeuropäer vor ungewollten Migranten. Noch seien Grenzübertritte über die grüne Grenze eine Seltenheit, sagt er zur Untermauerung seiner Forderung nach Geld. Von den etwa 19.000 „Polen-Reisenden“, wie er sie nennt, seien im vergangenen Jahr zwar 11.000, meist Tschetschenen, auf der anderen Seite der weißrussischen Grenze abgewiesen und nach Weißrussland zurückgeschickt worden. Aber die restlichen 8.000 seien ja wohl noch in Polen, und der Andrang aus Tschetschenien nehme ständig zu. „Was machen die Polen eigentlich mit den Tschetschenen, die sie als Asylbewerber ins Land lassen?“, fragt der Oberst. „Deren acht Asylantenheime für jeweils höchstens 300 Menschen reichen doch nie und nimmer aus, um diese Menschenmengen aufzunehmen.“ Im Zug nach Terespol sitzen die Menschen bunt gemischt durcheinander. Aber während der 15 Minuten, die er in Richtung Terespol zuckelt, kann man mit jeder Minute, die vergeht, mehr und mehr spüren, wie die Anspannung unter den Kaukasiern zunimmt. Sie reden nur noch miteinander und vermeiden sogar den Blickkontakt mit anderen Mitreisenden. Nur Mowladi, ein Tschetschene aus der Gegend von Grosnyj, erzählt im Durchgang zwischen zwei Wagen bei einer Zigarette ungefragt, dass die Personaldokumente und alles Geld seiner Familie in Moskau gestohlen worden seien. Seine Frau und fünf Kinder sitzen im Abteil nebenan. Nur die Reisepässe seien ihnen geblieben, sagt Mowladi. Vielleicht habe der Dieb Mitleid gehabt, die Pässe brauchen sie schließlich, um bis Terespol zu kommen. Der Tschetschene will wissen, was er den Polen denn nun sagen solle. Offensichtlich ist er auf der Suche nach einer glaubhaften Geschichte für das Verhör, das ihn wie andere Asylbewerber bald erwartet, einer Geschichte, die ihm die Tür zur Europäischen Union öffnet. Ein Schengenvisum hat Mowladi für seine Familie nicht. Als die Türen des Zugs endlich geöffnet werden, löst sich das buntgemischte Völkchen der Passagiere in seine ethnischen Bestandteile auf. Die Schaffnerin ruft den polnischen Grenzwächtern zu, wie viele Passagiere ohne Einreisevisum gekommen sind. Dann dürfen Weißrussen, die Einreisegenehmigungen besitzen, Polen und andere EU-Bürger aussteigen und zur Passkontrolle eilen. Die anderen, alle Tschetschenen, von denen offenbar keiner ein Visum hatte, müssen lange warten. Sie werden erst sehr viel später aus dem Zug gelassen und durch ein Spalier von Grenzbeamten in Gummihandschuhen und kugelsicheren Westen in das Bahnhofsgebäude zu den Befragungen für nicht willkommene Reisende gelotst. Einige Stunden später fährt der Zug wieder zurück nach Brest. In mehreren Wagen sitzen hinter verschlossenen Türen diejenigen, die nach der Befragung durch polnische Grenzbeamte abgewiesen wurden, weil sie ihr Gesuch um Asyl offenbar nicht überzeugend begründen konnten. Auch Mowladi hat es nicht geschafft, er verschwindet mit seiner Familie in der Menge vor dem Bahnhofsplatz von Brest. Andere werden von Verwandten in die Arme geschlossen, und in Kleinbussen geht es zurück in die „Bereitstellungsräume“, die Unterkünfte bei Privatleuten oder in einschlägigen Hotels.

Die Brester verdienen gut an den Migranten

Dort werden sie warten, bis sie das nächste Mal den Versuch zum Übertritt nach Polen wagen. Die Brester verdienen gut an den Migranten, denen sie nicht nur überteuerte Fahrkarten verkaufen, sondern auch Zimmer vermieten und Essen verkaufen. Die Unterkünfte werden immer und immer wieder an Neuankömmlinge weitergegeben, wenn die vorherigen Mieter auf Nimmerwiedersehen hinter dem Grenzfluss Bug verschwinden. An diesem Freitag dürfen rund 100 Kaukasier aus dem Reich des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow in Polen bleiben. So gehe es im Grunde jeden Tag, sagt der deutsche Polizeioffizier Robert Fischer, den es im Rahmen eines Einsatzes von Frontex, der EU-Grenzschützer, ins polnische Biala Podlaska verschlagen hat. Es komme auch vor, dass sich auf einen Schlag 300 Tschetschenen nach Terespol aufmachten. Das Städtchen Biala Podlaska liegt nicht weit von Terespol entfernt, es gibt dort ein Asylantenheim und einen nahen Grenzbahnhof, an dem Fischer die Befragung der Asylbewerber beobachtet. Jede Woche komme in Terespol ein tschetschenisches Dorf, jeden Monat eine kleinere Stadt an, sagt er. Zwei Drittel der Menschen wollten von Polen aus weiter nach Westeuropa, vor allem nach Deutschland, reisen. Eigentlich dürften sie das nicht, weil sie – um nach Polen hineingelassen zu werden – gleich in Terespol einen Asylantrag stellen müssten, den Warschauer Behörden dann weiterbearbeiteten. Polen zu verlassen sei während dieser Zeit untersagt. Aber daran hielten sich die wenigsten. Viele ließen sich nicht daran hindern, illegal nach Deutschland gehen, um dort ein zweites Mal einen Asylantrag zu stellen. Das sei zwar verboten, aber Sanktionen gegen Regelverletzer griffen nur selten. Wer von den Tschetschenen die Befragung in Terespol über die Hintergründe eines Asylbegehrens erfolgreich überstanden hat, kann im Asylantenheim wohnen und wird verpflegt. Aber auch eine geschlossene Abteilung gibt es in diesem ehemals militärisch genutzten Komplex. Diese ist von einem hohen Zaun umgeben, der martialisch noch mit einer Doppelrolle Nato-Stacheldraht bewehrt ist. Dahinter sind jene einstweilen gestrandet, die mit dem Asylantrag endgültig bei den polnischen Behörden und Gerichten gescheitert sind, die mehrfach gegen Auflagen verstoßen haben, bei Versuchen des illegalen Grenzübertritts nach Deutschland gefasst wurden oder in anderer Hinsicht kriminell geworden sind und in ihre Heimat abgeschoben werden sollen. Die anderen können sich frei im Ort bewegen – oder abhauen und untertauchen. Ohnehin erscheine höchstens ein Drittel derer, die in Terespol nach Polen hineingelassen würden und sich in Biala Podlaska eigentlich registrieren lassen müssten, auch hier, sagt Fischer. Der Rest werde bereits in Terespol abgeholt und verschwinde. Damit ist die rhetorische Frage des weißrussischen Obersten in Brest beantwortet, wo denn die Tschetschenen in Polen blieben. Ein bekannter polnischer Fernsehjournalist und Kenner der Tschetschenenfrage in seinem Land sagt später in Warschau ganz offen, dass es der polnischen Regierung ziemlich gleichgültig sei, wenn Tschetschenen nach Deutschland „durchwandern“.

Wer wirklich zu den Opfern gehört, sei schwer zu sagen

In der Warschauer Vertretung von Frontex ist dann zu erfahren, dass Tschetschenen, die von Polen illegal nach Deutschland gegangen sind, dort ein zweites Mal Asyl beantragt haben und aufgeflogen sind, nach ihrer Ausweisung in das erste Aufnahmeland Polen dort weitestgehend unbehelligt bleiben und sogar die Weiterbearbeitung ihres „polnischen“ Asylantrags verlangen können. Während der Bearbeitungszeit versuchten sie dann nicht selten, abermals nach Deutschland zu gelangen. Fischer, der deutsche Polizist im Frontex-Einsatz, ist überzeugt, dass viele Geschichten der Asylbewerber sich bei gründlicher Überprüfung als Erfindung herausstellen würden. Aber wenn einer behaupte, sein Vater sei erschossen worden und seine Familie werde in Tschetschenien mit dem Tode bedroht, dann seien jedem Polizisten nach der Genfer Flüchtlingskonvention erst einmal die Hände gebunden. Er dürfe eine solche Person nicht abweisen. Dass Kadyrow, der Moskauer Statthalter in Grosnyj, den Kampf gegen islamistische Untergrundkämpfer unter massiven Menschenrechtsverletzungen führt, ist bekannt. Wer aber wirklich zu seinen Opfern gehört, ist schwer zu sagen. Wegen der geringen Personalstärke des polnischen Grenzschutzes und des großen Andrangs in Terespol, sagt Fischer, sei es auch fast nicht möglich, das Eurodac-System richtig zu nutzen, das den europaweiten Abgleich von Fingerabdrücken von Migranten erlaube. Deshalb gelinge es vielen Tschetschenen mit immer neuen Geschichten und wechselnden Identitäten, die für sie von Helfern und Schleppern vorbereitet würden, in Polen Einlass zu finden. Nach Fischers Beobachtungen an der Grenze werde das Asylrecht in 90 Prozent der Fälle missbraucht, um soziale und wirtschaftliche Vorteile zu erzielen. Es wundert ihn nicht, dass sich Menschen aus dem Kaukasus auf die 3.000 Kilometer lange Reise an die polnische Grenze mit ungewissem Ausgang einlassen. Eine tschetschenische Familie mit drei Kindern, die sich in Deutschland um Asyl bewerbe, könne seit neuestem ein Einkommen erzielen, von dem die meisten Menschen im Nordkaukasus nur träumen könnten. So etwas spreche sich wie ein Lauffeuer herum, denn die Kommunikation zwischen den Abgereisten und den noch zu Hause Gebliebenen funktioniere blendend. Die Wanderung sei in den meisten Fällen „Sozialtourismus“. Voller Sarkasmus nennt er schließlich ein Hauptziel seines Aufenthalts an der Außengrenze der EU. Wenn sie sich gegen den Ansturm der Tschetschenen schon nicht wehren könne, wolle die deutsche Seite wenigstens verstehen, was im Osten vor sich gehe. Die zweite vorrangige Aufgabe bestehe darin, an die Hintermänner heranzukommen, die den kaukasischen Exodus organisieren und daran verdienen.

Alle redeten von Geld und Asylbetrug

Mehr darf der Offizier darüber nicht sagen, aber er scheint überzeugt, dass viel Geld im Spiel ist. Anna Galon von der Verbindungsstelle des polnischen Grenzschutzes zur deutschen Polizei in Crossen an der Oder (Krosno Odrzanskie), ist ebenfalls von der Existenz organisierter Verbrecherstrukturen überzeugt. Man sei da dran, sagt sie. Mehr darf auch sie nicht sagen. Den beiden tschetschenischen Frauen, die in Lomza das Büro der Organisation „Ocalenie“ (Rettung) leiten, finden die internationale Tschetschenendebatte allerdings viel zu einseitig. Alle redeten von Geld und Asylbetrug. Über den politischen Druck in Tschetschenien und die daraus resultierende Hoffnungslosigkeit bei den Menschen werde dagegen kaum gesprochen. In Polen seien die Tschetschenen inzwischen als Fremdkörper verhasst und würden gedemütigt, weswegen auch das Asylantenheim in Lomza vor einiger Zeit habe aufgegeben werden müssen. Fünfzig tschetschenische Familien, an die keine Wohnungen vermietet würden, müssten seither in erbärmlichen Behelfsunterkünften hausen. Die Sozialleistungen seien lausig, und Arbeit gebe es für muslimische Tschetschenen nur selten. Diejenigen, die hier gestrandet seien, würden deshalb nach einiger Zeit nur noch passiv vor sich hin vegetieren. Die jungen Menschen der dritten Emigrationswelle seit dem ersten Tschetschenien-Krieg zu Beginn der Neunziger, die jetzt nach Polen strömten, um der Gewaltherrschaft Kadyrows zu entkommen, würden angesichts dieser Verhältnisse zwischen Oder und Bug nur einen Ausweg sehen: Deutschland. Die beiden gut vernetzten Damen sind die ersten in Polen, die offen aussprechen, dass sich gegenwärtig etwa 10.000 Tschetschenen zwischen Oder und Bug aufhielten. Auch von diesen wollten die meisten nach Deutschland weiterreisen.

Originalartikel Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Gewalt islamistischer Einzeltäter wie kürzlich in Boston oder 2012 in Toulouse geht auf Abu Musab al-Suri zurück – der Syrer gilt als Chefideologe und Vordenker des neuen, dezentralen Terrorismus

Abu Musab al-Suri ist, der Name sagt es, Syrer. Geboren 1958 in Aleppo. Mit seinem rötlichen Bart, den blauen Augen, der hellen Haut könnte er aber auch ein irischer Lehrer sein. Er besitzt einen europäischen Pass; 1985 kam er nach Spanien und heiratete eine Einheimische. In England hat er ebenfalls eine Zeit lang gelebt. Das sind gute Voraussetzungen für einen global tätigen Terroristen. Suri, der einst die Treffen von Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden mit westlichen Journalisten organisierte, ist der Chefideologe der radikalislamischen Gewalt in der unmittelbaren Gegenwart. Jetzt. In Boston zum Beispiel. Den «gefährlichsten Terroristen, von dem Sie noch nie gehört haben»: So nannte ihn der US-Nachrichtensender CNN. Al-Suris Theorie ist zusammengefasst im Begriff «Jihad 3G», Jihad der dritten Generation. Die erste Generation: Das ist der Widerstand der Achtzigerjahre-Mujahedin in Afghanistan gegen die Russen. Die zweite Generation: Das sind al-Qaida und 9/11. Die dritte Generation erlebte man eben am Boston Marathon, wo die Gebrüder Tsarnaev selbst gebastelte Kochtopfbomben deponierten. Al-Suris 1500-Seiten-Schrift «Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand» begründet und lehrt diese Art Gewalt bis ins Detail. Sie fordert Terror von Einzeltätern. Dezentralen Terror überall auf der Welt. Terror von Einheimischen, die ihre eigene Zelle kreieren. Viele islamistische Gewaltakte der letzten Jahre waren nur scheinbar isolierte, sprunghafte, «irre» Handlungen. In Wahrheit sind es Punkte, die logisch verknüpft sind. Al-Suris Lehre ist die Linie, die sie verbindet. Vier dieser Zwischenfälle:

  • Boston
    Die Tsarnaev-Brüder, gebürtige Tschetschenen, sind typische Einwandererkinder. Die Eltern schuften, die Söhne sollen es besser haben, halten dem Druck aber nicht stand. Tamerlan, der dominante ältere Bruder, scheitert am College und bringt auch keine richtige Boxkarriere zustande – ein Verlierer, der sich in seiner Männlichkeit kompromittiert fühlt. Mit dem jüngeren Bruder schlägt er zu im Bestreben, als Terrorist berühmt zu werden. Laut dem französischen Orientalistikprofessor Gilles Kepel drücken die beiden «mit dem Gewaltexzess ihre Zugehörigkeit zu einer imaginären Cybercommunity von Jihadisten» aus.
  • Toulouse
    Mohamed Merah hat eine zwischen Algerien und Frankreich zerrissene Familie. Im März vor einem Jahr fährt er mit einem schwarzen Motorroller los, auf dem Kopf einen Helm mit verdunkeltem Visier. Er erschiesst zuerst einen Fallschirmjäger, der aus einer Sporthalle kommt. Tage später zwei Soldaten an einem Geldautomaten. Und wieder Tage später in einer jüdischen Schule in Toulouse einen jungen Rabbiner, dessen zwei kleine Kinder und die achtjährige Tochter des Schuldirektors.
  • Fort Hood
    2009 kommt es in der texanischen Militärbasis zu einer Amoktat. Militärpsychologe Nidal Malik Hasan betritt ein Grossraumbüro, springt mit dem Ruf «Allahu Akbar» auf einen Tisch und beginnt zu schiessen. 13 Leute sterben, 42 werden verletzt. Zuvor hat sich der Major die Radikalpredigten von Imam Anwar al-Awlaki angehört, Anhänger und Gesinnungsgefährte al-Suris.
  • London
    Roshonara Choudhry, eine Britin mit Wurzeln in Bangladesh, stürzt sich 2010 in London auf den prominenten britischen Parlamentarier Stephen Timms. Die 21-Jährige tut so, als wolle sie dem Politiker die Hand schütteln, sticht ihn mit einem Messer zweimal in den Unterleib. Timms überlebt seine schweren Verletzungen. Choudhry begründet die Attacke mit dem Militäreinsatz der Briten in Irak: «Ich bin Muslim, und alle Muslime sind Brüder und Schwestern.»

US-Präsident Barack Obama sprach nach Boston düster von «selbst radikalisierten Individuen, die schon in den Vereinigten Staaten sind». Die «New York Times» merkte an: «Offizielle Stellen sind besorgt, dass es Nachahmer geben könnte.» Die Vorlage geliefert hat al-Suri, sind sich die Experten einig. Im erwähnten Werk, das 2005 im Internet auftauchte, schrieb er: «Unsere Methode sollte darin bestehen, den Muslim, der am Widerstand teilnehmen will, dazu anzuleiten, dass er dort operiert, wo er ist oder wo er auf natürliche Weise sein kann. Wir sollten ihm raten, sein Alltagsleben auf natürliche Weise fortzuführen und den Jihad und Widerstand verdeckt und allein zu betreiben, oder mit einer kleinen Gruppe vertrauenswürdiger Leute.» Der «Bieler Gotteskrieger» Majd N., 19-jährig, der aus dem Kanton Bern nach Somalia in den Jihad zog, dabei aber kläglich scheiterte: ein Auslaufmodell. Wer in eine Konfliktzone reist, die von Geheimdiensten observiert wird, der hinterlässt potenziell Spuren. Und die Wirkung, die er zeitigt, ist im Normalfall klein. Oft stirbt er an irgendeiner Front, ohne viel bewirkt zu haben.

Der neue Terrorist informiert und schult sich per Internet

Ganz anders, wenn er zu Hause aktiv wird. Darauf wies soeben in «Le Monde» Orientalist Kepel hin, weltweit wohl der beste Kenner des islamistischen Terrors. Über die Gebrüder Tsarnaev und über Mohamed Merah schrieb er, frappant sei «die enorme Rendite der terroristischen Investition, das Echo, das unvergleichbar ist mit den armseligen Mitteln, mit denen da zu Werk gegangen wurde». Mehr als eine Million Menschen waren in Boston zu Immobilität und Hausarrest verurteilt, derweil ein Riesenaufgebot von Polizisten auf Terroristenjagd ging. Die Tsarnaevs hatten ihre Bombe aus Allerweltsmaterialien gebaut: Dampfkochtöpfe, Nägel, Schiesspulver aus Feuerwerkskörpern und Spielzeug-Fernbedienungen. Kepel nennt es den «Jihad des armen Mannes». Al-Suri, der Mann, der ihn propagiert, trat 1976 als 18-Jähriger dem paramilitärischen Zweig der syrischen Muslimbrüder bei. Sechs Jahre später kam es zur offenen Konfrontation mit der Assad-Diktatur. Diese gewann. Panzer und Flugzeuge zerstörten Hama, Hochburg der Muslimbrüder. Zwischen 10 000 und 40 000 Menschen starben. Al-Suri floh. Von Spanien und später England aus arbeitete er als Berufsagitator für alle möglichen Jihad-Kräfte. Aus seiner Sicht ist der Islam die einzig mögliche Lebensform, wohingegen die westliche Zivilisation und das Judentum mit allen Mitteln zu bekämpfen sind. 1996 ging er wieder nach Afghanistan, das nun von den Taliban dominiert wurde, stiess ins Innerste von al-Qaida vor. Nun war er endgültig Berufsterrorist.

Al-Suri kritisiert Bin Laden

Als am 11. September 2001 in New York die Zwillingstürme des World Trade Center stürzten, frohlockte die al-Qaida. Al-Suri sah im Triumph den Untergang. Tatsächlich schlugen die Amerikaner zurück. Sie zerschmetterten die Taliban-Dominanz in Afghanistan. Al-Qaida-Kader und -kämpfer, ihrer Heimbasis beraubt, flohen oder starben. Militärische Spezialkommandos, verbesserte Geheimdienstarbeit, Drohnenschläge dezimierten die Führungsriege weiter. 2006 kam Abu Musab al-Zarqawi ums Leben, der umstrittene Al-Qaida-Führer im Irak. 2011 starb Osama Bin Laden selber, die Amerikaner hatten ihren Hauptfeind in Pakistan aufgespürt. All das belegt die Diagnose al-Suris: Der heutige Jihadist hat keine Chance gegen westliche Armeen und Militärtechnologie. Die zentralisierte, die hierarchische Terrororganisation, die sich unter dem Schutz eines obskuren Regimes irgendwo einnistet, ist nie sicher – irgendwann schlägt die Cruise Missile ein. Als Osama Bin Laden noch lebte, schrieb ihm al-Suri: «Wir sitzen auf einem Schiff, das du aufgrund deiner Irrtümer verbrennst.» Al-Suris Motto auf Arabisch: «Nizam la Tanzim.» Zu Deutsch: System statt Organisation. «System» im Sinn von: eine Idee, eine Blaupause, anwendbar und übertragbar auf jeden Ort der Erde. Der neue Soldat gemäss al-Suri legt seine Einstellung nicht offen. Er schult und inspiriert sich per Internet; etwa im englischsprachigen Al-Qaida-Magazin «Inspire», das regelmässig Al-Suri-Aufsätze publiziert. Er schlägt zu, wo er lebt. Und er finanziert die Tat selber, womit das Problem entfällt, dass internationale Geldtransaktionen aufspürbar sind. Al-Suris Vision ist – siehe Boston – die einer Serie verhältnismässig kleiner Schrecknisse mit hohem Symbolwert.

Wutanfälle in der Moschee

Polizeibehörden und Geheimdienste haben das System hinter dem «Jihad al-Fardi», dem individuellen Jihad, mittlerweile erkannt. Samt der eigenen Hilflosigkeit. Die 3G-Terroristen schicken keine Mails durch die Welt, die von Geheimdiensten gelesen werden können. Sie suchen in der Regel auch keine ausländischen Trainingsplätze auf. Boston-Bomber Tamerlan Tsarnaev begab sich zwar zwischenzeitlich in die alte Heimat, doch ist noch unklar, wie «politisch» der Besuch war; eine Befragung durch den FBI überstand er. Vor der Tat fiel der ältere Tsarnaev einzig durch zwei Wutanfälle in seiner Moschee auf, als Prediger über das Thanksgiving-Fest und Martin Luther King sprachen. Es hätte bei den Gemeindeführern ein extremes Feinsensorium in Kombination mit enorm viel Vertrauen in die Behörden gebraucht, dass sie deswegen zum FBI gegangen wären, befand die «New York Times».

Al-Suri will relativ kleine Attacken mit hohem Symbolwert

Einzeltäter hätten immer wieder den Verlauf der arabischen Geschichte geändert, schreibt al-Suri. So habe die Ermordung des napoleonischen Generals Jean-Baptiste Kléber 1800 durch einen Muslim dazu geführt, dass die Franzosen ein Jahr später aus Ägypten abzogen. Al-Suris zynische Vision ist es, dass der Terror Gegengewalt auslöst, dass aufgebrachte Bürger Moscheen anzünden oder Muslime lynchen. Ziel ist es, die schweigende Mehrheit des Islams zum Jihad zu mobilisieren. Nur so könne es zum Endkampf kommen, der die westliche Zivilisation auf ihrem eigenen Terrain vernichtet. Al-Suri wurde 2005 in Pakistan gefangen genommen. Zuvor hatten die Amerikaner ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Pakistan übergab ihn der CIA, die ihn später den Syrern überliess. Die Syrer kerkerten ihn ein, sollen ihn aber einigermassen pfleglich behandelt haben. Die letzte Meldung zum Vater des Jihad 3G ist mehr als ein Jahr alt: Al-Suri soll freigelassen worden sein. Syriens angeschlagenes Assad-Regime habe so den Amerikanern vor Augen führen wollen, was passiert, wenn die Assads islamistischen Terror nicht mehr zügeln. Abu Musab al-Suri ist seither verschwunden.

Originalartikel Basler Zeitung

Österreichische Sicherheitsbehörden befürchten eine Radikalisierung: Bis zu fünf Dutzend Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und vor allem Tschetschenien sind in den Syrien-Krieg gezogen.

Der Bürgerkrieg in Syrien zieht Tausende Gotteskrieger aus aller Welt an. Die meisten pilgern aus arabischen Nachbarländern zum Kampf gegen den syrischen Diktator Bashar al-Assad. Zunehmend folgen zudem junge Muslime aus Europa dem Ruf zu den Waffen. Der Terrorismusexperte Gilles de Kerchove schätzt, dass derzeit rund 500 Islamisten aus Europa in Syrien kämpfen. Auch Österreich ist zu einem Ausgangspunkt für den bewaffneten Jihad geworden. Wie „Die Presse“ aus Sicherheitskreisen erfuhr, haben sich bis zu 60 Männer aus Österreich auf die Seite der Rebellen in Syrien geschlagen. Es handle sich dabei großteils um syrische, pakistanische, afghanische und tschetschenische Asylwerber oder Flüchtlinge. In den vergangenen Monaten hätten sich zehn bis 15 Tschetschenen aus Österreich auf den Weg in den Syrien-Krieg gemacht. Die österreichischen Behörden betrachten diese Entwicklung mittlerweile als „Sicherheitsrisiko“. Denn die Kriegserfahrung radikalisiere die Kämpfer oft. Besonders unter die Lupe genommen haben österreichische Verfassungsschützer in diesem Zusammenhang die tschetschenische Szene in Graz. Insgesamt leben rund 26.000 Tschetschenen in Österreich, die meisten davon sind infolge der Tschetschenienkriege (1994-96, 1999-2009) gekommen und leben hier als Asylwerber oder anerkannte Flüchtlinge. Die Konfliktlinien ihrer Heimat trennen sie auch hier: Es gibt Anhänger des früheren separatistischen Pragmatikers Aslan Maschadow, aber auch Sympathisanten Doku Umarows. Umarow ist ein islamistischer Rebellenführer („Kaukasus-Emirat“), der sich in den Wäldern der russischen Teilrepublik versteckt hält und gegen die Moskau-treue Führung von Ramsan Kadyrow kämpft. Auch Parteigänger Kadyrows halten sich in Österreich auf. Der Weg der Jihad-Touristen führt meist über die Türkei. Dort verliert sich ihre Spur. Deshalb kann die Polizei nur schätzen und nicht genau angeben, wie viele verdächtige Personen nun tatsächlich die Grenze nach Syrien überquert haben, um sich den Rebellen anzuschließen.

Werbevideos aus Syrien

Kämpfer mit Nordkaukasus-Hintergrund sind in Syrien recht aktiv. Nach Angaben der syrischen Armee seien es 100 Männer. Es dürften freilich um einige mehr sein: Allein im Februar sollen 17 nordkaukasische Kämpfer in der Region Aleppo ums Leben gekommen sein, geben die Rebellen an. Eine Schlüsselrolle im Engagement tschetschenischer Jihadisten spielt der Kommandant Abu Omar al-Shishani (auch al-Chechen genannt, „der Tschetschene“), ein Verbündeter Umarows und Veteran aus den Tschetschenienkriegen. Al-Chechen stammt aus dem georgischen Pankisi-Tal und befehligt in Syrien die „Brigade der Migranten und Unterstützer“ („Jaish al-Muhajireen wa Ansar“), die 1000 Kämpfer umfassen soll. Es ist eine internationale Brigade, der neben Tschetschenen auch Kämpfer aus Russland, der Ukraine, Türkei und Tadschikistan angehören – sogar ein Han-Chinese soll darunter sein. Ob es tatsächlich 1000 Kämpfer sind, ist schwer zu überprüfen. Auf einem Video, abrufbar auf der Webseite der Brigade, sind bei einer Versammlung höchstens 200 bis 300 schwer bewaffnete und teils vermummte Rebellen zu sehen. Die Brigade soll Mitte 2012 ursprünglich von libyschen Kämpfern gegründet worden sein. Al-Chechen – er trägt eine Wollmütze, einen auffälligen roten Vollbart und tritt stets in sportlicher Survivalkleidung auf – ist in der Stadt und Provinz Aleppo aktiv. Laut einschlägigen Webseiten hat die internationale Brigade am Dienstag den Militärflughafen von Aleppo erobert und 20 Schützen- und Kampfpanzer russischer Bauart erbeutet. Auch bei anderen Anschlägen in der Region soll sie sich beteiligt haben. In einem anderen Video ruft al-Chechen, umringt von Kämpfern, zum Jihad auf. „Wir haben viele Chancen verpasst“, sagt er. „Aber hier und heute besteht eine reale Chance, die Scharia in anderen Staaten zu verbreiten.“ Und al-Chechen verrät in seinem Werbevideo auch, was er und seine Kämpfer am dringendsten benötigen: „in erster Linie Geld“.

Originalartikel Die Presse

Afghanen gegen Tschetschenen und umgekehrt: Unter den Asylwerbern ist ein blutiger Bandenkrieg ausgebrochen. Es geht um die Vorherrschaft im Drogengeschäft und um Rache.

Die Auseinandersetzungen zwischen afghanischen und tschetschenischen Asylwerbern erreichten am Dienstagabend einen blutigen Höhepunkt. Nachdem ein 26-jähriger Tschetschene auf offener Straße niedergestochen wurde, drohen die Afghanen nun mit Rache. „Es war ein wildes Gebrüll, ich habe kein Wort verstanden. Aus allen Ecken sind sie hervorgekommen und haben zugeschlagen. Ich habe schon viele Raufereien gesehen, aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, schildert der Taxifahrer Gottfried Heinzl die blutige Auseinandersetzung. Und ein weiterer Zeuge, ein junger Türke, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Ich habe sofort gewusst, die machen ihn kaputt.“ Im Bereich Orpheumgasse/Volksgartenstraße sind plötzlich 25 bis 30 afghanische Asylwerber aufgetaucht und haben sich auf vier Tschetschenen gestürzt. Diese setzten sich zur Wehr. Es kam zu einer Prügelei. Mit Zaunlatten und Messern sind die Afghanen auf die Tschetschenen losgegangen. Einer konnte entkommen, einer wurde durch einen Schlag ins Gesicht verletzt.

Hass auf Tschetschenen

Ein Tschetschene rannte die Annenstraße hinunter. An der Ecke Vorbeckgasse holte ihn die Meute aber ein. Sekunden später sank er durch einen Messerstich in den Oberschenkel schwer verletzt zusammen. Dann flüchteten die Täter in alle Richtungen. Einige von ihnen konnten später von der Polizei angehalten und verhört werden – als Zeugen, wie Hubert Miedl von der Mordgruppe des Landeskriminalamtes versichert. Denn wer zugestochen hat, steht noch nicht fest. „Wir kennen den Täter noch nicht, wir sind mitten in den Ermittlungen“, so Mordgruppenchef Anton Kiesl und sein Stellvertreter Peter Neubauer. Als Motiv für die Auseinandersetzung nannten die Afghanen den Russlandkrieg in ihrer Heimat. Die Tschetschenen hätten damals besonders grausam gewütet. Das dürfte aber nicht der wahre Hintergrund der Fehde zwischen Afghanen und Tschetschenen sein. Es geht dabei auch um die Vorherrschaft im Drogengeschäft. Die Polizei kennt die Probleme seit geraumer Zeit und hat auch schon darauf reagiert. Als sich Dienstagabend eine größere Anzahl afghanischer Asylwerber gegen 19 Uhr am Hauptbahnhof traf, war auch bereits eine Spezialeinheit anwesend. „Wir hatten einen Hinweis, dass etwas passieren könnte“, sagt Stadtpolizeikommandant Kurt Kemeter. Doch die Gruppe löste sich rasch wieder auf, die Polizei hielt sich daher im Hintergrund. Zwei Stunden später schlugen die Afghanen blitzschnell zu. Nachdem ein leicht verletzter Afghane im Krankenhaus behandelt worden war, warteten am Gang bereits sieben Tschetschenen auf ihn und wollten Rache nehmen. Die Polizei konnte rechtzeitig dazwischengehen.

Originalartikel Kleine Zeitung